Datum07.08.2026 22:12
Quellewww.spiegel.de
TLDRUm KI-Betrug zu bekämpfen, müssen dänische Oberstufenschüler ihre schriftlichen Hausarbeiten künftig mündlich verteidigen. Dies soll sicherstellen, dass die Arbeiten nicht von KI erstellt wurden. Zusätzlich werden digitale Prüfungen stärker überwacht und Schulen ermutigt, Hausarbeiten unter kontrollierten Bedingungen anzubieten. Das Bildungsministerium strebt klarere Richtlinien zur KI-Nutzung und eine nationale KI-Strategie für den Bildungssektor an.
InhaltDas dänische Bildungsministerium will stärker gegen missbräuchliche KI-Nutzung an Schulen vorgehen. Neben mündlichen Kontrollen sollen auch Computer bei digitalen Prüfungen stärker überwacht werden. Mit einem klugen KI-Prompt ist es ab sofort nicht mehr getan: Dänische Oberstufenschülerinnen müssen künftig bestimmte schriftliche Arbeiten mündlich verteidigen. Damit sollen sie nachweisen, dass sie keinen KI-Betrug begangen haben. Das hat die Regierung angekündigt . Rund 9000 Schülerinnen und Schüler der Oberstufe verfassen jährlich eine umfangreiche Hausarbeit, bekannt als "Større skriftlige opgave", die sie nun mündlich verteidigen müssen. Das Ministerium kündigte an, mit den Schulen darüber zu sprechen, wie die Maßnahme gut umgesetzt werden kann. Das Ganze ist Teil eines Pakets, das sofort in Kraft tritt, wie Bildungsminister Magnus Heunicke mitteilte. Das neue Schuljahr in Dänemark beginnt kommende Woche. "Leider haben wir ein Problem mit KI-gestütztem Betrug an Gymnasien", sagte er. "Jetzt muss gehandelt werden." Insgesamt beinhaltet das Paket drei konkrete Maßnahmen. Neben der mündlichen Verteidigung der Hausarbeiten werden weiterführende Schulen dazu verpflichtet, Überwachungssoftware einzusetzen, wenn Prüfungen am Computer abgelegt werden. Sie müssen demnach Firewalls installieren, um den Zugriff auf das Schulnetzwerk während Prüfungen und Unterricht zu filtern. Die dritte Maßnahme ist ein Appell an die Schulen, die Schüler zu ermutigen, ihre schriftlichen Hausaufgaben "unter kontrollierten Bedingungen in der Schule" zu erledigen. Sie sollen lernen, dass die Nutzung von KI ihnen selbst schadet. So können Lehrkräfte "den Arbeitsprozess der Schüler zu verfolgen, relevantes Feedback zu geben und eine genauere Grundlage für die Bewertung zu schaffen". Künstliche Intelligenz stelle eine zunehmende Herausforderung für Unterricht und Prüfungen dar, so das Bildungsministerium. Man erhoffe sich von den neuen Maßnahmen klarere Richtlinien dafür, wann Schülern die Nutzung von KI untersagt ist. Die Regierung erarbeite außerdem eine umfassende nationale Strategie für den Einsatz von KI im gesamten Bildungssektor. Historisch zeigte sich Dänemark KI an Schulen gegenüber offen: Vor einem Jahr erst erlaubten die Behörden in Form eines Pilotprojekts , dass KI in Vorbereitung für mündliche Englischprüfungen im Abitur genutzt werden darf. Im Nachbarland Schweden ergab hingegen eine Studie , dass die Zahl der Schüler, die wegen unerlaubter KI-Nutzung suspendiert oder verwarnt wurden, zwischen 2023 und 2025 um 688 Prozent gestiegen ist. Wie Schülerinnen und Schüler in Deutschland mit dem Thema umgehen, lesen Sie hier.