Bafög: Kabinett beschließt Erhöhung für Studierende und Schülerinnen

Datum12.08.2026 12:40

Quellewww.spiegel.de

TLDRDas Kabinett hat eine Bafög-Reform beschlossen, die höhere Zahlungen für Studierende und Schüler vorsieht. Die Wohnkostenpauschale steigt ab Sommer 2027, der Grundbedarf wird schrittweise angehoben. Der Antrag wird digital und ohne Leistungsnachweis möglich. Studierendenwerke kritisieren die Erhöhungen als zu gering und die Angleichung des Grundbedarfs als zu langsam. Die Zahl der Bafög-Empfänger ist zuletzt gesunken.

InhaltSchwarz-Rot hat lange gerungen, nun ist kommt sie – aber anders als lange geplant: die Bafög-Reform. Der Antrag kann digital gestellt werden, der Leistungsnachweis entfällt. Das Studierendenwerk übt dennoch Kritik. Bafög-Empfänger sollen im nächsten Sommersemester mehr Geld bekommen. Das Bundeskabinett in Berlin hat eine entsprechende Reform der Ausbildungsfinanzierung auf den Weg gebracht. Der Gesetzentwurf soll im Herbst in Bundestag und Bundesrat beraten und verabschiedet werden. Die im Bafög enthaltene Wohnkostenpauschale für diejenigen, die nicht mehr bei den Eltern wohnen, soll demnach zum Sommersemester 2027 von jetzt 380 auf 440 Euro im Monat steigen. Der sogenannte Bafög-Grundbedarf für Studierende, der aktuell bei 475 Euro liegt, wird in zwei Schritten auf das aktuelle Niveau der Grundsicherung angehoben: zum Wintersemester 2027/28 auf 503 Euro und zum Sommersemester 2029 auf 563 Euro. Auch das Schüler-Bafög steigt. Gleichzeitig soll das Bafög künftig ausschließlich digital beantragt werden und der Leistungsnachweis wegfallen. Diesen müssen Studierende aktuell nach dem vierten Semester einreichen, um weiterhin Bafög zu bekommen. Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) sagte: "Mit dem Kabinettbeschluss sind wir einen entscheidenden Schritt gegangen, damit das Bafög sein Aufstiegsversprechen erfüllen kann." Das Bafög sei und bleibe die zentrale gesetzliche Leistung zur Finanzierung von akademischen und schulischen Ausbildungen. Die Erhöhung der Wohnkostenpauschale war ursprünglich schon für das bevorstehende Wintersemester geplant gewesen. Die Koalition hatte sich aber lange nicht auf die Finanzierung der Reform verständigen können, was zu Verzögerungen führte. Studierendenvertreter hatten lange auf eine Bafög-Anhebung gedrängt. Sie verwiesen auf die gestiegenen Lebenshaltungskosten, besonders die Wohnkosten. Matthias Anbuhl, der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Studierendenwerks, sieht Korrekturbedarf. Die geplante Erhöhung des Wohnkostenzuschusses für Bafög-Beziehende sei angesichts der durchschnittlichen Miete von 512 Euro für ein WG-Zimmer auf dem freien Wohnungsmarkt "zu gering", heißt es in einer Stellungnahme. Die Pauschale "müsste in dieser Legislaturperiode gleich noch mal erhöht werden", so Anbuhl. Zudem dauere die vollständige Angleichung des Grundbedarfs an das Existenzminimum zu lange. "Wer heute studiert, kann nicht drei Jahre auf eine angemessene Förderung warten." Erst vor Kurzem hatte das Statistische Bundesamt mitgeteilt, dass die Zahl der Bafög-Beziehenden erneut gesunken ist: 2025 bekamen demnach 570.000 Menschen Bafög – sieben Prozent weniger als im Vorjahr. Im Durchschnitt erhielten geförderte Studierende monatlich 682 Euro, 25 Euro mehr als im Vorjahr. Für Schülerinnen und Schüler lag der durchschnittliche Förderungsbetrag bei 552 Euro – 13 Euro mehr. Der Frauenanteil der Bafög-Geförderten lag ähnlich wie in den Vorjahren bei 60 Prozent. Die Höhe des Betrags hängt unter anderem von der Ausbildungsstätte, der Unterbringung und vom Einkommen der Eltern ab.