Datum13.08.2026 06:00
Quellewww.zeit.de
TLDRDer Artikel beleuchtet die Evakuierung eines Hamburger Wohnhauses aufgrund von Einsturzgefahr. Ein Bewohner berichtet von dem Verlust seines Zuhauses und fordert verpflichtende Kontrollen für Wohngebäude. Weiterhin thematisiert der Text alternative U5-Pläne, die ADAC-Cyclassics, eine positive Saisonbilanz der Freibäder und das 25-jährige Bestehen des Miniatur Wunderlandes. Ein weiterer Beitrag widmet sich dem Modelbusiness und seiner Mutterrolle.
InhaltDie Elbvertiefung am Donnerstag – mit einer alternativen Idee zur U5, Einblicken ins Modelbusiness und Stauprognosen für das Wochenende in einer Wohnung, in der ich früher mal lebte, entdeckte ich einen Riss an der Wand. Dann noch einen. Die Risse wurden größer. Und mir wurde immer mulmiger zumute: Nicht nur, dass diese Risse unschön aussahen – bald fragte ich mich, ob sie auf etwas Größeres hindeuten: Wie sicher ist dieses Haus? Ich gab meinem Vermieter Bescheid, der kurz darauf mit einem Statiker vorbeikam. Der schaute sich alles gründlich an, ging auch in andere Wohnungen, und gab schnell Entwarnung: Keine Einsturzgefahr. Ich weiß noch, dass ich mir damals selbst etwas albern vorkam. Als ob ein Haus einfach so einstürzen würde! Ein naiver Gedanke, oder? Doch mein Vermieter fand das gar nicht albern, auch der Statiker erklärte ausführlich, wo das Problem lag (es hatte mit verschiedenen Bauteilen in der Decke zu tun, aber das würde hier zu weit führen). Daran musste ich denken, als ich am Dienstagnachmittag Richard von der Schulenburg in der Holstenstraße traf. Ein Bagger grub sich gerade durch seine Wohnung, durch Wände, Möbel, Erinnerungen. Von der Schulenburg ist einer der Menschen, die im Haus mit der Nummer 197 lebten und vor drei Wochen wegen akuter Einsturzgefahr evakuiert wurden. Er erzählte mir, wie er diesen Moment erlebt hat und was er nun vorhat. Einen Auszug des Interviews finden Sie weiter unten, den ganzen Text auch hier (Z+). Im Gespräch war von der Schulenburg sichtlich mitgenommen. Auch mir fehlten manchmal die Worte, gern hätte ich diesem zittrigen Mann vor mir etwas wirklich Tröstendes gesagt. Seine Nachbarn und er haben fast alles verloren und müssen sich vermutlich bald neue Wohnungen suchen, und das ist in Hamburg wirklich kein Spaß. Von der Schulenburg wünscht sich nun, dass seine Geschichte politische Konsequenzen hat. Er glaubt etwa, der Zustand von Wohngebäuden müsse verpflichtend kontrolliert werden – und zwar bevor Mieter Alarm schlagen müssen oder es bereits zu spät ist. "Es geht hier um Menschen und ihren Lebensraum", sagte er am Ende noch. "Und um Stadtgeschichte. Unser Haus wurde 1894 gebaut, es stand unter Denkmalschutz, hatte hohe Decken, Stuck, Jugendstildetails. Es war wunderschön. Wie kann so ein Haus einfach verrotten?" Ob wenigstens ein Teil zu retten ist, ob die Bewohner noch einzelne Sachen daraus bergen können, ist noch immer nicht klar. Nach dem Abriss des Hinterhauses wird die Stabilität des Vorderhauses geprüft, bald soll dazu eine Entscheidung fallen. Kommen Sie gut durch den Tag, Ihre Annika Lasarzik Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, oder wissen Sie etwas, über das wir berichten sollten? Dann schreiben Sie uns eine E-Mail an hamburg@zeit.de. Am Sonntag werden bei den ADAC-Cyclassics bis zu 11.500 Teilnehmer erwartet. Nach Angaben der Polizei ist das Rennen eines der weltweit größten Jedermann- und Profi-Radsportereignisse. In Hamburg und im nördlichen Niedersachsen werden dafür zahlreiche Straßen gesperrt. Hamburgs Freibäder haben eine erste Zwischenbilanz der Saison gezogen. Laut Betreiber Bäderland liegen zwar noch keine exakten Zahlen vor, doch es könnte "seit Langem mal wieder eine überdurchschnittliche Saison werden". Einen festen Termin für das Ende der Freibad-Saison gibt es nicht; er hängt vom Wetter ab. Die Hamburger Linksfraktion wirbt erneut für Straßenbahnen als Alternative zur U5. Eine von ihr beauftragte Studie schlägt vier Linien von knapp 44 Kilometern Länge vor, die auch den Hauptbahnhof entlasten sollen. Im Vergleich zu den vom Senat auf rund 16,5 Milliarden Euro bezifferten Kosten für das U-Bahnprojekt kommen die Studienautoren für die Straßenbahn auf Gesamtkosten von rund 1,5 Milliarden Euro. Am Wochenende erwartet der ADAC wegen einer Rückreisewelle plus normalem Ferien- und Ausflugsverkehr eine hohe Auslastung in beiden Richtungen auf den Nord-Süd-Achsen. Besonders betroffen werden voraussichtlich die A7 und die A1 zwischen der Ostseeküste, Lübeck und Hamburg sein. Der ADAC rät dazu, die klassischen Stoßzeiten zu meiden. In der Nacht zum Sonntag feiert das Miniatur Wunderland sein 25-jähriges Bestehen. Am 16. August 2001 gründeten die Brüder Frederik und Gerrit Braun die Modelllandschaft mit Sehenswürdigkeiten im Kleinformat. Sie gilt als die größte Modelleisenbahnanlage der Welt; allein im Jahr 2024 kamen fast 1,6 Millionen Besucher. Vor dem Amtsgericht wurde gestern der Fall eines Mannes aus Fuhlsbüttel verhandelt, der wegen der Billigung von Straftaten angeklagt war. Der 60-Jährige soll im Mai 2025 auf der Plattform X den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine implizit befürwortet und ein Vorgehen des russischen Geheimdienstes gegen einen russlandkritischen X-Nutzer gutgeheißen haben. Außerdem soll er dem ukrainischen Staatspräsidenten Wolodymyr Selenskyj in dem Post den Tod gewünscht haben. Vor dem Amtsgericht bestritt der Angeklagte, einen Angriffskrieg gebilligt zu haben. Das Hanseatische Oberlandesgericht hatte solche Fälle bereits vor längerer Zeit am Beispiel des Z-Symbols grundsätzlich eingeordnet: Der Krieg Russlands gegen die Ukraine sei ein Angriffskrieg und gehöre deshalb zu den Verbrechen, die man nicht öffentlich gutheißen dürfe. Wer dies doch tue, störe den öffentlichen Frieden und werde bestraft. Darauf stehen eine Geldstrafe oder bis zu drei Jahre Haft. Zu diesem Ergebnis kam das Amtsgericht auch in diesem Fall. Es hatte gegen den 60-Jährigen zunächst einen Strafbefehl über 1.200 Euro erlassen. Weil der Mann Einspruch einlegte, kam es zum Prozess. Nach der Beweisaufnahme riet ihm der Amtsrichter, den Einspruch zurückzunehmen – andernfalls könne es für ihn noch teurer werden. Der Mann folgte dem Rat und muss nun die Geldstrafe von 1.200 Euro zahlen. Von Elke Spanner Zehn Minuten hatte Richard von der Schulenburg Zeit, in seiner Wohnung zu packen. Dann wurde sein Haus evakuiert: akute Einsturzgefahr. Ob er je wieder rein kann? Unklar. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Interview von ZEIT-Redakteurin Annika Lasarzik. Dienstagnachmittag in Hamburg-Altona. In der Holstenstraße beugen sich zwei gewaltige Kräne über das Haus mit der Nummer 197, ein Teil der Straße ist abgesperrt. Das Hinterhaus wird in diesen Minuten abgerissen. Richard von der Schulenburg musste eben mitansehen, wie seine Küche zertrümmert wurde. Jetzt sitzt er in gelber Warnweste in einem Café ums Eck und kämpft mit den Tränen. Die Feuerwehr hatte sein Wohnhaus wegen akuter Einsturzgefahr evakuiert. Was bleibt, wenn man binnen Minuten fast alles verliert? Und wie geht es jetzt weiter? DIE ZEIT: Herr von der Schulenburg, vor drei Wochen mussten Sie plötzlich Ihre Wohnung verlassen und durften sie seither nicht mehr betreten, weil dem Haus akute Einsturzgefahr droht. Wie hat man Ihnen das mitgeteilt? Von der Schulenburg: Es war Donnerstag, der 23. Juli, gegen elf Uhr vormittags. Die Feuerwehrleute riefen einen Countdown durchs Treppenhaus: "Noch vier Minuten, noch drei Minuten …!" Ich war völlig durcheinander und konnte nicht fassen, was da gerade passiert. Wer rechnet schon damit, dass sein Haus gleich einstürzen könnte? Es blieben mir vielleicht zehn Minuten, um die nötigsten Dinge einzupacken. Es war wie in einem schlechten Film. ZEIT: Was haben Sie mitgenommen? Von der Schulenburg: Ich hatte zufällig schon einen Koffer mit Musikequipment gepackt, weil ich am Wochenende einen Auftritt haben sollte. Den habe ich mir geschnappt, außerdem einen Synthesizer und eine Tasche mit Schallplatten. Und eine Tasche mit etwas Kleidung, meinen Laptop und eine Festplatte. Andere Dinge, die mir wichtig sind, habe ich zurückgelassen. Manchmal ärgere ich mich heute darüber. Aber unter einem solchen Zeitdruck kann man kaum klare Entscheidungen treffen. ZEIT: Hatten Sie Angst? Von der Schulenburg: In diesem Moment eigentlich nicht. Dafür stand ich viel zu sehr unter Schock. Ich dachte nur: Das kann doch nicht wahr sein! Angst hatte ich manchmal vorher, als ich merkte, dass die Risse in meinem Schlafzimmer immer größer wurden. Trotzdem war ich davon ausgegangen, dass man das Haus noch reparieren könnte. Wie zuvor mit Mängeln im Haus umgegangen wurde, wie es drinnen aussah, wie es jetzt weitergeht, das lesen Sie in der ungekürzten Fassung. → Zum Artikel (Z+) "Da nimmt jemand Maß und sagt: ›Deine Hüften sind zu breit, Honey‹" Toni Garrn war 13, als sie auf dem Jungfernstieg entdeckt und ins Modelbusiness katapultiert wurde. Ein Gespräch übers Dünnsein, ihre Finanzen und was sie als Mutter eines jungen Models anders machen würde. Die Fragen stellten Nina Piatschek und Leonie Seifert.→ Zum Artikel (Z+) In der Botschaft der Wildtiere läuft noch bis einschließlich morgen das Sommerferienangebot. In einer offenen Lernwerkstatt können Kinder und Jugendliche heimischen Wildtieren auf die Spur kommen – beim Forschen, Entdecken und Rätseln, durchs Mikroskop oder beim Zeichnen oder Erfühlen. Für alle bis 14 Jahre ist der Eintritt kostenlos. Botschaft der Wildtiere; die Lernwerkstatt ist geöffnet bis zum 14. August; Lucy-Borchardt-Straße 2 Sonntagvormittag am Alsterlauf. Die jungen Männer zweier Paare pumpen die SUPs auf. Händisch. Angefeuert von Passanten auf drei nahen Parkbänken. Ein älterer Herr: "Da wäre ’ne KI jetzt mal gut für." Gehört von Horst-Dieter Martinkus Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie möchten, dass er täglich um 6 Uhr in Ihrem Postfach landet, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren.