Datum10.08.2026 01:38
Quellewww.zeit.de
TLDRDer Rhein leidet unter anhaltendem Niedrigwasser, die wichtige Messstation Kaub könnte erstmals einstellige Werte erreichen. Dies könnte die Durchgängigkeit des Flusses unterbrechen und zu einer Zweiteilung führen. Die Binnenschifffahrt warnt vor Transportunterbrechungen, besonders im mittleren Rheinabschnitt. Um Engpässe zu kompensieren, wurden in mehreren Bundesländern Lkw-Fahrverbote gelockert. Krisensitzungen mit dem Bundesverkehrsministerium sind geplant, um alternative Transportwege zu diskutieren.
InhaltDer Pegel in der wichtigen Messtation Kaub dürfte erstmals auf einen einstelligen Wert sinken. Ab Mitte der Woche könnte der Fluss nicht mehr durchgängig befahrbar sein. Der Wassermangel im Rhein könnte die Transportroute bald im mittleren Flussabschnitt unterbrechen. "Wegen ausbleibender Niederschläge wird im Laufe der Woche an dem für Schifffahrt und Wirtschaft wichtigen Pegel Kaub erstmals ein nur noch einstelliger Wert prognostiziert", sagte Jens Schwanen, Geschäftsführer vom Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB) der Rheinischen Post. "Im Prinzip ist der Rhein damit nicht mehr durchgängig befahrbar und damit zweigeteilt." Die großen deutschen Flüsse haben wegen der anhaltenden Trockenheit an vielen Orten Niedrigwasser. Am Rhein wurden am Wochenende in Nordrhein-Westfalen historische Tiefstände gemessen. Der Pegelstand von Kaub zwischen Koblenz und Mainz gilt als Referenzwert für die Rheinschifffahrt. Weil die Fahrrinne in diesem Abschnitt ohnehin relativ flach ist, beobachtet der BDB die dort erwarteten Werte mit besonderer Sorge. "Die gewerbliche Schifffahrt wird bei derart niedrigen Wasserständen in der Region keinen Gütertransport mehr durchführen können", sagte Schwanen. Das Gleiche gelte für die Ausflugs- und Kreuzfahrtschifffahrt. Die Folge wären dem Verbandsgeschäftsführer zufolge zwei getrennte Gebiete. Zwischen den Nordseehäfen Amsterdam, Rotterdam, Antwerpen und der Region Köln wäre noch Schiffsverkehr über den Rhein und das westdeutsche Kanalgebiet möglich. "Und es gibt weiter südlich Schiffsverkehr an den Nebenflüssen Neckar, Mosel, Main, Main-Donau-Kanal", sagte Schwanen. Der Main-Donau-Kanal gilt als international bedeutendes Verbindungsstück der Route von und nach Südosteuropa und dem Schwarzen Meer. Der Geschäftsführer des Binnenschifffahrtsverbands begrüßte, dass weitere Krisensitzungen mit dem Bundesverkehrsministerium geplant sind. An diesem Montag soll laut Schwanen über den verstärkten Einsatz von Straße und Schiene gesprochen werden. Wegen des anhaltenden Niedrigwassers hatten mehrere Bundesländer bereits das Sonn- und Feiertagsfahrverbot für bestimmte Lastwagen gelockert. In Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Niedersachsen und dem Saarland gilt eine Ausnahmeregelung für Lkw-Transporte von Gütern, die, wegen der niedrigen Wasserstände nicht oder nur eingeschränkt per Schiff transportiert werden können. Sie sollen stattdessen über die Straße ans Ziel gelangen. Die Linke hatten die Maßname kritisiert, Politiker der Grünen zeigten teils auch Verständnis.