Datum10.08.2026 13:15
Quellewww.zeit.de
TLDRDrei deutsche Fahrradfirmen der niederländischen Accell-Gruppe, darunter Winora und Ghost Bikes, haben Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet. Betroffen sind 370 Mitarbeiter an den Standorten Schweinfurt und Waldsassen. Ursache sind internationale Schwierigkeiten der Accell Group, die den abebbenden Fahrrad-Boom und gescheiterte Verkaufspläne verantwortlich macht. Trotz der Insolvenz soll der Geschäftsbetrieb fortgeführt und ein Investor gesucht werden, um die deutschen Unternehmen zu sanieren und aus der Gruppe herauszulösen.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Insolvenz bei Fahrradbauer“. Lesen Sie jetzt „Fahrrad-Gruppe stellt Insolvenzantrag“. Ungeachtet eines anhaltenden Radfahr-Booms haben gleich drei renommierte Fahrradfirmen aus Bayern im Zuge der Schwierigkeiten ihrer niederländischen Mutter Insolvenz angemeldet. Das Amtsgericht Schweinfurt bestätigte am Montag, dass mit Beschluss vom vergangenen Freitag Verfahren in Eigenverwaltung für die deutsche Holding der niederländischen Accel-Gruppe sowie deren Tochtergesellschaft Winora Staiger GmbH, Ghost Bikes GmbH und Engelbert Wiener Bike-Parts GmbH angeordnet wurden. Als vorläufiger Sachwalter sei der Nürnberger Rechtsanwalt Stefan Debus eingesetzt worden. Die Firmen mit Marken wie Haibike, Winora und Ghost beschäftigen nach Angaben von Accell an den Standorten Sennfeld bei Schweinfurt und Waldsassen (Oberpfalz) 370 Mitarbeiter und erzielten 2025 einen Umsatz von 340 Millionen Euro. Der Geschäftsbetrieb solle fortgeführt werden, Löhne und Gehälter seien über das Insolvenzgeld zunächst gesichert. Ziel sei es, einen Investoren zu finden und die deutschen Unternehmen aus dem Geflecht der niederländischen Gruppe herauszulösen. Winora hat ein große Tradition - das Unternehmen war 1914 von dem Radrennfahrer Engelbert Wiener gegründet worden. Accell Germany ist derzeit Teil der in den Niederlanden ansässigen und in vielen Ländern Europas agierenden Accell Group, die mehrheitlich dem US-Finanzinvestor KKR gehört. Die Fahrrad-Gruppe steckt international in Schwierigkeiten und macht dafür ein Abflauen des Verkaufsbooms bei Fahrrädern verantwortlich, der im Zuge der Corona-Pandemie seinen Höhepunkt erreicht und dann überschritten habe. Der Versuch eines strukturierten Verkaufsprozesses für die gesamte Accell Group sei zum Monatswechsel endgültig gescheitert. Infolgedessen habe die Accell Group weltweit in zahlreichen Ländern innerhalb und außerhalb der Europäischen Union Insolvenzanträge gestellt, darunter in denNiederlanden, Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Belgien, Dänemark, Finnland, Norwegen, Schweden und Ungarn. Mit dem Verfahren in Eigenverwaltung hat die bestehende Geschäftsführung die Möglichkeit, den Sanierungsprozess in Abstimmung mit den Gläubigern selbst zu steuern. Der deutsche Fahrradmarkt sei ein solide Grundlage für eine Sanierung, heißt es aus dem Büro des vorläufigen Sachwalters. Die Marken seien im Markt gut positioniert. © dpa-infocom, dpa:260810-930-508883/1