Eilande im Wattenmeer: Einmalige Landschaft im Watt - Wissenswertes zu Halligen

Datum07.08.2026 06:00

Quellewww.zeit.de

TLDRHalligen sind einzigartige, niedrig liegende Inseln im Wattenmeer, die regelmäßig von Sturmfluten überflutet werden ("Landunter"). Sie beherbergen eine artenreiche Salzwiesenvegetation und sind wichtig für Küsten- und Zugvögel. Elf Halligen existieren heute noch, sechs davon ganzjährig bewohnt. Entstanden nach historischen Sturmfluten, werden sie durch Küstenschutzmaßnahmen vor dem Verlust bewahrt und dienen als natürliche Wellenbrecher.

InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Eilande im Wattenmeer“. Lesen Sie jetzt „Einmalige Landschaft im Watt - Wissenswertes zu Halligen“. Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) und Umweltminister Tobias Goldschmidt (Grüne) wandern heute gemeinsam mit anderen zur Hallig Oland im schleswig-holsteinischen Wattenmeer. Doch was sind Halligen überhaupt und was macht sie so besonders?  Halligen sind nach Angaben des Landes Schleswig-Holstein weltweit einzigartig. Nur wenige hundert Menschen leben hier gemeinsam mit rund 60.000 brütenden Küstenvögeln, wie die Naturschutzorganisationen WWF, Schutzstation Wattenmeer und Verein Jordsand mitteilen. Auch viele Zugvögel machen hier Rast. Charakteristisch für die Halligen ist ihre artenreiche Salzwiesenvegetation. Dort leben zahlreiche spezialisierte Pflanzen- und Tierarten. Der Dichter Theodor Storm bezeichnete die kleinen Eilande einst als "schwimmende Träume". Insgesamt gibt es noch zehn Halligen, darunter sechs ganzjährig bewohnte. Auf Langeneß, Oland, Gröde, Hooge und Nordstrandischmoor können auch Urlauber übernachten. Süderoog ist ebenfalls ganzjährig bewohnt - von einer vierköpfigen Familie. Diese Hallig kann von April bis Oktober mit einer geführten Wattwanderung besucht werden.  Eine Besonderheit aus früherer Zeit, die etwa auf Oland noch zu sehen ist, sind die sogenannten Fethinge. In diesen Becken wurde - wie auch in Zisternen - Regenwasser gesammelt. Denn unter den Halligen gibt es kein Süßwasservorkommen. Erst seit den 1960er wurden Wasserleitungen auf die bewohnten Halligen gelegt.  Viele der heutigen Halligen sind nach der großen Sturmflut 1362, der ersten großen Mandränke, entstanden. In deren Folge kam es zwischen Amrum, Föhr und Alt-Nordstrand zu massiven Geländeumbildungen, wie das Nordfriisk Instituut auf seinen Internetseiten berichtet. Dies sind demnach Gröde, Habel, Hooge, Langeneß, Norderoog, Oland, Süderoog und Südfall.  Die Hamburger Hallig und Nordstrandischmoor sind den Angaben zufolge Überreste der 1634 zerstörten Insel Alt-Nordstrand. Früher gab es viel mehr Halligen. Einige wuchsen mit anderen Halligen zusammen oder wurden durch Eindeichung an das Festland angegliedert.  Halligen ragen nur wenig aus dem Meer heraus. Sie werden im Gegensatz zu Inseln bei Sturmflut regelmäßig überflutet. Mehrmals im Jahr kommt es zum sogenannten "Landunter", bei dem nur noch die Warften - künstliche Erdhügel, auf denen die Gebäude stehen - aus dem Wasser ragen. Gerade in den Wintermonaten müssen sich Bewohner und Gäste darauf einstellen, tagelang nicht auf das Festland gelangen zu können. Bei "Landunter" können nicht einmal die Nachbarn auf der Warft nebenan besucht werden. Genügend Vorräte sind daher ein Muss. Nach ihrer Entstehung im Mittelalter nahm die Fläche der Halligen des durch Kantenerosion während Sturmfluten kontinuierlich bis Anfang des 20. Jahrhunderts auf nur noch etwa 20 Quadratkilometer ab, wie es im Fachplan Küstenschutz Halligen heißt. Dann wurden sie bis auf Norderoog dann mittels Deckwerke und Buhnen größtenteils in ihrer Lage festgelegt. "Ohne Sicherungsmaßnahmen wären die Halligen, bei gleichbleibenden Rückgangsraten, vermutlich zu Ende des letzten Jahrhunderts verschwunden", heißt es.  Durch die regelmäßigen Überflutungen lagern sich Sedimente wie Sand und Schlick ab und die Halligen wachsen langsam auf. Allerdings reicht der Sedimenteintrag bei "Landunter" den Erkenntnissen von Experten zufolge nicht mehr aus, um den durch den Klimawandel beschleunigten Meeresspiegelanstieg auszugleichen. Daher hat das Land verschiedene Maßnahmen zum Erhalt der Halligen in die Wege geleitet. Der Unterhalt und der Schutz der Halligen ist teuer. Die Halligen aufgeben? Kommt für das Land dennoch nicht infrage. Zum einen wegen der herausragenden Bedeutung als Natur- und Kulturlandschaft. Zum anderen aus Küstenschutzgründen. Die kleinen Eilande fungieren als eine Art Wellenbrecher und schützen so das Festland. © dpa-infocom, dpa:260807-930-495789/1