Datum11.08.2026 05:00
Quellewww.zeit.de
TLDRAb dem neuen Schuljahr führt Niedersachsen das Fach „Christliche Religion“ ein, das evangelische und katholische Religion vereint. Diese Neuerung, initiiert von den Kirchen angesichts sinkender Mitgliederzahlen, soll das Gemeinsame der Konfessionen betonen und Wertevermittlung fördern. Das Fach thematisiert christliche Inhalte im Kontext anderer Religionen und der heutigen Welt. Es wird schrittweise Pflicht für Erst- und Fünftklässler, wobei auch konfessionslose Schüler teilnehmen können.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Schule“. Lesen Sie jetzt „"Hochmodern": Warum Christliche Religion ein neues Fach wird“. Niedersachsen bekommt zum neuen Schuljahr, das am Donnerstag beginnt, ein neues Schulfach: Schrittweise werden die bisher getrennten Fächer Evangelische Religion und Katholische Religion zum Fach Christliche Religion zusammengeführt. Kultusministerin Julia Willie Hamburg (Grüne) sieht darin eine wegweisende Entwicklung. Der Vorschlag kam von den Kirchen selbst – auch, weil die Fortführung des Religionsunterrichts ansonsten insgesamt gefährdet sein könnte, weil es immer weniger getaufte Schülerinnen und Schüler gibt. Das Kultusministerium nahm den Wunsch, auf das Verbindende zu schauen, gerne auf, denn Ministerin Hamburg sieht darin auch eine Signalwirkung über das einzelne Fach hinaus. "Der Ausgangspunkt ist, zu sagen, es gibt die christliche Religion und dann gibt es für Katholiken und Protestanten bestimmte Ausprägungen. Diese Reibung, aber auch das Gemeinsame zu sehen, ist der Hintergrund für die neue Ausrichtung des Religionsunterrichts", sagte sie. "Ich finde das extrem wegweisend, weil wir sonst in so einer Individualisierung leben, wo wir immer darauf gucken, was macht mich aus und was trennt mich von dem anderen. Wir müssen mehr Räume schaffen für die Debatte, was uns eigentlich eint." "Ja, ist es. Und die Lerninhalte sind wirklich hochmodern", verspricht die Kultusministerin. Für sie sei das Fach "unglaublich attraktiv": "Auf der einen Seite geht es um die christlichen theologischen Inhalte, aber gleichzeitig auch um Anlehnungen und Unterschiede zu anderen Religionen. Es geht auch um eine Übersetzung in die Welt von heute. Was bedeutet etwa Nächstenliebe? Da geht es zum Beispiel um soziales Engagement und Ehrenamt." Viele Schulen freuten sich auf das neue Fach, so die Einschätzung der Ministerin. Und auch bei Familien, die gar nicht christlich sind, sei der Christliche Religionsunterricht gefragt: "Mir sagen auch Menschen anderer Religionen, sie melden ihr Kind guten Gewissens dort an, weil sie in dem Fach eine Werteauseinandersetzung finden, die auch sie abholt." Etwa jeder zweite Schüler in Niedersachsen gehört der evangelischen oder katholischen Kirche an. Für die Erst- und Fünftklässler unter ihnen ist der neue Religionsunterricht im Schuljahr 2026/27 ein Pflichtfach. Darüber hinaus können die Schulen das Fach Christliche Religion auch in den Jahrgängen 2 bis 4 sowie 6 bis 10 einrichten. Anmelden mussten sie das nicht, sodass die genaue Zahl, wie viele Schulen davon Gebrauch machen, noch unklar ist. Wie bisher können auch Schüler anderer Konfessionen oder Religionen sowie Schüler ohne Konfession auf Wunsch daran teilnehmen. Gleichzeitig können evangelische und katholische Schüler vom Religionsunterricht abgemeldet werden. Sie besuchen dann den Werte-und-Normen-Unterricht. Im Schuljahr 2024/2025 besuchten rund zwei Drittel den evangelischen, katholischen oder konfessionell-kooperativen Religionsunterricht. Aktuell sei das landesweit nicht geplant, erklärt Hamburg. "Wir ermöglichen es den Schulen aber, in Eigeninitiative bestimmte Fächer zusammenzulegen." Gerade in den Gesellschaftswissenschaften und Naturwissenschaften werde Interdisziplinarität immer wichtiger. Entscheidend seien für sie dabei das pädagogische Konzept und die Überzeugung des Kollegiums, sagte Hamburg. © dpa-infocom, dpa:260811-930-511687/1