Datum11.08.2026 22:31
Quellewww.zeit.de
TLDRDie Bundeswehr registriert seit dem Ukraine-Krieg einen signifikanten Anstieg sicherheitsrelevanter Drohnensichtungen, darunter einzelne Drohnen und Schwärme. Dies wird als Teil hybrider Bedrohungen wie Desinformation und Spionage gesehen. Die Allianz ukrainischer Organisationen fordert angesichts des Fundes einer Sprengstoffdrohne in Leipzig Konsequenzen und warnt vor der Verwundbarkeit kritischer Infrastruktur. Sie betont die Notwendigkeit strategischer Resilienz und verbesserter Drohnenabwehr, anstatt auf eindeutige Urheberschaft zu warten.
InhaltDie Bundeswehr zählt seit dem russischen Angriff auf die Ukraine mehr Drohnensichtungen. Die Zahl sicherheitsrelevanter Zwischenfälle mit Drohnen sei deutlich gestiegen. Die Bundeswehr hat zuletzt mehrere Hundert sicherheitsrelevante Zwischenfälle mit Drohnen gezählt. Das teilte ein Sprecher des Operativen Führungskommandos der Bundeswehr dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) mit. Demnach ist die Zahl der gemeldeten Drohnensichtungen, die einen sicherheitsrelevanten Bezug zur Bundeswehr haben, seit dem Beginn der russischen Invasion in die Ukraine im Februar 2022 deutlich gestiegen. Bei den Meldungen soll es sich vor allem um einzelne Drohnen handeln, aber auch Drohnenschwärme wurden wohl gesichtet. Details zu den Vorfällen nannte der Bundeswehrsprecher nicht. Deutschland sehe sich jedoch täglich hybriden Bedrohungen wie Desinformation, Fake News, Cyberangriffen, Spionage und sogar Sabotage ausgesetzt, sagte der Sprecher weiter. Die Allianz ukrainischer Organisationen in Deutschland forderte Konsequenzen, insbesondere vor dem Hintergrund des Fundes der mit Sprengstoff präparierten Drohne am Flughafen Leipzig/Halle. Laut der stellvertretenden Vorsitzenden der Organisation, Nataliya Pryhornytska, sei dies mehr als ein Sicherheitsvorfall. "Es passt ins Muster: Russland setzt seit Jahren auf hybride Mittel, um europäische Staaten zu destabilisieren und Infrastruktur zu testen. Ob Russland direkt hinter Leipzig steckt, müssen Ermittlungen klären. Das Ereignis muss jedoch als ein Muster betrachtet werden", sagte Pryhornytska. Denn die hybride Kriegsführung lebe von Grauzonen. Die Bedrohung bleibe bewusst unterhalb der Schwelle eines klassischen militärischen Angriffs. Pryhornytska verwies darauf, dass zivile Stellen wie die Flugsicherung oft nur Behinderungen an den großen Verkehrsflughäfen erfassten, während Sicherheitsexperten und Abwehrbehörden vor einem weit größeren Ausmaß warnen würden. "Hunderte unaufgeklärte Überflüge registrieren Polizei, Bundeswehr und Werkschützer jedes Jahr – vor allem über Militärstützpunkten, Chemieparks, Energieversorgern und Häfen", sagte Pryhornytska. Der Großteil dieser Vorfälle tauche in zivilen Statistiken gar nicht erst auf. Insgesamt zeige die Gesamtentwicklung, wie verwundbar kritische Infrastruktur ist. "Ermittlungsbedingte Vorsicht darf daher nicht zur strategischen Sprachlosigkeit führen. Wenn Logistik und militärische Einrichtungen ins Visier geraten, muss der sicherheitspolitische Kontext benannt werden", forderte sie. Deutschland müsse daher aufhören, hybride Angriffe erst dann als Gefahr zu begreifen, wenn die Urheberschaft zweifelsfrei feststehe. Stattdessen brauche es strategische Resilienz. Zudem forderte sie den Einsatz einer besseren Drohnenabwehr.