Datum11.08.2026 16:05
Quellewww.zeit.de
TLDRArchäologen entdecken in Walbeck neue Funde aus der Ottonenzeit. Ein verziertes Beinplättchen und ein bisher unerklärter kreuzförmiger Graben werden freigelegt. Diese Grabungen an der Stiftskirche St. Marien liefern wichtige Details zur Baugeschichte und Nutzung der Anlage. Ein Mann, mutmaßlich Stifter Graf Lothar II., wurde in der zentralen Grabgrube bestattet. Die Funde ergänzen spärliche schriftliche Quellen und geben Einblicke in die frühmittelalterliche Geschichte.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Archäologie“. Lesen Sie jetzt „Neue Funde aus der Ottonenzeit in Walbeck entdeckt“. Ein verziertes Beinplättchen, ein rätselhafter Graben und neue Hinweise auf die Baugeschichte: Bei Grabungen an der ottonischen Stiftskirche St. Marien in Walbeck (Landkreis Börde) an der Aller kommen Spuren aus der Zeit vor mehr als 1,000 Jahren ans Licht. "Die Forschungsgrabung fügt wichtige neue Details zur Geschichte der Ottonen hinzu", sagte Landesarchäologe Harald Meller. "Die schriftlichen Quellen aus dieser Zeit sind spärlich und erklären nicht alles." Im Mittelpunkt steht ein ausgemauerter Graben im Querschiff der ehemaligen Kirche, der erstmals 1932 erfasst wurde. Er stammt aus der Ottonen-Zeit, seine Funktion ist bislang aber nicht geklärt. In dem Graben standen ursprünglich mehrere Keramikgefäße aus dem 10. und 11. Jahrhundert. Bei den aktuellen Untersuchungen wurde unter anderem ein Beinplättchen mit Kreisaugenverzierung entdeckt. Nach Einschätzung der Archäologen gehörte es wahrscheinlich einst zu einem Reliquienkästchen. Zudem zeichnet sich ab, dass der Graben ursprünglich kreuzförmig angelegt war. Der östliche Arm wurde offenbar von einer zentralen Grabgrube durchbrochen. Bereits 2025 wurde dieser Bereich erneut untersucht. Radiokarbondatierungen und weitere Untersuchungen ergaben, dass in der zentralen Grabgrube im Frühmittelalter ein Mann bestattet worden war, bei dem es sich wahrscheinlich um den Stifter, Graf Lothar II. von Walbeck handelt. Der Graf hatte das Kanonikerstift nach 941 auf seinem Eigengut gegründet. Zuvor war er an einer Verschwörung gegen König Otto I., den späteren Kaiser Otto den Großen, beteiligt gewesen. Das geplante Attentat auf Otto in Quedlinburg scheiterte. Während mehrere Mitverschwörer hingerichtet wurden, wurde Lothar begnadigt und er gründete das Stift als Sühneleistung. Vollendet wurde die Anlage erst nach seinem Tod im Jahr 964. Die Kirche ist seit dem 19. Jahrhundert nur noch als Ruine erhalten. Gerade deshalb sind die unterirdischen Spuren für die Forschung besonders wertvoll. Die Ruine von St. Marien gehört zu den bedeutenden Denkmalen der Straße der Romanik und zu den seltenen erhaltenen Zeugnissen ottonischer Baukunst in Deutschland. "Die archäologischen Befunde im Boden ermöglichen nun zusätzliche Einblicke in die Entstehung und Nutzung der Anlage", sagte Projektleiter Donat Wehner. Die Lehr- und Forschungsgrabung endet am 14. August. Danach werden die Funde und Befunde weiter ausgewertet. "Vielleicht lässt sich dann auch die Frage beantworten, warum inmitten der Walbecker Stiftskirche im Frühmittelalter ein kreuzförmiger Graben angelegt wurde", sagte Wehner. © dpa-infocom, dpa:260811-930-514902/1