Israel stellt Wahllokale in Syrien, dem Libanon und im Gazastreifen auf

Datum09.08.2026 10:04

Quellewww.spiegel.de

TLDRIsrael richtet Wahllokale für Soldaten im Libanon, Gazastreifen und Syrien ein, da Ende Oktober Parlamentswahlen stattfinden. Dies geschieht inmitten anhaltender Spannungen und Verhandlungen über Truppenabzüge, insbesondere im Libanon. Gleichzeitig lehnt Premierminister Netanyahu einen Plan von US-Präsident Trump zur Beendigung des Gaza-Kriegs ab und fordert Änderungen. Die Wahlen sind die ersten seit dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober und werden als Richtungsentscheidung für Israel angesehen.

InhaltEnde Oktober wählen die Israelis ein neues Parlament – zum ersten Mal seit dem Massaker der Hamas am 7. Oktober 2023. Die Armee bereitet sich nun auf das Votum vor, mit speziellen Maßnahmen zur Identifikation der Soldaten im Feld. Israel weigert sich libanesischen Angaben zufolge, seine Truppen aus weiteren Gebieten im Süden des Libanon abzuziehen, so lange die libanesische Armee nicht die volle Kontrolle über die beiden ersten "Pilotzonen" hat. Dies erfuhr die Nachrichtenagentur AFP aus Kreisen des libanesischen Präsidialamtes nach Gesprächen zwischen beiden Ländern am Donnerstag. Die siebte Verhandlungsrunde zur Beendigung der Kämpfe zwischen Israel und der Hisbollah-Miliz im Libanon hatten in dieser Woche unter US-Vermittlung in Rom stattgefunden. Bislang sieht auch nicht danach aus, dass Israel sich bis Ende Oktober aus dem Gazastreifen zurückziehen wird oder aus Syrien, wo die Armee eine sogenannte "Pufferzone" errichtet hat. Am 27. Oktober wird in Israel aber auch ein neues Parlament gewählt. Vor diesem Hintergrund hat Generalstabschef Eyal Zamir entschieden , dass auch in Syrien, im Libanon und im Gazastreifen Wahllokale aufgestellt werden. Wie das Nachrichtenportal "ynet" berichtet , gibt es für das Votum im Feindesland spezielle Vorkehrungen. Da die Soldaten beispielsweise keine Personalausweise bei sich führen dürfen, werden sie sich mithilfe einer Diskette und eines Kameraden, der sie zur Stimmabgabe begleiten muss, identifizieren. Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu hat erst Ende der Woche erklärt, dass er den Plan von US-Präsident Donald Trump für ein Ende des Kriegs im Gazastreifen erneut abgelehnt habe. "Wir haben nicht zugestimmt, es ist nicht unser Entwurf", sagte Netanyahu in einem in der Nacht zum Mittwoch in Onlinediensten veröffentlichten Video. Trump hatte seine Pläne für eine Entwaffnung der Hamas und einen Rückzug der israelischen Armee als "Meilenstein" bezeichnet. Trumps Team glaube, "dass es für eine Entwaffnung der Hamas und eine Entmilitarisierung des Gazastreifens sorgen kann. Das prüfen wir", sagte Netanyahu weiter. Er habe Änderungsvorschläge gemacht. Netanyahu teils rechtsextreme Koalitionspartner hatten in den vergangenen Tagen den Druck erhöht, die Vereinbarung abzulehnen. Israel lehnt vor allem einen Abzug seiner Truppen ab. Der von Trump ins Leben gerufene "Friedensrat" hatte bei einem Treffen mit Netanyahu am Montag zugesagt, die israelische Armee müsse sich erst zurückziehen, wenn die Hamas vollständig entwaffnet sei. Der amtierende Premier wird bei den Wahlen Ende Oktober um sein politisches Überleben kämpfen. Es ist die erste Knesset-Wahl seit dem Überfall der palästinensischen Terrororganisation Hamas am 7. Oktober 2023, der Israel bis ins Mark erschüttert hat. Im Zentrum steht die Frage nach der künftigen politischen Ausrichtung des tief gespaltenen Landes.