Datum10.08.2026 16:22
Quellewww.spiegel.de
TLDREin 54-Jähriger wurde wegen jahrelangen schweren Missbrauchs eines Mädchens auf den Philippinen via Internet zu sieben Jahren Haft verurteilt. Der Mann wies das Mädchen über WhatsApp zu sexuellen Handlungen an sich und anderen an, die teils live gestreamt wurden. Über 80 Fälle zwischen 2019 und 2022, teils mit dem Mädchen im Alter von 8-11 Jahren, wurden als erwiesen angesehen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.
InhaltSie sollte sexuelle Handlungen an sich und anderen vornehmen und diese aufnehmen: Über WhatsApp missbrauchte ein nun verurteilter Mann ein Mädchen aus den Philippinen, zweimal wurde die Gewalt auch live gestreamt. Das Landgericht Nürnberg-Fürth hat einen 54-jährigen Mann zu einer siebenjährigen Haftstrafe verurteilt, weil er ein Mädchen auf den Philippinen via Internet über Jahre schwer missbraucht hat. Der Angeklagte hatte die Taten zu Prozessbeginn weitgehend eingeräumt: "Die Anklage ist im Wesentlichen richtig", ließ er seinen Verteidiger verlauten. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Zentralstelle zur Bekämpfung von Cyber-Kriminalität bei der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg hatte elf Jahre Haft für den Mann gefordert, die Verteidigung nicht mehr als sechs Jahre. Die Beweisaufnahme fand in Teilen unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Der Verurteilte hatte über WhatsApp Anweisungen an das Mädchen und dessen Mutter gegeben. Sie sollten sexuelle Handlungen an sich selbst, an anderen Kindern und an Erwachsenen vornehmen und dies per Video und Fotos aufnehmen. Der Mann soll dafür Beträge zwischen 10 und 70 Euro bezahlt haben. Das Gericht sah rund 80 Fälle als erwiesen an. Dem Gericht zufolge stand der Mann zwischen 2019 und 2022 in Kontakt mit dem Mädchen und dessen Mutter. Das Mädchen war den Ermittlungen zufolge zu der Zeit zwischen acht und elf Jahren alt. In zwei Fällen wurde der Missbrauch laut Anklage auch live gestreamt. Vor Gericht sagte ein Ermittler allerdings, es habe auch etwa 40 Videoanrufe zwischen dem Mann und dem Mädchen gegeben. Deren Inhalt sei aber unbekannt. Die Ermittlungen hatte eine Hilfsorganisation auf den Philippinen angestoßen, indem sie australische Sicherheitsbehörden über den Fall informierte. Im Mai 2025 nahmen deutsche Fahnder den Mann fest und durchsuchten seine Wohnung. Dort fanden sie laut Generalstaatsanwaltschaft mehr als 11.000 Bilder sexualisierter Gewalt gegen Kinder sowie mindestens 87 Videos. Kennengelernt habe der Mann die Frau und ihre Tochter als Sextourist auf den Philippinen, hieß es von der Verteidigung. Danach sei ein reger Chataustausch entstanden. Sein Mandant habe sich eingeredet, das Mädchen sei mit allem einverstanden gewesen. Der Missbrauch habe geendet, als das Mädchen im Mai 2022 in Streit mit ihrer Mutter geraten und in ein Jugendheim gezogen sei, so der Anwalt des Verurteilten. Das Gericht wertete neben dem Geständnis auch die Tatsache strafmildernd, dass der Mann 35.000 Euro an das Mädchen gezahlt habe. Es könne inzwischen in besseren Verhältnissen leben und habe eine Entschuldigung angenommen.