Datum07.08.2026 00:52
Quellewww.zeit.de
TLDRDie USA verhängen einen 15-prozentigen Zoll und Mindestpreise auf Polysilizium-Importe zum Schutz ihrer Industrie. Dieser Rohstoff ist für Solarzellen und Chips unerlässlich. Die Maßnahmen, die heimische Produktion fördern sollen, treten in 120 Tagen in Kraft. China kritisiert die Zölle als Protektionismus, der den Handel stört. Dies folgt auf frühere US-Maßnahmen gegen chinesische Unternehmen und Berichte über Zwangsarbeit in Xinjiang.
InhaltZum Schutz der eigenen Industrie belegen die USA Polysilizium-Importe mit einem Zoll von 15 Prozent. Chinas Regierung kritisiert die Maßnahme. Zum Schutz der eigenen Industrie vor Dumpingpreisen aus dem Ausland hat die US-Regierung neue Bestimmungen für Importe des für Solarzellen und Halbleiter benötigten Grundstoffs Polysilizium beschlossen. US-Präsident Donald Trump unterzeichnete am Donnerstag ein Dekret, das einen pauschalen Zoll in Höhe von 15 Prozent vorsieht. Zudem gelten künftig Mindestimportpreise. Diese liegen einem Dokument der US-Regierung zufolge bei 21 Dollar pro Kilogramm für Polysilizium, 100 Dollar pro Kilogramm für Blöcke und Wafer, 0,22 Dollar pro Watt für Solarzellen sowie 0,38 Dollar pro Watt für Solarmodule. Zusätzlich sollen für Unternehmen Anreize geschaffen werden, damit diese ihre Produktion in die Vereinigten Staaten verlagern. Die Maßnahmen treten 120 Tage nach Unterzeichnung in Kraft. Die neuen Maßnahmen seien "unerlässlich", da die Einfuhren die nationale Sicherheit gefährdeten, hieß es. Die US-Regierung stützt sich auf Abschnitt 232 des Trade Expansion Acts aus dem Jahr 1962. Auf dieser Basis hatte Trump bereits etwa Zölle auf Stahl, Aluminium und Autos erhoben. Polysilizium wird unter anderem für die Solarbranche und zur Herstellung von Computerchips benötigt. Der hochreine Grundstoff wird unter anderem vom deutschen Unternehmen Wacker Chemie hergestellt. Der Chemiekonzern mit Hauptsitz in München produziert das Material in Charleston im US-Bundesstaat Tennessee. In den USA dürften die Maßnahmen vor allem das Unternehmen Hemlock Semiconductor schützen, ein Gemeinschaftsunternehmen des US-amerikanischen Konzerns Corning und des japanischen Shin-Etsu Handotai. Die Firmen kämpfen schon lange mit Billigkonkurrenz aus China. China hatte bereits am Mittwoch auf Berichte über geplante neue US-Maßnahmen reagiert. Außenamtssprecher Lin Jian warf der Regierung in Washington, D.C. vor, den Begriff der nationalen Sicherheit zu überdehnen und staatliche Macht gegen chinesische Unternehmen einzusetzen. Protektionismus mache die USA nicht wettbewerbsfähiger, sondern störe den normalen Handel und schade auch amerikanischen Unternehmen und Verbrauchern. China werde die Rechte und Interessen seiner Unternehmen weiter schützen. Bereits zuvor hatten die USA weitere Maßnahmen gegen China in die Wege geleitet. Ende Juli setzten sie wegen des Vorwurfs der Zwangsarbeit in der nordwestchinesischen Region Xinjiang 43 weitere chinesische Unternehmen auf eine Sperrliste. Ihre Waren dürfen nicht eingeführt werden. Das Pekinger Handelsministerium untersagte daraufhin Organisationen und Einzelpersonen in China die Zusammenarbeit mit sechs US-Unternehmen und Organisationen. Unter den Betroffenen sind Firmen, die Lieferketten auf Verbindungen nach Xinjiang prüfen, sowie Menschenrechtsorganisationen. Die Regierung in Peking wirft ihnen vor, die US-Sanktionen unterstützt zu haben. In Xinjiang leben viele Angehörige der muslimischen Minderheit der Uiguren. Westliche Regierungen und Menschenrechtsorganisationen werfen China dort Zwangsarbeit vor. Peking weist dies zurück. In einer separaten Mitteilung kündigte das Handelsministerium zudem strengere Kontrollen für die Ausfuhr bestimmter Drohnen und Bauteile in die USA an. Genehmigungen sollen einzeln und besonders streng geprüft werden. Bisherige Erleichterungen entfallen.