Bahn stattet weiteres Personal an Bahnhöfen mit Bodycams aus

Datum13.08.2026 09:25

Quellewww.spiegel.de

TLDRDie Deutsche Bahn erweitert den Einsatz von Bodycams auf Bahnhofspersonal, um Mitarbeiter vor Übergriffen zu schützen. Nach dem Zugpersonal sollen nun hunderte weitere Beschäftigte im Bahnhofsservice freiwillig Kameras tragen. Die Maßnahme soll deeskalierend wirken und zur Beweissicherung dienen, da die Bahn eine Zunahme von Übergriffen verzeichnet. Datenschützer fordern strenge Regeln, die Bahn plant aber auch Modellversuche mit Tonaufnahmen.

InhaltBodycams sollen Bahn-Beschäftigte vor Übergriffen schützen. Nach dem Zugpersoal sollen nun auch mehr Mitarbeiter an Bahnhöfen die kleinen Videokameras tragen können. Die Deutsche Bahn weitet den Einsatz von Bodycams aus. Nach dem Zugpersonal könnten schon bald Hunderte weitere Mitarbeiter die kleinen Kameras am Körper tragen. Rund 2.700 Beschäftigte im Bahnhofsservice und in der Stationsbetreuung sollten schrittweise die Möglichkeit bekommen, freiwillig eine solche Kamera zu tragen, teilte der Konzern mit. Erste Geräte sind demnach bereits an den Hauptbahnhöfen Frankfurt am Main und Bielefeld im Einsatz. Vor der Nutzung sollen die Beschäftigten geschult werden. "Unsere Mitarbeitenden sollen besser geschützt sein: Dafür können sie jetzt auch auf eine Bodycam als Teil der persönlichen Schutzausrüstung zugreifen", sagte Katja Hüske, Vorständin Personenbahnhöfe DB InfraGO. Die Bahn erhofft sich von den Kameras vor allem eine deeskalierende Wirkung in Konfliktsituationen. Laut DB nehmen Übergriffe auf ihre Beschäftigten zu. Für Aufsehen hatte besonders ein tödlicher Angriff auf einen Zugbegleiter bei Landstuhl in Rheinland-Pfalz zu Beginn dieses Jahres gesorgt. Daraufhin hatte die Bahn den Einsatz von Bodycams in Zügen bereits deutlich ausgeweitet, sie werden seither deutlich verbreiteter im Regional- als auch im Fernverkehr genutzt. Im Juli hieß es, 2000 Mitarbeiter im Fernverkehr würden ab sofort mit den kleinen Kameras ausgerüstet. Der Einsatz der an der Oberbekleidung getragenen Geräte ist freiwillig. Kommt es zu einer gefährlichen Situation, können die Geräte per Knopfdruck eingeschaltet werden. Ganz neu ist der Ansatz, mit den kleinen Kameras brenzlige Situationen festzuhalten, nicht. Schon vor rund zehn Jahren gab es Pilotprojekte in Bahnhöfen. Bereits im Februar hatte ein Bahn-Sprecher gesagt zudem vom Einsatz von damals 1.400 Bodycams für Zugbegleiter bei DB Regio berichtet. "Bodycams tragen dazu bei, dass sich Reisende und Mitarbeitende gleichermaßen sicher in den Zügen des Fernverkehrs fühlen", hatte die Bahn im Juli zur Ausweitung des Einsatzes von Bodycams mitgeteilt. "Sie haben eine präventive Wirkung und dienen der Abwehr und Reduktion von Gewalttaten sowie der Beweissicherung." Bahnchefin Evelyn Palla hatte nach dem tödlichen Angriff auf einen Zugbegleiter im Regionalverkehr im Februar angekündigt, dass noch in diesem Jahr alle Beschäftigten mit Kundenkontakt mit einer solchen Kamera auf freiwilliger Basis ausgestattet werden sollen. Die Deutsche Bahn registriert nach eigenen Angaben derweil eine Zunahme an Übergriffen auf Beschäftigte. So seien allein im Regionalverkehr im ersten Halbjahr 989 Vorfälle registriert wurden. Dies sei eine Zunahme um 14 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gewesen. Darunter waren demnach 781 Fälle einfacher Körperverletzung wie Schubsen, Greifen und Bespucken sowie 185 Fälle versuchter Körperverletzung gewesen. Von schweren Körperverletzungen waren 22 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betroffen. An den Bahnhöfen wurden Mitarbeitende des Bahnhofsservices den Angaben der Bahn zufolge im ersten Halbjahr 50 Mal angegriffen. Datenschützer hatten sich offen gegenüber einer Ausweitung des Bodycam-Einsatzes gezeigt. Sie verlangten jedoch strenge Regeln, etwa im Umgang mit Speicherfristen, auch auf Tonaufnahmen könne verzichtet werden. Die Bahn plant allerdings auch einen Modellversuch, bei dem die kleinen Videokameras auch Töne aufzeichnen. Dies könnte in die Rechte der Fahrgäste deutlich stärker eingreifen. Lesen Sie hier mehr dazu: Die Bahn will Zugbegleiter mit Bodycams vor Übergriffen schützen. Aber wen genau sollen sie filmen, wie schützt man Unbeteiligte? Datenschützer verlangen klare Vorgaben, auch zu den Speicherfristen.