Spielen seit 25 Jahren: Einige Köpfe hinter dem Hamburger Miniatur Wunderland

Datum12.08.2026 05:38

Quellewww.zeit.de

TLDRDas Miniatur Wunderland beschäftigt 450 Mitarbeiter, von denen vier zu Wort kommen. Ein Modellbauer koordiniert das Projekt seit 25 Jahren und schätzt die Arbeit an neuen Landschaften wie der Atacama-Wüste. Eine junge Holzbildhauerin lernt ständig dazu und findet Erfüllung im Zusammenspiel der Details. Ein Elektroniker-Mechatroniker schätzt die kreative Freiheit und die Freude der Besucher. Ein Student steuert als Schiffskapitän die Kreuzfahrtschiffe und findet seinen Nebenjob studienfreundlich. Eine Gestalterin erschafft detailreiche Pflanzen für den Seaworld-Abschnitt.

InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Spielen seit 25 Jahren“. Lesen Sie jetzt „Einige Köpfe hinter dem Hamburger Miniatur Wunderland“. Frederik und Gerrit Braun, die Gründer des Hamburger  Miniatur Wunderlandes, kennen viele Menschen. Und selbst wenn sie die Idee zur größten Modelleisenbahnanlage der Welt nur zu zweit hatten, mittlerweile gehören 450 Menschen zum Unternehmen. Wer sind die und was machen sie da? Vier Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erzählen. "Ich hatte schon immer den Traum, mal was ganz Großes zu bauen", erinnert sich der Modellbauer, der vor dem Miniatur Wunderland für Privatleute und Firmen gearbeitet hat. Als die Brüder 1999/2000 bei ihm anklopften, war er zunächst skeptisch. "Ich habe aber sehr schnell gemerkt, dass Frederik – den ich als Erstes getroffen habe – schon konkrete Zahlen im Kopf hatte. Wie viel Meter Gleis, wie viele Leute, wie viel Technik, Kosten, Zeitplan. Er war kein Fantast, sondern jemand mit betriebswirtschaftlicher Erfahrung."  Er ließ sich also überzeugen und koordiniert seitdem das Riesenprojekt mit. "Ich habe das nie bereut!" In den ersten sechs Jahren pendelt der heute 59-Jährige noch projektabhängig nach Hamburg. Seit 2006 lebt er in der Hansestadt.  Sein Lieblingsprojekt war zuletzt die Provence. "Aber jetzt ist es auf jeden Fall die Atacama-Wüste. Ich liebe Berge und es ist mal nicht so die typische schwäbische Alb, die man baut. Das gemütliche Dampfbähnle und dann die Fachwerkhäuser oder so, die man über Jahre hinweg gebaut hat."  Damit er und sein Team konkrete Vorstellungen vom neuesten Projekt haben, gab es für einige sogar einen Ausflug nach Südamerika. "Es ist immer gut, wenn man eine Region riecht und das Alltagsleben erlebt. Was ist da los? Was ist früh los, mittags, abends und so? Und wie kommt man da durch den Alltag? Wo kauft man ein? Wie kauft man ein? Es ist einfach doch vieles anders. Und das ist natürlich, um so was umzusetzen, eine wertvolle Erfahrung." Rieke Hartkop war schon als Kind im Miniatur Wunderland und staunte über die vielen bunten und spannenden Welten mit den vielen Fahrzeugen und Zügen. Dass sie als junge Frau hier mal fest angestellt arbeiten würde, hätte sie nie gedacht. Die gelernte Holzbildhauerin mit den bunten Fingernägeln arbeitet seit einem guten Jahr in der Speicherstadt.  "Am Anfang war mir das Ausmaß der Arbeit nicht bewusst, also wie viele Schritte dazu gehören. Aber es bringt auf jeden Fall sehr viel Spaß. Ich merke, dass ich im vergangenen Jahr einiges dazu gelernt habe." Es sei immer wieder schön zu sehen, wie die vielen kleinen Arbeiten am Ende ein Gesamtbild ergeben. Die 25-Jährige hat zuletzt an der Atacama-Wüste, den Anden und dem Regenwald mitgearbeitet. Nicht immer sei die Arbeit gleich beim ersten Mal perfekt. "Ich habe gelernt, dass es in Ordnung ist, manche Sachen zweimal zu machen. Ich habe jetzt zum Beispiel den Machu Picchu zu Ende gegipst. Beim ersten Mal war er viel zu eckig geworden und da habe ich die Hälfte nochmal weggesägt." Die Zeit auf der Arbeit vergehe immer sehr schnell.  Und auch nach einem Jahr im Wunderland entdecke sie bei ihren Rundgängen über die Anlage immer noch neue Details, die sie vorher nicht gesehen hat.  Den gut gelaunten Elektroniker-Mechatroniker Marvin Eccarius findet man aktuell vor allem unter der Regenwald-Anlage. Auf seinem Rollbrett fährt der 29-Jährige dann von Element zu Element und befestigt Kabel, kontrolliert Leitungen und ist zuständig für alles, was leuchtet oder sich dreht. "Ich bin ein Wunderland-Eigengewächs. Ich habe hier gelernt und bin da geblieben." Vor sieben Jahren habe er im Wunderland seine Ausbildung zum Elektroniker gemacht. Das habe damals interessant geklungen, und dann habe er sich "da reingehängt". Wie bei jedem Job sei nicht alles immer nur toll. Aber er komme trotzdem jeden Tag gern auf die Arbeit. "Ich bin angekettet in meinem Traumjob", sagt er mit einem Grinsen. Ein Grund für ihn morgens zur Arbeit zu kommen: "Alles unter acht Jahren mit großen Augen. Auch, dass hier so Mitte-50-jährige Männer auf einmal große Augen bekommen und wieder Kinder sein dürfen. Ja, das ist schon cool." Zudem mag er es, dass immer wieder Neues entsteht.  Und dabei spielt Marvin Eccarius auch anständig mit, denn die eine oder andere witzige Szene auf den Anlagen stammt von dem 29-Jährigen. "Das ist aber nicht immer jugendfrei", sagt der Blondschopf mit dem verschmitzten Grinsen. "Das finde ich so toll, dass wir die ganze Welt darstellen, ne? Du kannst da alles draufkleben, du musst es eben teils nur gut vor Kindern verstecken."  Bei allen Witzen und Alltagsszenen gebe es schon einen groben Rahmen. "Aber grundsätzlich können wir uns hier schon ausleben. Einen vergleichbaren Job gibt es auf der ganzen Welt nicht. Das hier ist ein Kunstwerk. Wir sind eine Mischung Künstlern und Handwerkern, was ja ein verrückter Mix ist." Im Miniatur Wunderland gibt es tatsächlich mehrere Schiffskapitäne – und zwar gleich neun. Sie steuern die Kreuzfahrtschiffe. Denn die fahren noch nicht computergesteuert. Einer von diesen Studenten ist Alexander Cornell. Es sei auf jeden Fall ein Nebenjob, der entschleunigt, sagt der 26-Jährige. Der angehende Flugzeugbauingenieur hat sieben Fernbedienungen für die Schiffe vor sich in einem kleinen Regal liegen und steuert die kleinen Riesen gemächlich an die Anleger und durch die Fjorde.  Etwa jede Minute muss er einem der Schiffe via Fernbedienung mal wieder einen kleinen Schub geben. "Sie dürfen nicht schneller fahren als die Züge, damit es realistisch bleibt." Das ist so wenig aufregend, dass er nebenbei etwas fürs Studium machen kann. "Man aber natürlich immer gucken, dass die Schiffe vernünftig fahren." Wichtig sei auch, dass am Ende der Schicht alle Akkus wieder geladen sind. "Damit die nächste Schicht sich nicht ärgert." Vor seiner Arbeit mit den Schiffen hat Alexander Cornell zweieinhalb Jahre am Leitstand des Wunderlandes gearbeitet, später hat er Züge gewartet und nun fährt er Schiffe, weil die Schichten besser mit dem Studium vereinbar sind. In vielen Monaten werden die Schichten zwischen 7.00 und 1.00 Uhr besetzt. Langsam taucht Leonie Vogt ihren filigranen Pinsel in die blaue Farbe und fährt damit langsam über die Mini-Blüte, die sie in der Hand hält. Die gelernte Kommunikationsdesignerin ist seit einem Monat beim Miniatur Wunderland und arbeitet hier auch als Modellbauerin und Gestalterin. "Bisher finde ich es absolut spannend und eher meditativ", sagt die 30-Jährige. Sie stellt gerade die Pflanzen für den Seaworld-Abschnitt her.  Am Regal über ihrem Schreibtisch hängen Vorlagen, an denen sie sich dabei orientieren kann. Ob Pflanzen, Figuren oder andere Gegenstände: "Mich fasziniert der Detail- und Farbreichtum bei der Arbeit." © dpa-infocom, dpa:260812-930-516600/1