Elbvertiefung: Der tägliche Newsletter aus Hamburg: Zu jedem Blättchen eine Geschichte

Datum07.08.2026 06:00

Quellewww.zeit.de

TLDRDer Artikel berichtet über ein neues Sternerestaurant in Hamburg, das mit nachhaltigen und saisonalen Gerichten überrascht. Weiterhin werden Themen wie die steigende Zahl von Badeunfällen, Umweltbilanzen von Kreuzfahrtreedereien, Forderungen nach Drohnenabwehr an Häfen, die Prüfung von Tankstellenpreisregelungen und Personalien beim FC St. Pauli behandelt. Ein Hamburger Theaterstück über einen Wal sorgte nach der Premiere für heftige Kritik und Drohungen.

InhaltDie Elbvertiefung am Freitag – Mit dem neuen Kapitän des FC St. Pauli, dem Regisseur des Theaterstücks über den Wal Timmy im Interview und wunderbaren Rammbären falls Sie, wie ich, den Eindruck haben, dass die Hitze einen blöd macht: fürs Essen gilt das nicht. Erwiesenermaßen ernähren sich Menschen im Sommer am besten – leichtere Kost, mehr Früchte, mehr Wasser, insgesamt weniger. Ich indes aß am Dienstag ein Zehn-Gänge-Menü. Den Tisch im Arc hatte ich nämlich bereits im Mai gebucht, als das Wetter noch frühlingshaft und die Urlaubskasse noch voll war. Mit so einem Vorlauf muss man rechnen in Hamburgs neuestem und kleinstem Sternerestaurant im Eppendorfer Weg. Und sicher auch dem legersten. Simple Einrichtung, nahbarer Service, eine Playlist mit Synthie-Pop aus den Achtzigern, die aufgesperrte Eingangstür anstelle der Klimaanlage … Man käme nicht auf die Idee, hier würde ein Hype zelebriert. Was man spürt, auch auf den Tellern, ist Begeisterungsfähigkeit. Die jungen Gründer des Arc scheinen mit all ihren Lieferanten bestens befreundet zu sein. Zu jedem Blättchen können sie eine Geschichte erzählen. Was sie nicht daran hindert, die Produkte maximal zu verfremden: Kräuterseitlinge scharf gebraten und zur Creme püriert, eine Vinaigrette aus dem Saft gesalzener Mirabellen, ein Misowürfel aus zwei Jahre lang im Fass fermentierten Brotresten (Nachhaltigkeit!). Dass man hier nach der Saison kocht, wird Sie nicht überraschen. Doch auch davon abgesehen passt der Stil zur Sommerernährung: kaum Fett und sehr gemüselastig, mit nur einem einzigen Stückchen Fisch im Menü. Und bekömmlich dadurch, dass die Gerichte Pralinen ähneln – so filigran und so klein. Man bekommt dafür als Besteck auch nur einen hölzernen Probierlöffel. Das mag die Hitzeblödheit sein, aber ich war diesmal dankbar für die Mini-Portionen. Etwa beim Salat von Tomaten und Weißen Johannisbeeren mit versteckter Kapuzinerkresse: ein Hauch von Sommer, der am Gaumen prickelt, während er schon verweht. Daheim freute ich mich dann weiter, weil noch Essen im Kühlschrank war. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag! Ihr Michael Allmaier Seit Jahresbeginn sind in Hamburg sechs Menschen bei Badeunfällen ertrunken – drei in Flüssen, zwei in Seen und ein weiterer in einem Bach. Das geht aus Zahlen der DLRG hervor. Bundesweit liegt die Zahl der Toten in Gewässern bislang bei 261. Über alle Altersgruppen hinweg betrug der Anteil männlicher Opfer 85 Prozent. Der Nabu Deutschland hat gestern in Hamburg sein Umweltranking zu Kreuzfahrtreedereien präsentiert. Demnach bieten die norwegischen Reedereien Havila und Hurtigruten die am wenigsten klima- und umweltschädlichen Reisen an. Das Hamburger Unternehmen TUI Cruises mit seiner Marke Mein Schiff sowie Aida Cruises mit deutschem Sitz in Rostock landeten gemeinsam auf dem dritten Platz. Der Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe mit Sitz in Hamburg fordert nach der Drohnensichtung am Flughafen Leipzig/Halle auch für die Häfen Konsequenzen. Kritische Infrastrukturen wie Seehäfen sollten Flughäfen gleichgestellt und in die nationale Drohnenabwehr einbezogen werden, so der Verband. Die Kartellbehörde in Hamburg prüft derzeit Verstöße gegen die 12-Uhr-Regel an Tankstellen. Bußgelder bis zu 100.000 Euro sind möglich – in der Regel werden laut Wirtschaftsbehörde nicht einzelne Betreiber, sondern die Tankstellenunternehmen belangt. Der Bund hatte die Regel zum April eingeführt, um die gestiegenen Spritpreise unter Kontrolle zu bringen. Sie dürfen seitdem nur einmal täglich um 12 Uhr erhöht werden. Der FC St. Pauli geht mit dem Abwehrspieler David Nemeth als Kapitän in die Saison. Der 25-jährige Österreicher wurde von Trainer Marcel Rapp zum Nachfolger des Australiers Jackson Irvine bestimmt. Nemeth ist einer der dienstältesten Profis des Kiezklubs. Der Regisseur Alexander Klessinger inszenierte am Ernst Deutsch Theater ein Theaterstück über Timmy, den Wal. Danach erreichten ihn etliche Hassmails und Drohungen. Vor allem von radikalen Christen. ZEIT-Autorin Franziska Lange hat mit ihm gesprochen. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Interview. Im Stück "Timmy – Die Hope stirbt zuletzt" (Z+), das am 11. Juli 2026 am Hamburger Ernst Deutsch Theater uraufgeführt wurde, verwendet der Regisseur Alexander Klessinger etliche christliche Motive und Elemente der katholischen Liturgie – wie das Kreuz, Weihrauch und die Eucharistie. Nach der Premiere kritisierten katholische Theologen die religiöse Bildsprache – und im Internet erhielt das Ensemble Beleidigungen und Drohungen. Heute ermittelt die Hamburger Polizei. Im Gespräch mit der ZEIT erzählt Klessinger, was in den Drohungen stand – und wie er und das Ensemble sich nun auf die weiteren Aufführungen vorbereiten. DIE ZEIT: Herr Klessinger, nach der Aufführung des Theaterstücks Timmy – Die Hope stirbt zuletzt, das Sie inszeniert haben, hat das Ensemble zahlreiche Beleidigungen und eine Morddrohung erhalten. Wie geht es Ihnen damit? Alexander Klessinger: Wir hatten mit Diskussionen gerechnet und waren offen für eine Debatte. Aber das ging dann doch sehr stark unter die Gürtellinie. Wir haben mehrere Tausend Kommentare bekommen, darunter zahlreiche hasserfüllte, obwohl das Stück bisher erst 700 Menschen gesehen haben. Es gab sogar eine Morddrohung gegen einen Schauspieler. Wir nehmen das ernst und haben Anzeige bei der Polizei erstattet. Die Drohung wurde an die Kriminalpolizei weitergeleitet, die Ermittlungen laufen. ZEIT: Was stand in den Nachrichten? Klessinger: Rund 90 Prozent der Anfeindungen waren religiös begründet. Menschen schrieben auf Instagram, Facebook, YouTube oder in persönlichen E-Mails, das Theaterstück sei Satanismus und Blasphemie. Manche forderten, das Stück zu verbieten. Einige drohten mit der Hölle und der Strafe Gottes oder schrieben, man sollte uns ertränken oder durch den Fleischwolf ziehen. Ich bekam eine Mail, in der stand, ich solle mich selbst ans Kreuz schlagen lassen, um zu sehen, wie das sei. Eine Nachricht ging besonders weit: "Du bist dran. Wir machen dich fertig. Du darfst in unserer Gesellschaft nicht mehr leben." Sie sprach einem Schauspieler das Recht ab, Teil unserer Gesellschaft zu sein, und enthielt eine Morddrohung. ZEIT: Das klingt besorgniserregend. Klessinger: Es hat uns auch getroffen. Der Schauspieler hatte zunächst Angst. Die Polizei sagte aber, dass sie nicht davon ausgehe, dass die konkrete Bedrohungslage sehr hoch sei. Welche Sicherheitsmaßnahmen bei den nächsten Aufführungen geplant sind und warum sich Klessinger für christliche Symbole entschied, lesen Sie im vollständigen Interview auf zeit.de. → Zum Artikel (Z+) Multigreifer. Fräse. Backenbrecherlöffel. Schrottschere. Rammbär. Muldenkipper. Rüttelplatte. Betonpumpe. Wie schön das alles klingt, wenn man es ausspricht, findet ZEIT-Redakteurin Judith Liere und schreibt über ihr lieb gewonnenes Hobby: Baustellenstarren. In Hamburg hat sie gerade die allerbesten Gelegenheiten dazu. →  Zum Artikel (Z+) In der Zentralbibliothek am Hühnerposten ist bis zum 7. September noch die Fotoausstellung Von Büchern und Menschen – Baudenkmal Bücherstube Stolterfoht zu sehen. Die von Werner Kallmorgen entworfene Bücherstube am Rothenbaum wurde 2025 grundsaniert (Z+). Die Fotos von Ulrich Hermannes entstanden vor, während und nach der Restaurierung. Eine Führung am 18.8. mit der Autorin Cornelie Sonntag-Wolgast und dem Fotografen Ulrich Hermannes und ihrem Buch Kleinod am Rothenbaum erinnert an den kürzlich verstorbenen langjährigen Besitzer der Buchhandlung Frank Bartling. "Von Büchern und Menschen – Baudenkmal Bücherstube Stolterfoht", bis 7.9.; Mo–Fr 9–19 Uhr, Sa 10–19 Uhr, So 13–18 Uhr; "Kleinod am Rothenbaum", 18.8., 17 Uhr, Zentralbibliothek Hühnerposten, Ausstellungsfläche Ebene 1 Im Bahnhof beim Bäcker. Ich hebe zwei Mehrwegbecher mit einem markanten Logo einer Fast-Food-Kette in die Höhe und bitte darum, den Cappuccino dort einzufüllen. Die Mitarbeiterin lächelt und meint: "Weiß ich doch." Ich bin nur einmal im Monat in Hamburg und freue mich: "Sie erinnern sich an mich?" Antwort: "Nicht an Sie, an die Becher." Erlebt von Johannes Thönneßen Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie möchten, dass er täglich um 6 Uhr in Ihrem Postfach landet, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren.