Datum12.08.2026 07:45
Quellewww.spiegel.de
TLDRVerkehrsminister Bilger sieht die Binnenschifffahrt wegen Niedrigwassers angespannt, aber keine Lieferengpässe. Er plädiert für den Ausbau von Flüssen und will Gespräche mit Umweltverbänden führen. Die Bauindustrie befürchtet hingegen Engpässe. Bilger lobt die Bahn für zusätzliche Kapazitäten und will Förderung für Niedrigwasserschiffe sichern.
InhaltDie Lage sei angespannt, Lieferengpässe gebe es trotz Niedrigwasser aber nicht, sagt Verkehrsminister Steffen Bilger. Er plädiert für einen Ausbau der Flüsse und will dazu mit Umweltverbänden sprechen. Wichtige Wasserwege wie Rhein und Donau sind nur noch sehr eingeschränkt befahrbar. Nun beraten Bundesverkehrsminister Steffen Bilger und die Verkehrsminister der Länder in einer Schaltkonferenz über die schwierige Lage der Binnenschifffahrt wegen niedriger Wasserstände in mehreren Flüssen. Dabei gehe es auch um mögliche weitere Maßnahmen, sagte Bilger. Der CDU-Politiker bezeichnete die Lage als weiterhin sehr angespannt. Man müsse davon ausgehen, dass Probleme mit Niedrigwasser noch im ganzen August bestehen bleiben. Engpässe bei Waren sieht Bilger aber nicht. "Stand jetzt ist die Versorgung gewährleistet", sagte der Minister der "Rheinischen Post". Um das Risiko zu senken, müsse mehr Güterverkehr von den Wasserstraßen auf Schiene und Straße verlagert werden. Mehrere Länder haben das Sonntagsfahrverbot für Lastwagen ausgesetzt, um Transporte zumindest teilweise zu verlagern. Bilger lobte ausdrücklich die Deutsche Bahn. "Ich bin dankbar, dass die Bahn sich umgehend gekümmert und zusätzliche Kapazitäten bereitgestellt hat", sagte er. Dazu gehörten weitere Waggons, deren Zahl noch steigen solle. Anders als der Verkehrsminister sieht die Bauindustrie die Lage deutlich kritischer. "Lieferengpässe für erste Baustoffe sind von den Lieferanten bereits angekündigt worden für den Fall, dass die Situation noch länger anhält, wovon derzeit auszugehen ist", sagte Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie (HDB), dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Flächendeckende Baustopps sehe er zwar aktuell nicht. Je länger und ausgeprägter die Niedrigwasserphase allerdings anhalte, desto größer werde das Risiko von Engpässen, höheren Logistikkosten und Verzögerungen. Angesichts der niedrigen Pegelstände setzt sich Bundesverkehrsminister Bilger für einen Ausbau der Flüsse ein. "Grundsätzlich sollten wir alle ein Verständnis dafür haben, dass die Wasserstraße Unterstützung verdient, weil sie der umweltfreundlichste Verkehrsträger ist", sagte er dem RND. Vertrauen in die Binnenschifffahrt könne es nur geben, wenn es nicht regelmäßig zu Niedrigwasserproblemen komme, sagte Bilger. "Deswegen brauchen wir einen Ausbau der Wasserstraße, um langfristig für mehr Zuverlässigkeit zu sorgen." Er wolle darüber auch mit Umweltverbänden sprechen, kündigte der Minister an. Naturschutzverbände kritisieren einen solchen Ausbau wegen der oft dramatischen ökologischen Folgen. Zudem kündigte Bilger an, sich für die volle Förderung von Schiffen einzusetzen, die für Niedrigwasser geeignet sind. Die für 2027 vorgesehenen Mittel waren aus Haushaltsgründen von 36 Millionen Euro halbiert worden. Dieses Anliegen werde er in die parlamentarischen Haushaltsberatungen einbringen, sagte Bilger. Die großen Flüsse hierzulande haben wegen der anhaltenden Trockenheit an vielen Orten Niedrigwasser. Am Rhein wurden am Wochenende in Nordrhein-Westfalen historische Tiefstände gemessen. Die niedrigen Pegelstände stellen die Binnenschifffahrt vor große Probleme, da die Schiffe deutlich weniger Ladung transportieren oder sogar gar nicht mehr fahren können.