Roland Weißmann vor Gericht: Rechtsstreit um Ex-ORF-Chef weitet sich aus

Datum12.08.2026 09:02

Quellewww.spiegel.de

TLDRDer ehemalige ORF-Intendant Roland Weißmann klagt gegen seine Entlassung, nachdem ihm ethisches Fehlverhalten vorgeworfen wurde. Eine Mitarbeiterin fordert Schadensersatz wegen mutmaßlicher sexueller Belästigung durch Weißmann, der die Vorwürfe bestreitet. Beide Seiten haben Klagen eingebracht, während die Staatsanwaltschaft wegen Verdachts der Erpressung ermittelt. Die Affäre löste einen Führungswechsel beim ORF aus.

InhaltWegen ethischem Fehlverhalten war dem ORF-Intendanten Roland Weißmann gekündigt worden. Nun klagt er vor dem Arbeitsgericht dagegen. Die Frau, die ihm sexuelle Belästigung vorwirft, fordert Schadensersatz. Nach der Ablösung des Intendanten des österreichischen Senders ORF ist die Justiz mit einer wachsenden Zahl von Klagen und Gegenklagen beschäftigt. Grund für die Kündigung von Roland Weißmann war sein Verhalten gegenüber einer Mitarbeiterin. Die Frau fordert nun vor Gericht Schadensersatz wegen mutmaßlicher sexueller Belästigung, wie ihre Anwältin der Deutschen Presse-Agentur bestätigte. Zuvor hatte die "Kronen Zeitung" über diesen Schritt berichtet. Weißmann bestreitet die Vorwürfe. Die Klagen der Frau richten sich gegen Weißmann und gegen den öffentlichen-rechtlichen ORF. Chatnachrichten würden eindeutig zeigen, dass Weißmann die Mitarbeiterin "über Jahre hinweg" belästigt habe, sagte die Anwältin in einer Verhandlung im Wiener Arbeits- und Sozialgericht. Dort ging es jedoch noch nicht um die Belästigungsvorwürfe an sich, sondern um eine Klage des Ex-Intendanten gegen den ORF: Er kämpft vor Gericht gegen seine Entlassung, die im April nach Bekanntwerden der Vorwürfe ausgesprochen worden war. In einer weiteren Klage fordert er vom Sender eine Entschädigung von 200.000 Euro sowie Rentenbeiträge. Neben diesen arbeitsrechtlichen Verfahren ermittelt die Staatsanwaltschaft Wien seit Wochen gegen die betroffene Frau und ihren Rechtsanwalt wegen des Verdachts der Erpressung und der illegalen Tonaufzeichnung. Weißmann hatte eine entsprechende Anzeige eingebracht. Die Angelegenheit sei "viel vielschichtiger", als sie ursprünglich den Anschein hatte, sagte Weißmanns Anwalt. Eine Untersuchung des ORF zu Weißmann war zum Schluss gekommen, dass ethisches Fehlverhalten, aber keine sexuelle Belästigung vorlag. Das österreichische Strafrecht definiert sexuelle Belästigung als ungewollte sexuelle Handlungen oder intime Berührungen. Verbale Übergriffe fallen nicht darunter. Das unaufgeforderte Versenden intimer Bilder ist in Österreich erst seit vergangenem Herbst strafbar. Die Vorgänge um Weißmann haben einen Umbruch im Management des ORF ausgelöst. Mehrere Spitzenmanager wurden in den vergangenen Monaten wegen mutmaßlichen Fehlverhaltens freigestellt. Zuletzt musste der Leiter des Kultur- und Infosenders ORF III seinen Sessel räumen. Als neuer Intendant des ORF wurde Clemens Pig designiert. Der bisherige Chef der Nachrichtenagentur APA wechselt Anfang 2027 in die Chefetage des großen Rundfunkunternehmens mit 4000 Mitarbeitern und einem Budget von rund 1,1 Milliarden Euro.