Datum07.08.2026 12:08
Quellewww.zeit.de
TLDRDie Ukraine hat erneut ein Wildberries-Logistikzentrum in Russland mit Drohnen angegriffen, was zu einem Feuer führte. Verletzte gab es keine. Diese Angriffe, die seit Juli auf über 20 Standorte erfolgen, belasten die russische Wirtschaft erheblich. Die Ukraine behauptet, Wildberries liefere auch das russische Militär. Das Unternehmen und der Kreml bestreiten dies. Die Angriffe stören das russische Logistiknetz, führen zu Umsatzverlusten für Händler und veranlassen Wildberries, Kapazitäten in Kasachstan auszubauen.
InhaltAbermals nimmt die Ukraine den größten russischen Versandhändler Wildberries ins Visier. Die anhaltenden Angriffe belasten die russische Wirtschaft inzwischen enorm. Die Ukraine hat erneut ein Logistikzentrum des größten russischen Versandhändlers Wildberries mit Drohnen angegriffen. Bei dem Angriff auf das Lager in Jekaterinburg sei ein Feuer ausgebrochen, teilte das Unternehmen mit. Das Personal seien rechtzeitig in Sicherheit gebracht worden. Drei Drohnen stürzten laut dem Gouverneur des Gebiets Swerdlowsk, Denis Pasler, auf das Dach eines Logistikzentrums, das aus Sicherheitsgründen geräumt wurde. Feuerwehrleute seien zur Brandbekämpfung im Einsatz. Verletzte gebe es nicht. In sozialen Medien kursierten nicht überprüfbare Fotos und Videos, die den Angriff und Rauchsäulen über einer Lagerhalle zeigen sollen. Bereits Ende Juli hatte die Ukraine ein Wildberries-Logistikzentrum in Jekaterinburg angegriffen. Das Unternehmen gab danach an, dass es keine Schäden gegeben habe. Wildberries ist in Russland sehr beliebt und wird häufig als "russisches Amazon" bezeichnet. Seit Mitte Juli wurden nach Angaben russischer Behörden rund 20 Standorte von Wildberries in verschiedenen Teilen Russlands und auf der von Moskau annektierten ukrainischen Halbinsel Krim angegriffen. Die Regierung in Kiew wirft Wildberries vor, über Logistikzentren auch das russische Militär zu beliefern und damit Teil des Angriffskriegs gegen die Ukraine zu sein. Das Unternehmen und der Kreml bestreiten dies. Bei den Angriffen auf Wildberries-Lagerhäuser wurden bisher mindestens 13 Menschen getötet. Russland griff wiederum zuletzt ebenfalls Lagerhäuser in und um Kiew an und behauptete, dort würden militärische Güter gelagert. Die ukrainischen Drohnenangriffe auf Wildberries-Standorte haben nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters inzwischen enorme Auswirkungen auf die russische Wirtschaft. Nicht nur die Betreiber von Abholstationen haben mit den Folgen zu kämpfen, sondern auch Händler, die darauf angewiesen sind, ihre Produkte über Wildberries zu verkaufen. Das Unternehmen wickelt zusammen mit anderen E-Commerce-Plattformen Waren und Dienstleistungen ab, die 8,5 Prozent der russischen Wirtschaftsleistung entsprechen. Die ukrainischen Angriffe führen den Angaben zufolge zu massiven Störungen im russischen Logistiknetz und beeinträchtigen den Einzelhandel. Ein Fünftel der Lagerkapazität von Wildberries wurde laut einer Reuters-Auswertung von Satellitenbildern beschädigt oder zerstört. "Die Verkäufe sind im vergangenen Monat um etwa 50 Prozent eingebrochen, weil es fast keine Lieferungen mehr gibt", sagte Wassili Klimow, der eine Abholstation für Wildberries in Moskau betreibt. Sein Geschäft habe im Juli Verlust gemacht. Wie er versuchen Tausende Franchisenehmer und Händler, die auf die Plattform angewiesen sind, ihre Einbußen zu begrenzen. Die Folgen der Angriffe auf Wildberries-Logistikzentren sind mittlerweile auf höchster Ebene ein Thema. Die Regierung in Moskau berät demnach über mögliche Hilfen für das Unternehmen und die betroffenen Händler. Wildberries sucht zudem offenbar nach Ausweichmöglichkeiten. Im benachbarten Kasachstan baut der Versandhändler Lagerkapazitäten mit einer Gesamtfläche von 260.000 Quadratmetern auf. Die geplanten Anlagen sind nach kasachischen Regierungsangaben Teil eines langfristigen Expansionsprojekts und sollen im ersten Quartal 2027 in Betrieb gehen.