Datum12.08.2026 16:32
Quellewww.spiegel.de
TLDRDie bevorstehende Sonnenfinsternis hat zu einer enormen Nachfrage nach speziellen SoFi-Brillen geführt, die nun fast überall ausverkauft sind. Optiker berichten von zahlreichen verzweifelten Anrufen. Auf Online-Plattformen werden die begehrten Brillen zu stark überhöhten Preisen von bis zu 20 Euro pro Stück verkauft, da kurzfristig keine günstigen Optionen mehr verfügbar sind. Sicherheitsexperten warnen dringend vor der Nutzung ungeeigneter Filter, um Augenschäden zu vermeiden.
InhaltKurz vor Beginn der Sonnenfinsternis steigen die Preise für sogenannte SoFi-Brillen in astronomische Höhen, ein Optiker berichtet von verzweifelten Anrufern. Wo Sie jetzt noch eine Brille bekommen – und was Sie dafür hinblättern müssen. Dieser Artikel gehört zum Angebot von SPIEGEL+. Sie können ihn auch ohne Abonnement lesen, weil er Ihnen geschenkt wurde. Man sagt, heutzutage gibt es nur noch wenige Dinge, die viele Menschen gleichzeitig faszinieren. Kaum Veranstaltungen, Fernsehtermine immer seltener, nicht mal die deutsche Fußballnationalmannschaft. Es gibt aber offenbar eine Ausnahme: die erste Sonnenfinsternis seit 1999 . An diesem Mittwochabend schiebt sich der Mond mal wieder vor die Sonne. Und zumindest in den Großstädten scheinen alle dabei sein zu wollen. Freundinnen verabreden sich in Parks, Freunde wollen extra früh essen gehen, damit man später früh genug aufbrechen kann, um einen guten Blick zu ergattern. Das Problem am guten Blick: Dazu braucht es ein Hilfsmittel. Eine sogenannte SoFi-Brille. Nur mit dem Spezialfilter, der nur 0,001 Prozent des Lichts durchlässt, kann man die Sonnenfinsternis ohne medizinische Bedenken verfolgen. Sonst drohen Augenschäden. Nein, auch eine handelsübliche Sonnenbrille reicht nicht aus. Das nächste Problem: Zumindest in den deutschen Metropolen scheinen die Sonnenfinsternisbrillen restlos ausverkauft. In Berlin etwa hingen schon am Montag vor vielen Optikergeschäften Zettel mit der Auskunft, dass es hier keine Sonnenfinsternisbrillen mehr zu kaufen gebe. Der Sturm auf die letzten verbleibenden Brillen betreibt ganze Chatgruppen, bei Reddit formieren sich Suchende und Findende, die über Restbestände in irgendwelchen Randbezirken berichten. Der Optiker im Hauptbahnhof solle noch welche haben, nein, auch ausverkauft, schreibt ein anderer. Das Ergebnis ist eigentlich immer dasselbe: kein Erfolg. Fielmann-Filialleiter Filip Kamzelewski Filip Kamzelewski leitet die Fielmann-Filiale an der Wandsbeker Marktstraße in Hamburg. Gestern habe er bei 56 Anrufen aufgehört zu zählen, heute, am Mittwoch, sei er ununterbrochen am Telefon, sagt der Obermeister der Augenoptikerinnung Hamburg. Die ganze Zeit rufen Menschen an, die eine Sonnenfinsternisbrille kaufen wollen, niemand will das erste Ereignis seit 1999 verpassen. "Die Nachfrage nach Sonnenfinsternisbrillen ist derzeit enorm", sagt Kamzelewski dem SPIEGEL. Aber schon seit Samstag meldet er: ausverkauft. Dann also Kleinanzeigen. Also dorthin, wohin es einen führt, wenn man Schnäppchen sucht, die Verzweiflung groß ist oder einem schlichtweg die Ideen ausgehen. Doch die Verzweiflung scheint auch auf der Plattform für Rares, Gebrauchtes und Ungenutztes groß. Schnäppchen aber sind an diesem Mittwoch ganz bestimmt nicht mehr zu machen – zumindest nicht, was Sonnenfinsternisbrillen betrifft. Glückliche oder besser gesagt: Clevere, die sich in den Tagen vorher schon eingedeckt haben, machen dort das Geschäft ihres Lebens. Ein Verkäufer aus Berlin-Neukölln hatte ein Fünfzigerpack rumliegen. Ganz unumwunden, vielleicht sogar dreist, zeigt er es sogar im Artikelbild. Bei Amazon bekommt man es für 39,95 Euro. Lieferzeit? Eine Woche. Für Kurzentschlossene zu spät, um sich am Mittwochabend nicht die Netzhaut zu verbrennen. Jetzt verkauft der Kleinanzeigenhändler die Brillen für 20 Euro das Stück. Und damit ist er nicht mal der teuerste Anbieter. Man will sich gar nicht ausrechnen, was Sonnenfinsternisbrillenverkäufer in diesen Tagen für eine Rendite machen. ETFs können einpacken. Denn Kurzentschlossenen bleibt nichts anderes übrig, wollen sie das Spektakel nicht verpassen. Und davon gibt es viele, sagt Kamzelewski, der Obermeister der Augenoptikerinnung. Eine solche geballte Nachfrage sei wirklich außergewöhnlich, sagt er. "Viele Menschen kümmern sich offenbar erst unmittelbar vor dem Ereignis um einen geeigneten Augenschutz." Umso wichtiger sei es, keinesfalls ungeeignete oder improvisierte Lösungen zu nutzen, mahnt Kamzelewski. "Für die direkte Beobachtung der Sonne müssen dafür vorgesehene und entsprechend zertifizierte Sonnenfinsternisbrillen verwendet werden, um das Auge richtig zu schützen." Dann doch lieber verpassen. Wer die Sonnenfinsternis aus finanziellen, terminlichen oder anderen Gründen nicht mitbekommt, muss übrigens gar nicht so lange auf die nächste Gelegenheit warten. Sie gibt es am 2. August 2027. Die nächste totale Sonnenfinsternis in Deutschland wird am 3. September 2081 erwartet. Beide Termin lassen Zeit genug, um nicht wieder am selben Tag für 20 Euro eine Pappbrille auf einschlägigen Plattformen erstehen zu müssen.