Essstörungen bei Mädchen: Immer mehr Mädchen wegen Essstörungen im Krankenhaus

Datum11.08.2026 09:52

Quellewww.zeit.de

TLDRDie Zahl der stationär wegen Essstörungen behandelten Mädchen (10-17 Jahre) hat sich binnen 20 Jahren verdoppelt, fast die Hälfte aller Fälle ausmachen. Magersucht ist am häufigsten. Experten sehen gesellschaftliche Faktoren wie gesteigerten Optimierungsdruck durch soziale Medien und hohe Bildschirmzeit als Ursachen. Mädchen und Frauen sind generell stärker betroffen.

InhaltMagersucht, Bulimie, Binge-Eating – immer mehr Mädchen werden wegen Essstörungen stationär behandelt. Fachleute sehen auch gesellschaftliche Faktoren. Immer mehr Mädchen in Deutschland werden wegen Essstörungen im Krankenhaus behandelt. Die Zahl der Fälle von 10- bis 17-Jährigen hat sich binnen 20 Jahren von gut 2.800 im Jahr 2004 auf knapp 6.000 im Jahr 2024 verdoppelt. Damit machten Mädchen in dieser Altersgruppe 2024 nahezu die Hälfte (48,1 Prozent) aller wegen Essstörungen Behandelten aus, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. 2004 hatte ihr Anteil noch bei einem Viertel (24,9 Prozent) gelegen. Insgesamt ist die Zahl der wegen Essstörungen im Krankenhaus behandelten Patienten leicht gestiegen: auf 12.400 Fälle im Jahr 2024. Das waren 2,2 Prozent mehr als 2023 (12.100 Fälle) und acht Prozent mehr als 2004 (11.500 Fälle). Die häufigste Diagnose war 2024 Magersucht (Anorexie) mit 9.000 Behandlungsfällen vor Ess-Brech-Sucht (Bulimie) mit 1.300 Fällen. Über alle Altersgruppen hinweg werden Mädchen und Frauen häufiger wegen Essstörungen stationär behandelt als Jungen beziehungsweise Männer. 11.500 oder 92,9 Prozent der mit dieser Diagnose im Jahr 2024 Behandelten waren Frauen. 2004 waren es 10.100 Patientinnen mit einem Anteil von 88,5 Prozent. Auch die steigende Bildschirmzeit von Kindern und Jugendlichen stehe im Zusammenhang mit Essstörungen, sagte die Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), Ursula Felderhoff-Müser, der Nachrichtenagentur KNA. Hier sei eine bessere Medienkompetenz bei jungen Menschen notwendig. Auch weltweit steige die Zahl der Fälle von Essstörungen. Erhebungen zufolge hat etwa jeder fünfte Teenager ein gestörtes Essverhalten. Zugleich hätten diagnostizierte Essstörungen wie Bulimie oder Magersucht verschiedene Ursachen, sagte Felderhoff-Müser. Oft spielten auch Belastungen oder gesteigerter Ehrgeiz eine Rolle. Auch Ada Borkenhagen, psychologische Psychotherapeutin und Professorin an der Universität Magdeburg, verwies auf einen Optimierungsdruck, der durch soziale Medien befeuert werde. Zu nennen seien insbesondere bildbasierte Plattformen wie Instagram oder TikTok. Mit Bearbeitungsprogrammen und Beautyfiltern erschüfen sie eine Welt, in der per Mausklick nicht nur makelloses Make-up gezaubert werde, sondern auch problemlos Körperveränderungen vorgenommen würden.  Welche Auswirkungen der Optimierungsdruck vor allem auf Jugendliche hat, belegt eine Studie der EU-Initiative Saferinternet.at von 2024. Demnach wünscht sich mehr als die Hälfte der befragten Jungen und Mädchen eine Veränderung ihres Aussehens. Mehr als ein Viertel hat schon einmal über eine Schönheitsoperation nachgedacht.