Datum13.08.2026 04:32
Quellewww.spiegel.de
TLDRKaroline Leavitt, Trumps jüngste und überzeugte Sprecherin, verlässt das Weiße Haus, um mehr Zeit für ihre Familie zu haben. Sie war bekannt für ihren konfrontativen Stil und ihre Verteidigung von Trumps Politik. Trump lobte sie als eine der besten Sprecherinnen und betonte ihre anhaltende Rolle als Beraterin. Ihr Abgang erfolgt zu einer kritischen Zeit für Trump, kurz vor den Midterms.
InhaltAls bisher jüngste Sprecherin im Weißen Haus vertrat Karoline Leavitt den US-Präsidenten mit voller Überzeugung und rabiatem Ton. Jetzt hört sie auf, während Donald Trump in immer größeren Schwierigkeiten steckt. Sie ist das Sprachrohr von US-Präsident Donald Trump. Mit nicht einmal 30 Jahren rückte Karoline Leavitt als jüngste Sprecherin überhaupt auf eine der wichtigsten Positionen im Weißen Haus – und prägte den Ton von Trumps teils erratischer Politik. Sie gilt als unerschütterliche Unterstützerin des Präsidenten. Überraschend hört Leavitt, die kürzlich ihr zweites Kind bekam, nun zum Monatsende auf. Trump muss jetzt eine neue Sprecherin oder einen neuen Sprecher finden, der oder die mit ihrer Schlagfertigkeit mithalten kann. Und das zu einer Zeit, in der ein erfolgreiches Vermitteln seiner politischen Standpunkte für ihn entscheidend ist: außenpolitisch etwa mit Blick auf den nach wie vor nicht dauerhaft beigelegten Irankrieg und innenpolitisch vor allem angesichts der Midterms im November. Bei den Zwischenwahlen könnten Trumps Republikaner die Mehrheit zumindest in einer Kammer des Kongresses verlieren, vielleicht auch in beiden. Leavitt erlangte mit ihrer Scharfzüngigkeit weltweit Bekanntheit. Wenn die 28-Jährige ihre Pressekonferenz im Weißen Haus abhält, kann die Stimmung schnell frostig werden. Sie verändert von einem Moment auf den anderen ihren Gesichtsausdruck und rügt fragende Journalisten heftig. Sie beschuldigt die Medien, Fake News zu verbreiten, also Falschinformationen (mehr hier). Öffentlich weicht Leavitt kaum von Trumps Seite. Er lobte sie immer wieder für ihre Arbeit. Eisern verteidigte sie seine rigide Politik und wischte Fragen etwa zum Skandal um den Sexualstraftäter Jeffrey Epstein vom Tisch – sie versuchte geschickt, unangenehme Themen vom Präsidenten fernzuhalten. Auch, wenn es hinter den Kulissen heftig brodelte, sprach sie mantraartig nur von der erfolgreichen Arbeit ihres Chefs. Die gläubige Christin etablierte im Weißen Haus einen rigiden und konfrontativen Kommunikationsstil. In der Ära Trump sind die Medien dem Dauerfeuer einer Regierung ausgesetzt, die ihnen das Verbreiten falscher Nachrichten vorwirft und sich selbst meist als Opfer darstellt. Wohlwollende Berichterstattung wird dagegen ausdrücklich gelobt. So hat Leavitt etwa einen Platz für sogenannte neue Medien geschaffen. Häufig handelt es sich dabei um rechte Influencer. Jedes Mal darf ein anderes vom Weißen Haus handverlesenes Medium bei den Pressekonferenzen die erste Frage stellen. Bei den vermeintlichen Fragen handelt es sich dann meist eher um wie bestellt wirkende Lobhudelei. Trump verkündete Leavitts Abgang auf Truth Social und begründete ihn damit, dass sie dann mehr Zeit für die Familie haben würde. Leavitt habe sich für diesen Schritt entschieden, den er "voll und ganz" verstehe und respektiere, schrieb er. Ob das der einzige Grund ist, blieb zunächst unklar. Zumindest soll es offiziell weiter eine Verbindung zwischen Trump und Leavitt geben. Sie werde nun zu einer seiner "wichtigsten externen Beraterinnen und eine einflussreiche Stimme" innerhalb der republikanischen Partei, teilte Trump mit. Der Präsident lobte sie als eine der besten Pressesprecherinnen in der Geschichte des Weißen Hauses. "Karoline war eine echte Führungspersönlichkeit im Weißen Haus", schrieb er. Leavitt brachte Anfang Mai ihr zweites Kind zur Welt, eine Tochter. Sie hat mit ihrem Ehemann – dem reichen und mehr als 30 Jahre älteren Immobilienunternehmer Nicholas Riccio – bereits einen kleinen Sohn, der 2024 zur Welt kam. Nach der Geburt der Tochter kehrte Leavitt schnell als Sprecherin zurück ins Weiße Haus. Leavitt selbst bedankte sich auf der Plattform X überschwänglich bei Trump für all die außergewöhnlichen Möglichkeiten, die er ihr geboten habe. "In den vergangenen anderthalb Jahren als Pressesprecherin des Weißen Hauses zu arbeiten, war für mich die Ehre und das Abenteuer meines Lebens." Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung. Mutter zu sein und ein weiteres Kind zu bekommen, während sie einen der anspruchsvollsten Jobs der Welt ausgeübt habe, sei erfüllend gewesen, schrieb sie, aber auch die herausforderndste Zeit ihres Lebens. "Die Wahrheit ist: Seit meiner Rückkehr ins Weiße Haus nach der Geburt meiner Tochter habe ich in meinem Herzen gespürt, dass ich nicht die beste Mutter sein kann, die meine beiden kleinen Kinder verdienen, wenn ich konstant die Zeit, Energie und Aufmerksamkeit aufwende, die das Amt der Pressesprecherin des Weißen Hauses erfordert". Daher habe sie letztendlich die "bittersüße Entscheidung" getroffen, das Weiße Haus zu verlassen. Der wohl eindrücklichste Beweis für Leavitts Loyalität zu Trump zeigte sich am Tag des Attentatsversuchs auf den Republikaner in Butler im Bundesstaat Pennsylvania im Sommer 2024. Leavitt arbeitete während des Wahlkampfs in Trumps Team, nur drei Tage vor dem Attentat brachte sie ihren Sohn zur Welt. Ihren kurzen Mutterschutz beendete sie daraufhin umgehend. Trump habe buchstäblich sein Leben aufs Spiel gesetzt, um diese Wahl zu gewinnen, sagte sie dem Online-Magazin "The Conservateur". "Das Mindeste, was ich tun konnte, war, schnell wieder an die Arbeit zu gehen." Leavitt wurde 1997 im US-Bundesstaat New Hampshire geboren. Sie studierte an einer privaten katholischen Universität in ihrem Heimatbundesstaat Politik und Kommunikation. Obwohl sie einst Journalistin werden wollte, führte ihr Weg sie schnell in die Politik: Während Trumps erster Amtszeit beantwortete sie zunächst Bürgerbriefe im Weißen Haus, wechselte dann in die Presseabteilung und arbeitete unter Trumps damaliger Sprecherin Kayleigh McEnany. Nach Trumps Niederlage bei der Präsidentenwahl 2020 arbeitete Leavitt für das Büro der Abgeordneten Elise Stefanik. Schließlich versuchte sich Leavitt selbst als Politikerin und bewarb sich 2022 um einen Sitz im Repräsentantenhaus – allerdings ohne Erfolg. Nach ihrer Zeit als Pressesprecherin im Weißen Haus will sich Leavitt eigenen Angaben zufolge weiter für die Republikaner einsetzen. In ihrem Abschiedspost auf X bekräftigte sie die häufig von Republikanern vorgebrachte Darstellung, dass von den Demokraten eine "existenzielle Bedrohung" für das Land ausgehe. "Mein Kampf tritt in eine neue Phase ein, aber er ist noch lange nicht vorbei." Zur Wahrheit hat die US-Regierungssprecherin ein ähnlich pinocchiohaftes Verhältnis wie ihr Chef. Wieso Leavitt mit erst 28 Jahren gerissener, professioneller und perfider als alle Trump-Sprachrohre vor ihr ist, lesen Sie hier .