Datum11.08.2026 11:07
Quellewww.zeit.de
TLDRFast alle deutschen Unternehmen sind von US-Digitaldiensten abhängig, laut einer ifo-Umfrage. 31 % sehen eine große Abhängigkeit. Obwohl viele die Risiken unterschiedlich bewerten, hält das ifo Institut die tatsächliche Unabhängigkeit für kaum erreichbar. Auslöser der Umfrage war die Sperrung von KI-Modellen durch die USA. Unternehmen planen Gegenmaßnahmen wie den Umstieg auf europäische Alternativen, doch es mangelt am Angebot.
InhaltDas ifo Institut hat Unternehmen nach ihrer Abhängigkeit von US-Digitaldiensten befragt. Viele halten sie für groß, die Risikobewertung dessen fällt unterschiedlich aus. Knapp neun von zehn Unternehmen in Deutschland sehen bei sich eine gewisse Abhängigkeit von digitalen Diensten von US-Anbietern. Das geht aus einer Umfrage des Wirtschaftsforschungsinstituts ifo hervor, an der mehr als 5.500 Unternehmen teilnahmen. 31 Prozent gaben in der Umfrage an, eine große Abhängigkeit von US-Diensten zu haben. 18 Prozent sehen bei sich eine mittlere Abhängigkeit, 39,3 Prozent eine geringe Abhängigkeit. 11,7 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, gar keine Produkte US-amerikanischer Anbieter zu nutzen. Das ifo Institut geht davon aus, dass einige der Befragten die eigene Abhängigkeit unterschätzen. Ein Geschäftsbetrieb ohne jede US-amerikanische Software sei "in der Praxis kaum vorstellbar", heißt es in der Publikation des Instituts. Plausibler als tatsächliche Unabhängigkeit sei daher, dass tief eingebettete Infrastruktur im Alltag nicht mehr als Abhängigkeit wahrgenommen werde. Als Anlass für die Umfrage nannte das ifo Institut die Entscheidung der US-Regierung, das KI-Unternehmen Anthropic dazu zu verpflichten, seine neusten KI-Modelle für Ausländer zu sperren. Als Grund wurden Sicherheitsbedenken genannt. Nach einigen Wochen wurde die Sperre wieder aufgehoben, der Vorgang verdeutlichte aber die Macht der US-Regierung und schürte Sorgen in Europa. Die Wirtschaftsforscher fragten die Unternehmen, die US-Dienste nutzen, auch danach, für wie riskant sie ihre Abhängigkeit von diesen Diensten halten. 32,4 Prozent der Befragten gaben an, dass die Abhängigkeit sehr riskant sei. 29,7 Prozent sahen ein teilweises Risiko, 37,8 Prozent sahen ihre Abhängigkeit als kaum riskant an. Die Unternehmen, die zumindest ein moderates Risiko bei sich sahen, wurden außerdem gefragt, ob sie Gegenmaßnahmen ergreifen. Insgesamt waren das noch gut 3.000 Unternehmen. Von diesen gaben 41,7 Prozent an, keinerlei Maßnahmen zu planen. 34,2 Prozent der Unternehmen planen den Umstieg auf europäische Alternativen, 29,8 Prozent nannten eine Diversifizierung der Anbieter als Gegenmaßnahme. 19 Prozent wollen Open-Source-Alternativen nutzen, 18,2 Prozent planen den Aufbau einer eigenen IT-Infrastruktur. Bei den Gegenmaßnahmen waren Mehrfachnennungen möglich. "Die Bereitschaft zum Wechsel ist da, das Angebot fehlt", wird ifo-Präsident Clemens Fuest in einer Mitteilung des Instituts zitiert. Europa müsse den Ausbau von Rechenzentren und Energieinfrastruktur deutlich beschleunigen und Genehmigungsverfahren verkürzen.