Datum08.08.2026 00:13
Quellewww.zeit.de
TLDRMenschenrechtsorganisationen schätzen die Zahl der Todesopfer beim Versuch, die spanische Exklave Ceuta zu erreichen, auf mindestens 140, was deutlich über den offiziellen Angaben liegt. Marokko verurteilte sieben Taxifahrer zu Haft- und Geldstrafen, weil sie Migranten zur Grenze gebracht hatten. Die Urteile werden von Taxigewerkschaften kritisiert. Viele Migranten, darunter Kinder, befinden sich weiterhin in Ceuta und haben dort nur eingeschränkten Zugang zu grundlegenden Gütern.
InhaltNach dem Andrang auf die spanische Exklave zählen Menschenrechtsorganisationen mindestens 140 Tote. Marokko bestraft Taxifahrer für Fahrten an die Grenze zu Ceuta. Bei dem Versuch, auf die spanische Exklave Ceuta zu langen, sollen Menschenrechtsorganisationen zufolge deutlich mehr Menschen gestorben sein, als bisher offiziell bestätigt. Die marokkanische Menschenrechtsorganisation AMDH und eine Vereinigung in Europa ansässiger marokkanischer Organisationen sprachen von mindestens 141 Toten. AMDH-Vertreter Achraf Mimoun sagte bei einer Pressekonferenz in der marokkanischen Hauptstadt Rabat, die Zahl der Toten werde vermutlich noch steigen. "Man kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht von endgültigen Zahlen sprechen." Die Organisationen berufen sich bei ihren Zahlen auf offizielle Angaben, Medienberichte und eigene Recherchen. Zahlen der spanischen Regierung zufolge hatten in der vergangenen Woche rund 72.000 Menschen die neben Marokko gelegene spanische Exklave Ceuta auf dem Landweg oder schwimmend erreicht. Nach spanischen Angaben kamen 80 Menschen ums Leben. Die marokkanischen Behörden sprachen von elf Toten auf ihrem Gebiet. Der Regierungschef der Exklave, Juan Jesús Vivas, sprach zuletzt von etwa 100 Toten. Die Angaben unterscheiden sich auch bei den Zahlen zu den sich noch in Ceuta befindenen Menschen. Es sollen zwischen 1.000 und 2.000 Menschen sein, die meisten davon Kinder und Jugendliche. Sie haben in Ceuta kaum Zugang zu Wasser, Lebensmitteln oder sicheren Schlafplätzen. In Marokko sind indes sieben Taxifahrer zu Freiheitsstrafen bis zu sechs Monaten verurteilt worden, weil sie Menschen an die Grenze zur spanischen Exklave Ceuta gefahren hatten. Außerdem müsse jeder von ihnen umgerechnet etwa 930 Euro Geldstrafe zahlen, heißt es in Auszügen des Urteils, das auf der Website des Justizministeriums veröffentlicht wurde. Ein Fahrzeug wurde beschlagnahmt. Das Ministerium und die Staatsanwaltschaft reagierten zunächst nicht auf Bitten um Stellungnahme. Das Urteil gegen die Taxifahrer erging den Angaben zufolge bereits am Montag. Die Richter in Tetouan hätten sie für schuldig befunden, "die illegale Ausreise von Marokkanern und Ausländern über nicht zugelassene Grenzübergänge erleichtert" und "Fahrgäste ohne Lizenz befördert" zu haben. Die Taxifahrergewerkschaft kritisierte die Urteile als "schockierend und hart", zumal es offiziell keine Beschränkungen für den Personentransport gegeben habe. "Die Taxifahrer können nicht für das Geschehene verantwortlich gemacht werden", sagte der örtliche Gewerkschaftssekretär Ali Younes der Nachrichtenagentur AP. "Sie wurden lediglich dafür bestraft, dass sie eine öffentliche Dienstleistung erbracht haben." Die marokkanische Menschenrechtsvereinigung teilte am Freitag mit, nach den Ereignissen in Ceuta säßen 111 Personen in Untersuchungshaft. Ihnen würden unter anderem Massenrebellion, tätlicher Angriff auf Amtsträger und Verkehrsbehinderung vorgeworfen.