Gaza-Friedensplan und Iran-Verhandlungen: Für Trump hagelte es am Wochenende schlechte Nachrichten

Datum10.08.2026 04:56

Quellewww.spiegel.de

TLDRUS-Präsident Trump setzt auf wirtschaftlichen Druck statt militärische Eskalation gegen Iran, hofft auf dessen wirtschaftliche Schwäche zur Lösung der Spannungen. Israel lehnt indes einen Gaza-Friedensplan ab, der einen Abzug aus dem Gazastreifen vorsieht, solange die Hamas nicht entwaffnet ist. Berichte deuten auf Waffenknappheit des US-Militärs hin, während es im Iran zu Personalwechseln in der Führung kommt.

InhaltDer US-Präsident versucht, die jüngsten Rückschläge bei den Verhandlungen mit Teheran kleinzureden. Und aus Israel kommt eine Ansage, die Donald Trump gar nicht gefallen dürfte. Der Überblick. Donald Trump will offenbar zunächst auf weitere militärische Angriffe auf Iran verzichten und stattdessen auf wirtschaftlichen Druck setzen. "Wir halten uns zurück", sagte er am Sonntag dem Nachrichtenportal "Axios"  am Telefon. "Wir verhandeln nur so halb mit ihnen", so der US-Präsident. "Wir beobachten Iran lediglich mit seiner enormen Inflation und der Tatsache, dass sie kein Geld haben." Trump hob demnach hervor, dass es Iran wirtschaftlich sehr schlecht gehe und dass die Seeblockade der USA gegen iranische Häfen die Situation verschärft habe. Auch bei Truth Social postete  er darüber, dass Iran "kein Geld" habe. Trump hatte erst vor gut einer Woche massive neue Angriffe auf Iran angedroht, diese dann aber wieder ausgesetzt, weil es "Umrisse einer Vereinbarung" zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus gebe. Nach einer schnellen Einigung sieht es derzeit aber nicht aus. Die Führung in Teheran forderte von den USA am Wochenende erhebliche Vorleistungen vor einer Freigabe der für den internationalen Öl- und Gashandel wichtigen Meerenge (mehr dazu hier ). Der Nationale Sicherheitsrat – das höchste Entscheidungsgremium Irans – knüpft die Wiedereröffnung der faktisch blockierten Straße von Hormus laut iranischen Medien an sechs Bedingungen: Es darf bezweifelt werden, dass die US-Regierung diesen Forderungen nachkommt. Trump gab sich gegenüber "Axios" dennoch betont gelassen: "Es wird sich regeln", sagte er über das Hin und Her mit Iran. "Es regelt sich immer. Es ist wie eine Schachpartie." Wegen der anhaltenden Unsicherheit ​über eine baldige Wiedereröffnung der Straße von Hormus stiegen die Ölpreise am Montag: Die ‌Nordseesorte Brent verteuerte sich um 1,09 Prozent auf 84,46 Dollar je Barrel, während US-Leichtöl WTI um 0,78 Prozent auf 78,79 Dollar zulegte. Auch aus Israel gab es am Wochenende keine guten Nachrichten für Trump. Ministerpräsident Benjamin Netanyahu erklärte während einer Kabinettssitzung: "Israel lehnt das 15-Punkte-Dokument ab." Gemeint ist der Fahrplan des sogenannten Gaza-Friedensrats: Im Zuge eines von Trump vermittelten Friedensplans war zu Jahresbeginn ein international besetztes "Board of Peace" ins Leben gerufen worden, das gemäß seiner Charta den Wiederaufbau des Gazastreifens und die Nachkriegsordnung in dem zerstörten Küstengebiet überwachen soll. Der Fahrplan des Friedensrats sieht unter anderem eine Entwaffnung der islamistischen Terrororganisation Hamas und einen Abzug Israels aus dem Gazastreifen vor. Netanyahu sagte dazu nun: "Die israelische Armee wird keinerlei Abzug vollziehen, bis die Hamas entwaffnet ist." Dabei beziehe er sich ausdrücklich auf alle Waffen, nicht nur schwere. Außerdem bekräftigte der Regierungschef seine Ablehnung eines unabhängigen palästinensischen Staates (mehr dazu hier). Die USA hatten Ende Februar gemeinsam mit Israel den Irankrieg begonnen. Zuletzt häuften sich Berichte, wonach dem US-Militär die Waffen ausgehen. Am Wochenende berichteten die "Washington Post" und CNN übereinstimmend, dass das Pentagon Vertreter der US-Rüstungsindustrie aufgefordert habe, Produktion und Lieferung von Waffen rasch zu steigern (mehr dazu hier). Die Medien berufen sich dabei auf eine Mitteilung eines Ministeriumsvertreters. Pentagon-Sprecher Sean Parnell bestätigte der Nachrichtenagentur dpa die Echtheit des Dokuments. Mit Beginn des Irankriegs wurden durch die amerikanisch-israelischen Luftangriffe viele zentrale Personen der iranischen Führung getötet. Nun wurde der ehemalige Kommandeur der mächtigen iranischen Revolutionswächter (IRGC), Mohsen Resai, zum neuen Vorsitzenden des iranischen Nationalen Sicherheitsrates ernannt (mehr dazu hier). Generalmajor Resai gilt als eine der dienstältesten Figuren des iranischen Machtapparats. Er ersetzt den eher unbekannten Brigadegeneral Mohammed Bagher Solghadr. Die Personalie könnte auf eine weitere Festigung des Einflusses der IRGC auf die Regierung hindeuten. Schon am ersten Tag des Irankriegs wurde der oberste Führer des Landes, Ajatollah Ali Khamenei, getötet. Zu seinem Nachfolger wurde sein Sohn Mojtaba Khamenei ernannt. Der ist seitdem aber nicht öffentlich aufgetreten. Am Sonntag kündigte ein General der iranischen Revolutionswächter die Veröffentlichung von Fotos an, die Mojtaba Khamenei in der Öffentlichkeit und bei Treffen zeigen sollen. Einen konkreteren Zeitpunkt nannte der General gegenüber der Agentur Tasnim nicht, sondern sagte lediglich, dass die Bilder "künftig" veröffentlicht werden sollten. Khameneis Büro wiederum erklärte, dass sich der oberste Führer am Sonntag mit dem iranischen Präsidenten Masoud Pezeshkian getroffen habe. Die beiden hätten "ausführlich über die Probleme und Herausforderungen des Landes" gesprochen, hieß es von Khameneis Büro, einschließlich der "derzeitigen militärischen Lage und der Zukunftsaussichten". Wann genau das Treffen stattgefunden hat, wurde nicht mitgeteilt. Am Mittwoch hatte Pezeshkian die Kommunikation mit Khamenei noch als "momentan sehr schwierig" bezeichnet. Mojtaba Khamenei ist theologisch bedeutungslos, verletzt und öffentlich unsichtbar. Genau das macht ihn wertvoll für die wahren Machthaber: die Revolutionswächter. Mehr über deren Geld, Einfluss und Macht erfahren Sie hier .