Datum07.08.2026 12:08
Quellewww.zeit.de
TLDRSPD-Politikerin Nina Scheer fordert beschleunigten Ausbau erneuerbarer Energien und öffentliche Netzausbaufinanzierung für niedrigere Strompreise. Sie kritisiert Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) für Fehlinformationen, indem diese die Erneuerbaren für hohe Stromkosten verantwortlich mache, obwohl diese laut Scheer eine Entlastung seien. Reiche hatte zuvor mangelnde Systemplanung bemängelt und gesicherte Kraftwerksleistung sowie langfristige Gasverträge gefordert. Auch die Grünen kritisieren Reiche und betonen die Notwendigkeit erneuerbarer Energien und Speicher für günstige Strompreise.
InhaltDie energiepolitische Sprecherin der SPD will einen schnelleren Ausbau erneuerbarer Energien. Katherina Reiche hatte diese für hohe Stromkosten verantwortlich gemacht. Angesichts hoher Strompreise hat sich die energiepolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Nina Scheer, für einen beschleunigten Ausbau der erneuerbaren Energien sowie eine öffentliche Finanzierung des Netzausbaus ausgesprochen. "Der sicherste Weg zu dauerhaft niedrigen Strompreisen verlangt einen beschleunigten Umstieg auf erneuerbare Energien und eine öffentliche Finanzierung des Netzausbaus statt über die Netzentgelte", sagte sie. Dadurch könne der Strom um 20 bis 30 Prozent billiger sein. Scheer sprach von einer Täuschung der Öffentlichkeit, wenn in Kostendiskussionen nur Förderkosten der Erneuerbaren beziffert würden. Dabei würden weder die massiven Entlastungswirkungen durch Erneuerbare noch die Subventionen für fossile Energiegewinnung gegengerechnet. "Die Erzählung vom teuren Strom wegen der Erneuerbaren ist Fake News", sagte Scheer. Der heutige Anteil der Erneuerbaren von knapp 60 Prozent sei eine ökonomische Entlastung. Im ersten Halbjahr 2026 lag Energie etwa aus Wind, Sonne, Biomasse und Wasser auf einen Höchstanteil von 58 Prozent am deutschen Stromverbrauch. Zuvor hatte Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) die Energiepolitik früherer Bundesregierungen für hohe Stromkosten verantwortlich gemacht. "Sie haben den Ausbau der Erneuerbaren vorangetrieben, ohne Netze, Speicher, Verbrauch und gesicherte Kraftwerksleistung konsequent als ein System zu planen", sagte sie. Die Antwort darauf sei ein System, in dem alle Teile effizient zusammenwirkten. Reiche forderte eine gesicherte Kraftwerksleistung, die einspringe, wenn Wind und Sonne nicht ausreichten. Sie schlug langfristige Gaslieferverträge zum Schutz vor Preissprüngen vor. Die Ministerin teilte außerdem mit, sie rechne mittelfristig mit sinkenden Strompreisen in Deutschland. Dies werde allerdings erst Mitte der 2030er Jahre spürbar werden. Die CDU-Politikerin wies Kritik zurück, mit ihren Reformplänen werde die Energiewende ausgebremst. Auch die Grünen kritisierten Reiches Forderung. "Sie selbst sorgt durch den weiteren Ausbau fossiler Gaskraftwerke für gefährliche Abhängigkeit von teuren fossilen Energien", sagte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Julia Verlinden. Stattdessen sei ein massiver Ausbau erneuerbarer Energien und Speicher nötig. Verlinden nannte Erneuerbare einen "Garant für günstige Strompreise". Kalifornien und Spanien machten vor, wie man teures Gas ersetzen könne. Reiche verhindere günstigen Strom, wenn sie Menschen Steine in den Weg lege, die Solaranlagen auf ihren Dächern installieren wollten und wenn sie zugleich die Netzbetreiber nicht angemessen in die Pflicht nehme, die Netze endlich fit für mehr erneuerbaren Strom zu machen würden, sagte Verlinden.