Datum09.08.2026 16:27
Quellewww.zeit.de
TLDRLinken-Chef Pantisano schließt eine Unterstützung der CDU in Sachsen-Anhalt nicht aus, um eine Machtübernahme der AfD zu verhindern. Er erwartet von CDU-Ministerpräsident Schulze, Verantwortung zu übernehmen. Die CDU schließt Koalitionen mit AfD und Linken aus. Pantisano bekräftigt zudem die Forderung der Linken nach Enteignung großer Wohnungskonzerne in Berlin, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.
InhaltLuigi Pantisano sieht seine Partei in der Pflicht, eine Machtübernahme der AfD zu verhindern. Er zeigt sich offen für einen CDU-Ministerpräsidenten in Sachsen-Anhalt. Der Linken-Bundesvorsitzende Luigi Pantisano hat eine Wahl des CDU-Spitzenkandidaten Sven Schulze zum Ministerpräsidenten in Sachsen-Anhalt nicht ausgeschlossen. Seine Partei habe in den vergangenen Jahren wiederholt Verantwortung gezeigt, sagte Pantisano im ZDF-Sommerinterview. Das sei in Thüringen so gewesen, aber auch in Sachsen und Sachsen-Anhalt. "Es geht darum, zu verhindern, dass eine rechtsextreme Partei an die Macht kommt", sagte der Parteichef mit Blick auf die Stärke der AfD in den Umfragen. Diesen zufolge könnte Schulze als derzeit amtierender Ministerpräsident nur mit den Stimmen der Linkspartei wiedergewählt werden. Die CDU in Sachsen-Anhalt schließt jedoch sowohl eine Zusammenarbeit mit der AfD als auch mit der Linken aus. Die Frage sei, ob Schulze angesichts der Umfragen bereit sei, Verantwortung zu übernehmen, sagte Pantisano. Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt findet am 6. September statt. In den aktuellen Umfragen liegt die AfD mit großem Vorsprung vor der CDU. Die Linke liegt den Umfragen nach auf Platz drei. Ob die AfD womöglich eine absolute Mehrheit erringen könnte, hängt unter anderem auch davon ab, ob SPD und Grüne den Einzug in das Landesparlament schaffen: Beide Parteien lagen zuletzt je nach Umfrage knapp unter oder über fünf Prozent. Bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin am 20. September pocht der Linken-Chef auf die Enteignung großer Wohnungskonzerne. Die Berliner Bürger hätten entschieden, dass sie das wollten, "und diesen Auftrag nehmen wir mit", sagte Pantisano mit Blick auf einen entsprechenden Volksentscheid im Jahr 2021. Großen Konzernen wie Vonovia und Deutsche Wohnen gehe es nicht darum, bezahlbaren Wohnraum für Menschen zur Verfügung zu stellen, sondern darum, Rendite zu erwirtschaften. "Wir wollen, dass die Mieten, wo die Menschen heute leben, wieder sinken", sagte der Parteichef der Linken. "Ich finde, das muss ein Ende haben, dass die Menschen, die jeden Tag arbeiten gehen, die Hälfte des Monats für die Aktionäre von Vonovia arbeiten gehen." Die Co-Bundesvorsitzende der Linken, Ines Schwerdtner, hatte eine Enteignung von Wohnungskonzernen im Stern zur Bedingung für eine Regierungsbeteiligung in Berlin gemacht. Der Berliner SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach sagte daraufhin, die Linke müsse dann alleine in Berlin regieren. Pantisano gab sich diesbezüglich gelassen: Koalitionsverhandlungen gebe es erst nach der Wahl, sagte er. "Unser entscheidender Koalitionspartner sind die Berlinerinnen und Berliner, die in einem Volksentscheid gemeinsam mit einer großen Mehrheit entschieden haben, dass sie die Enteignung von großen Wohnungskonzernen wollen."