»Der Ostcast«: Gefährliche Erinnerungen

Datum13.08.2026 06:00

Quellewww.zeit.de

TLDRDie Beziehung zwischen Polen und der Ukraine wird durch die unaufgearbeitete Vergangenheit im Zweiten Weltkrieg belastet. Massaker der Ukrainischen Aufständischen Armee (UPA) an Polen und Vergeltungsaktionen durch Polen hinterließen Traumata. Die Ehrung einer ukrainischen Armeeeinheit mit Bezug zur UPA durch Präsident Selenskyj hat den Streit neu entfacht und droht, die diplomatischen Beziehungen zu belasten. Rechte Politiker beider Länder instrumentalisieren die Erinnerungen, während die komplexe historische Täter- und Opferrolle unbeleuchtet bleibt.

InhaltPolen und Ukraine sind enge Verbündete. Eigentlich. Aber ihre gemeinsame Geschichte belastet das Verhältnis. Kann die Vergangenheit stärker sein als die Zukunft? Die Gegenwart zwischen Polen und der Ukraine wird von der Vergangenheit eingeholt. Ukrainische Nationalisten verübten im Zweiten Weltkrieg Massaker an der polnischen Zivilbevölkerung in Wolhynien und Galizien. Polnische Kämpfer übten ihrerseits Vergeltung an ukrainischen Zivilisten. Diese historischen Traumata wurden nie aufgearbeitet und brechen nun wieder auf. Denn der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat eine Armeeeinheit geehrt, deren Name an eine Organisation erinnert, die für Verbrechen an der polnischen Bevölkerung steht: die Ukrainische Aufständische Armee (UPA). In der Ukraine werden deren Kämpfer als Freiheitshelden verehrt, in Polen gelten sie als Verbrecher. Längst hat der Streit die Politik beider Länder erfasst und greift auf die Gesellschaften über. Im Verhältnis Polens zur Ukraine droht etwas zu kippen. Rechte Politiker befeuern den Konflikt. In diesem Ostcast befassen sich Michael Thumann und Alice Bota damit, wie Erinnerungen politisch instrumentalisiert werden, warum historische Traumata bis in die Gegenwart wirken und die Macht haben, die Zukunft zu prägen. Sie beleuchten, warum die Nationalisten des Zweiten Weltkriegs heute ein so hohes Ansehen in der Ukraine genießen und wie die polnische Seite den Ukrainern zu Recht vorwirft, geschichtsvergessen zu sein, sich aber gleichzeitig nicht den eigenen historischen blinden Flecken stellt. Denn Täterschaft und Opferschaft existierten damals oft parallel. Wer Täter war, konnte zum Opfer werden und umgekehrt. Alle drei Wochen sprechen wir im Ostcast über Politik und Gesellschaft der osteuropäischen Länder. Alice Bota berichtet von ihren Gesprächen und Erfahrungen in Osteuropa, Michael Thumann erzählt von seinen Begegnungen und Reisen in Russland und den Nachbarländern. Literatur: Alle Folgen des Podcasts finden Sie hier. Unter ostcast@zeit.de erreichen Sie das Team per Mail.