Landtagswahl am 6. September: BSW will in Sachsen-Anhalt Weg für AfD-Ministerpräsidenten freimachen

Datum12.08.2026 01:32

Quellewww.spiegel.de

TLDRDas BSW könnte nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt zur "Königsmacherin" für die AfD werden. Die Partei strebt die Abwahl der CDU an und plädiert für einen überparteilichen Ministerpräsidenten, der notfalls mit wechselnden Mehrheiten, auch unter Einbeziehung der AfD, regiert. Gründerin Sahra Wagenknecht hält die "Brandmauer" für gescheitert und eine Ausgrenzung von Parteien mit hohem Wähleranteil für undemokratisch. Die AfD lehnt eine solche indirekte Wahl jedoch ab.

InhaltGelingt dem BSW in Sachsen-Anhalt der Einzug ins Parlament, könnte es zur Königsmacherin werden. Die Partei plädiert dafür, die AfD in die Regierungsarbeit einzubeziehen. Gründerin Wagenknecht erklärt: "Die Brandmauer ist gescheitert." Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) hat sich dafür ausgesprochen, nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt auch die AfD in die Regierungsarbeit einzubeziehen. "Unser Ziel ist die Abwahl des CDU-Amtsinhabers", sagte die Co-Vorsitzende Amira Mohamed Ali der "Rheinischen Post". Man wolle stattdessen einen überparteilichen Ministerpräsidenten, der mit wechselnden Mehrheiten regiere. "Auch unter Einbeziehung der AfD. Ganz egal, wie man zu den Positionen dieser Partei steht, wenn sie rund 40 Prozent der Wählerstimmen erhalten, kann man sie nicht komplett ignorieren." Behalten Sie den Überblick: Jeden Werktag gegen 18 Uhr beantworten SPIEGEL-Autorinnen und -Autoren die wichtigsten Fragen des Tages im Newsletter "Die Lage am Abend" – hintergründig, kompakt, kostenlos. Hier bestellen Sie Ihr News-Briefing als Mail. Ganz ähnlich äußerte sich auch BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht. Sie erklärte, die Partei wolle bei einem Einzug in den Landtag notfalls den Weg für einen Ministerpräsidenten von der AfD freimachen. "Unser Wahlziel ist die Abwahl des CDU-Amtsinhabers und seine Ersetzung durch einen überparteilichen Ministerpräsidenten, der mit einem Kompetenzkabinett und wechselnden Mehrheiten regiert. Das bedeutet: auch mit der AfD", sagte Wagenknecht der "Bild"-Zeitung. Sollten die anderen Parteien dieses Modell ablehnen, "werden wir uns im dritten Wahlgang enthalten". "Es ist einfach völlig undemokratisch, eine Partei, die von rund 40 Prozent der Wähler gewählt wird, dauerhaft auszugrenzen", sagte Wagenknecht. Die Brandmauer sei gescheitert. Wagenknecht und viele andere im BSW wettern seit Langem gegen die sogenannte Brandmauer, also dagegen, dass die anderen Parteien die Zusammenarbeit mit der AfD verweigern – das habe die Rechtsaußen-Truppe nur stärker gemacht. Mehr dazu, wie das BSW den Schulterschluss mit der AfD sucht, erfahren Sie hier . Mohamed Ali wurde auch gefragt, ob eine BSW-Fraktion im Falle eines Einzugs in den Magdeburger Landtag den AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund zum Ministerpräsidenten wählen würde. Ihre Antwort – fast wortgleich zu Wagenknecht: "Sollten die anderen Parteien unser Modell ablehnen, werden wir uns im dritten Wahlgang enthalten." Im dritten Wahlgang reicht in Sachsen-Anhalt eine Mehrheit der abgegebenen Stimmen aus. Enthaltungen werden nicht mitgezählt. Das könnte dazu führen, dass Siegmund Regierungschef wird, sofern er in einem dritten Wahlgang antritt (mehr über dieses Manöver erfahren Sie hier ). Der AfD-Politiker lehnt ein solches Vorgehen jedoch ab. Er wolle sich "selbstverständlich nicht" durch eine Enthaltung des BSW im dritten Wahlgang zum Ministerpräsidenten wählen lassen, sagte Siegmund "Welt TV". Er setzt stattdessen auf eine Alleinregierung seiner Partei. "Was bringt es mir denn, ein formaler Ministerpräsident zu sein, ohne eine Mehrheit im Parlament? Ich brauche eine stabile Mannschaft über fünf Jahre hinweg, auf die sich dieses Bundesland verlassen kann." In Sachsen-Anhalt findet die Landtagswahl am 6. September statt. Die AfD liegt in Umfragen mit Werten um die 40-Prozent-Marke deutlich vor der CDU. Das BSW muss hingegen wegen der Fünfprozenthürde um den Einzug ins Parlament bangen. Parteigründerin Sahra Wagenknecht hofft, dass ihr BSW in Sachsen-Anhalt nach vielen Schlappen ein Comeback erlebt. Doch ausgerechnet hier ist das Bündnis heillos zerstritten – es geht um das Verhältnis zur AfD. Mehr dazu erfahren Sie hier .