Inflationsdruck: Niedrigwasser könnte Preise weiter steigen lassen

Datum12.08.2026 10:26

Quellewww.spiegel.de

TLDRDie Inflation in Deutschland stieg im Juli auf 2,8%, hauptsächlich getrieben durch höhere Spritpreise nach Ende des Tankrabatts. Das Niedrigwasser am Rhein verschärft die Situation, da es Logistikkosten erhöht und zu Engpässen bei Produkten führen kann. Dies könnte die Teuerungsrate kurzfristig weiter anheben und die Kaufkraft der Verbraucher schmälern. Stabilere Nahrungsmittelpreise dämpfen die Inflation leicht.

InhaltHohe Spritpreise haben die Inflation in Deutschland im Juli deutlich nach oben getrieben. Ökonomen warnen, dass die Folgen des Niedrigwassers Produkte weiter verteuern könnten. Kräftig steigende Energiepreise nach dem Auslaufen des Tankrabatts haben die Teuerungsrate in Deutschland im Juli auf 2,8 Prozent getrieben. Waren und Dienstleistungen verteuerten ​sich um 2,8 Prozent zum Vorjahresmonat, nach 2,3 Prozent im Juni, wie das Statistische Bundesamt eine erste Schätzung bestätigte. "Die Energiepreise verteuerten sich weiterhin überdurchschnittlich und blieben somit zentraler Preistreiber", erläuterte die Präsidentin des Statistischen Bundesamtes, Ruth Brand. Experten sehen durch das anhaltende Niedrigwasser am Rhein neue Inflationsgefahr. "Die deutsche Inflationsrate könnte dadurch temporär um bis zu einem ​halben Prozentpunkt ansteigen", sagte Ökonom Felix Schmidt von der Berenberg Bank. Lieferengpässe und damit verbundene Knappheiten könnten viele Produkte ⁠verteuern. Das Niedrigwasser auf wichtigen Transportwegen wie dem Rhein erhöhe die Logistikkosten für den Transport von Kraftstoffen und einzelnen Vorprodukten teilweise deutlich, erklärte der ADAC. "Die Preise ⁠von Ölprodukten wie Diesel sind verglichen mit Rohöl ohnehin bereits hoch, weil Raffinerien in den Golfstaaten sowie in Russland durch Kriegseinwirkungen ausgefallen sind", erklärte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. "Der Inflationsdruck dürfte von dieser ‌Seite wegen des Niedrigwassers im Rhein noch etwas steigen." Höhere Teuerungsraten schmälern die Kaufkraft: Die Menschen können sich dann für einen Euro weniger leisten. Das bremst den privaten Konsum, der eine wichtige Stütze der Binnenkonjunktur ist. Energie insgesamt ​verteuerte sich im ‌Juli um 8,3 Prozent zum Vorjahresmonat, nach 3,4 Prozent im Juni. Kraftstoffe verteuerten sich um 23,0 Prozent und damit deutlich stärker als in den beiden Vormonaten. ‌Leichtes Heizöl kostete sogar 34,7 Prozent mehr. Der Nahostkrieg hatte zuvor die Ölpreise an den Weltmärkten hochgetrieben. Gedämpft wurde die Inflation von weitgehend stabilen Preisen für Nahrungsmittel. Diese ‌kosteten durchschnittlich 0,4 Prozent mehr als im ​Juli 2025. Günstiger wurden etwa ‌Butter (minus 30,1 Prozent) und Molkereiprodukte (minus 5,9 Prozent), während Fleisch und Fleischwaren (plus 1,9 Prozent) sowie Zucker, ‌Marmelade, Honig und ​andere Süßwaren (plus 4 Prozent) mehr kosteten. Für Dienstleistungen wurden 2,9 Prozent mehr verlangt. Pauschalreisen (plus 5,6 Prozent) sowie die Wartung und ​Reparatur von Fahrzeugen (plus 4,7 Prozent) verteuerten sich überdurchschnittlich. Die ⁠Preise ohne Nahrungsmittel und Energie, auch ​als Kerninflation ​bezeichnet, legten um 2,4 Prozent zu. In den nächsten Monaten könnte es mit der Teuerung weiter nach oben gehen. Denn der Konflikt zwischen den USA und Iran ist nicht gelöst. Die Hoffnung, dass die Straße von Hormus wieder geöffnet wird, hat sich vorerst zerschlagen. Die für den weltweiten Öl- und Gashandel wichtige Meerenge ist seit Ende Februar faktisch blockiert. Das bekommt eine Volkswirtschaft wie Deutschland, die von Rohstoffimporten abhängig ist, deutlich zu spüren. Im Mai und im Juni hatte die Bundesregierung mit einer Senkung der Energiesteuer auf Benzin und Diesel um knapp 17 Cent pro Liter den Preisauftrieb bei Energie gedämpft.