Italien: Mutmaßlicher Auftraggeber nach Anschlag auf Journalist festgenommen

Datum11.08.2026 08:09

Quellewww.spiegel.de

TLDRZehn Monate nach einem Bombenanschlag auf den italienischen Journalisten Sigfrido Ranucci wurde der Unternehmer Valter Lavitola, ein Vertrauter des verstorbenen Silvio Berlusconi, als mutmaßlicher Auftraggeber festgenommen. Lavitola soll den Anschlag angeordnet haben, um Ranuccis Bekanntheit für eine mögliche politische Karriere zu steigern. Ein Haftbefehl gegen einen Mittelsmann wurde ebenfalls ausgestellt. Ranucci, der über Mafia-Organisationen berichtet, blieb unverletzt. Lavitola war bereits zuvor wegen Korruptions- und Erpressungsvorwürfen im Zusammenhang mit Berlusconi angeklagt worden.

InhaltIm Oktober 2025 wurde ein Sprengstoffanschlag auf das Auto von Sigfrido Ranucci verübt. Nun vermuten die Ermittler: Hinter der Tat steckt ein Mann, den der TV-Reporter einst als "wahren Freund" bezeichnete. Zehn Monate nach dem Sprengstoffanschlag auf den bekannten italienischen Investigativjournalisten Sigfrido Ranucci hat die Polizei einen Vertrauten des früheren Regierungschefs Silvio Berlusconi festgenommen. Der Unternehmer Valter Lavitola stehe im Verdacht, der Auftraggeber des Anschlags zu sein, teilten die Carabinieri am Montag mit. Lavitola hatte offenbar geglaubt, der Anschlag würde Ranuccis Bekanntheit im Vorfeld einer möglichen politischen Karriere erhöhen, wie italienische Medien unter Berufung auf die Ermittlungsbehörden berichteten. Die Behörden stellten zudem einen Haftbefehl gegen einen weiteren Verdächtigen aus. Dieser soll als Mittelsmann zwischen Lavitola und vier im Juni festgenommenen Männern gedient haben, die den Anschlag verübt haben sollen. Bei dem Bombenanschlag gegen den seit Jahren von der Mafia bedrohten Journalisten Ranucci waren im Oktober 2025 zwei Autos sowie die Fassade seines Wohnhauses südlich von Rom beschädigt worden. Verletzt wurde niemand. Dem Journalisten wird den Angaben zufolge keinerlei Fehlverhalten vorgeworfen. Die Ermittler gehen davon aus, dass er von Lavitolas Plänen keine Kenntnis hatte. Ranucci hatte Lavitola in der Vergangenheit als "wahren Freund" bezeichnet. Ranucci moderiert das TV-Politikmagazin "Report" der öffentlichen Rundfunkanstalt Rai. In den vergangenen Jahren hatte dessen Redaktion immer wieder zu den unterschiedlichen italienischen Mafia-Organisationen recherchiert. Für den jetzt festgenommenen Unternehmer Lavitola und gegen Berlusconi hatte die Staatsanwaltschaft im Jahr 2015 wegen Korruptionsvorwürfen Gefängnisstrafen gefordert. Berlusconi soll einem Senator Geld für dessen Stimme gezahlt haben, Lavitola soll das Geld persönlich übergeben haben. Lavitola und einem weiteren Unternehmer war in der Vergangenheit auch zur Last gelegt worden, Berlusconi 2008 und 2009 mit Callgirls versorgt zu haben. Sie sollen dann mehr als 800.000 Euro von ihm erpresst haben, um die Justiz zu diesem Thema zu belügen. Lavitola floh damals für mehrere Monate nach Südamerika, wurde aber nach seiner Rückkehr nach Italien im April 2012 festgenommen. Der Rechtspolitiker Berlusconi war zwischen 1994 und 2011 mehrfach italienischer Ministerpräsident. In seiner langen Laufbahn machte der Politiker, Medienmogul und langjährige Eigentümer des Fußballvereins AC Mailand auch durch eine Reihe von Skandalen Schlagzeilen. Er starb im Jahr 2023 an den Folgen von Leukämie.