Datum11.08.2026 04:35
Quellewww.spiegel.de
TLDRÜber 70 Prozent Englands leiden unter Dürre, bedingt durch einen extrem trockenen Sommer und die Klimakrise. Dies führt zu ausgetrockneten Landschaften, sinkenden Flusspegeln und Warnungen vor Lebensmittelengpässen. Zahlreiche Wasserbeschränkungen sind in Kraft. Ähnliche Dürrebedingungen herrschen in weiten Teilen Europas, mit historischen Hitzerekorden. Die wirtschaftlichen Folgen für die EU könnten bis 2026 spürbar sein.
InhaltÜber mangelnden Regen können sich die Menschen in England normalerweise nicht beschweren. In diesem Sommer ist das anders. Inzwischen wird sogar vor Engpässen bei Lebensmitteln gewarnt. Dieser Extremsommer hat auch auf der Insel massive Folgen. Fast drei Viertel Englands sind nach Angaben der Regierung in London mittlerweile von einer Dürre betroffen. 71,3 Prozent des Landesteils "befinden sich inzwischen im Dürrezustand, da sich die Lage nach einem trockenen Start in den August weiter verschlechtert hat", erklärte das britische Umweltministerium am Montag. "Nirgendwo" im Vereinigten Königreich herrsche noch der Normalzustand. Parks und Felder, die zu dieser Jahreszeit normalerweise grün sind, waren ausgetrocknet und gelb. Gleichzeitig sanken vielerorts die Flusspegel, und Landwirte warnten vor möglichen Lebensmittelengpässen infolge von Missernten – und das in einem Land, das eigentlich für sein feuchtes Wetter bekannt ist. Dabei war zunächst keine Besserung in Sicht – stattdessen steht dem Land in den kommenden Tagen die fünfte Hitzewelle des Jahres bevor. Niederschläge waren dagegen zunächst nicht vorhergesagt. Dem britischen Wetterdienst zufolge fiel im Juli in England und Wales so wenig Regen wie noch nie seit Beginn der Wetteraufzeichnungen – in England waren es nur zehn Prozent der sonst üblichen Regenmenge. Wegen der Dürre haben die Behörden bereits zahlreiche Beschränkungen für Bauern und Bürger erlassen. In einigen Regionen ist es zum Beispiel verboten, Pflanzen mit einem Gartenschlauch zu gießen. Insgesamt sind 27 Millionen Briten von den Wasser-Einschränkungen betroffen. Äußerst trocken ist es auch in anderen Teilen Europas. Einer AFP-Analyse zufolge erlebten 95 Prozent der französischen Festlandgebiete und 99 Prozent der Schweiz im Juli Dürrebedingungen. AFP stützt sich dabei auf Daten des Europäischen Dürreobservatoriums, das die Situation in Europa seit 2012 überwacht. Infolge der Hitze sind die Pegel vieler europäischer Flüsse drastisch gefallen, darunter die des Rheins, der Donau, der Elbe und der Weichsel. Im Juni und Juli war es in Westeuropa so heiß wie nie zuvor in den beiden Sommermonaten. Die Durchschnittstemperatur lag bei 21,62 Grad – und damit über dem bisherigen Rekord aus dem Jahr 2022. Das teilte das EU-Beobachtungsprogramm Copernicus mit. Der Wert spiegle "die außergewöhnlich anhaltende Hitze" in diesem Sommer wider. Allerdings verweist Copernicus auf ein ausgeprägtes Temperaturgefälle von West- nach Osteuropa und Skandinavien, wo es wesentlich kühler war. Auch für Deutschland zeigen die Daten, dass der Südwesten deutlich wärmer war als der Nordosten. Die extreme Hitze und Dürre in weiten Teilen Europas in diesem Sommer könnten das erwartete Wirtschaftswachstum einer Studie zufolge weitgehend zunichtemachen. Die hitzebedingten Störungen dürften das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Europäischen Union 2026 um etwa ein Prozent schmälern, schrieb zuletzt die auf nachhaltige Projekte spezialisierte niederländische Bank Triodos in einem am Samstag veröffentlichten Bericht. Das entspreche wirtschaftlichen Einbußen in Höhe von rund 180 Milliarden Euro. Die letzte Phase des Sterbens ist erreicht: Unseren Flüssen geht das Wasser aus. Doch das ist nicht die eigentliche Katastrophe dieses Sommers. Mehr hier im SPIEGEL-Leitartikel .