Prozess: Hetzjagd mit sieben Autos: Angeklagter bestreitet Vorwürfe

Datum12.08.2026 10:42

Quellewww.zeit.de

TLDRIm Prozess um eine Hetzjagd mit sieben Autos bestreitet der Angeklagte, einen Mann im März 2021 angefahren und schwer verletzt zu haben. Auslöser soll eine Bedrohung durch das Opfer gewesen sein. Nach einer Verfolgungsjagd und Bedrohung durch 15 Männer fuhr der Angeklagte das Opfer auf einem Feld an. Das Opfer überlebte dank eines Zeugen. Das Gericht befasst sich bereits zum zweiten Mal mit dem Fall.

InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Prozess“. Lesen Sie jetzt „Hetzjagd mit sieben Autos: Angeklagter bestreitet Vorwürfe“. Im Prozess um eine Hetzjagd mit sieben Autos auf einen zum Tatzeitpunkt 32-Jährigen hat der Angeklagte vor dem Landgericht Münster alle Vorwürfe abgestritten. Das ließ der 28-Jährige zu Beginn durch seinen Anwalt erklären.  Laut Anklage soll er im März 2021 das Opfer mit einem Auto auf einem Acker bei Rheine angefahren und schwer verletzt haben. Lebensgefahr bestand zwar nicht. Aber der Angeklagte ließ das Opfer demnach zurück, ohne sich zu kümmern. Der Schwerverletzte überlebte nur, weil ein unbeteiligter Zeuge die Rettungskräfte auf den Mann auf dem dunklen Feld aufmerksam machte. Weil er wegfuhr, ohne sich zu kümmern, nahm der Angeklagte den Tod des Mannes zumindest billigend in Kauf, so die Staatsanwaltschaft in der Anklageverlesung.  Auslöser für den Angriff soll die Bedrohung von zwei Frauen in Rheine gewesen sein. Das spätere Opfer soll seine Ex-Frau und deren Schwester angegangen haben. Worum es genau ging, ist bis heute offen. Darauf schlossen sich 15 Männer aus der Familie der Frauen zusammen und wollten den Mann zur Rede stellen.  Es folgte eine Verfolgungsjagd mit sieben Autos. Startpunkt war Hörstel im Kreis Steinfurt, wo das Opfer wohnte. Der heute 37-Jährige floh damals in seinem Auto, es kam zu wechselseitigen Abdrängungsmanövern. An einer Ampel im rund zehn Kilometer entfernten Rheine blockierten die Verfolger sein Fahrzeug. Die Angreifer bedrohten ihn durch das Fahrerfenster. Ihm gelang noch einmal kurz die Flucht, er wendete und fuhr gegen eines der Fahrzeuge, die ihn blockiert hatten. Daraufhin schlugen die Männer das Fahrerfenster ein. Es folgte ein Tumult, bei dem sich der Verfolgte mit einem Gummihammer und einem Obstmesser zur Wehr setzte. Der Angeklagte, ein 1997 in Gelsenkirchen geborener Syrer, wurde dabei mit einem Stich an der Hüfte verletzt.  Das Opfer flüchtete zu Fuß auf ein Feld. Der Angeklagte verfolgte ihn laut den Ermittlungen mit einem Auto, beschleunigte und traf den Mann mit Tempo 30. Der damals 32-Jährige wurde am Unterschenkel getroffen, über die Motorhaube und Windschutzscheibe geschleudert und knallte nach einem Flug über das Dach auf den Boden.  Das Landgericht Münster beschäftigt sich bereits zum zweiten Mal mit dem Fall. Am 15. Dezember 2022 wurde der Halter des Autos freigesprochen. Das Gericht war am Ende nicht davon überzeugt, dass er bei dem Angriff am Steuer gesessen hatte. Bis zum 24. September sind weitere neun Verhandlungstage angesetzt. © dpa-infocom, dpa:260812-930-517699/1