Datum06.08.2026 18:13
Quellewww.spiegel.de
TLDRDas Nabu-Ranking zeigt, dass Havila und Hurtigruten trotz Verbesserungen bei Energieeffizienz und Landstromnutzung bei Kreuzfahrtschiffen führend sind. Jedes zweite große Schiff nutzt noch Schweröl, was der Nabu kritisiert. Er fordert verstärkt den Einsatz alternativer Treibstoffe wie E-Fuels und Wasserstoff. Zwar investiert die Branche in Dekarbonisierung, doch es fehlt an technischem und politischem Willen. Deutschland ist nach den USA der zweitwichtigste Kreuzfahrtmarkt weltweit.
InhaltMillionen Deutsche machen Jahr für Jahr Urlaub auf einem Kreuzfahrtschiff. Doch wie umweltfreundlich ist ihre gewählte Reederei? Der Nabu legt seine Ergebnisse vor. Wer eine möglichst saubere Kreuzfahrt buchen will, ist nach wie vor bei den norwegischen Reedereien Havila und Hurtigruten richtig. So urteilt der Naturschutzbund (Nabu) in seinem aktuellen Ranking von Kreuzfahrtunternehmen . Unter anderem der Verzicht auf Schweröl und die weitgehende Nutzung von Landstrom in ihren Anlegehäfen brachten die zwei Reedereien auf die vorderen Plätze – so wie in den Vorjahren. Beide bedienen die traditionelle Postschiffroute entlang der norwegischen Küste. Allerdings seien auch diese Reedereien weit von einer umweltfreundlichen Art des Reisens entfernt, sagte Nabu-Schifffahrtsexperte Sönke Diesener bei der Präsentation in Hamburg. Selbst diese beiden Bestplatzierten erhielten nicht einmal die Hälfte der möglichen Punkte. Die Ergebnisse des Rankings ergaben sich aus den freiwilligen Angaben von zwölf Reedereien. Dennoch: "Es passiert etwas", sagte Diesener. So verbessere sich die Energieeffizienz der Schiffe. Durch Neubauten und technische Nachrüstungen würden bei den meisten Reedereien die Klimaemissionen pro Passagierkilometer sinken. Auch würde der Ausbau und die Nutzung von Landstrom vorangehen. Mit dem Anschluss an das Netz im Hafen können Schiffe ihren Hotelbetrieb an Bord mit Strom aufrechterhalten, statt ihre Motoren laufen zu lassen, was Abgase oftmals in Innenstädten produziert. In Hamburg etwa soll ab kommendem Jahr eine Landstrompflicht für Kreuzfahrtschiffe eingeführt werden, EU-weit gilt dies für große Schiffe ab 2030. Quelle: Nabu-Kreuzfahrtranking 2026 Gemeinsam auf Platz drei gelangten die französische Ponant und die Reedereien TUI Cruises aus Hamburg und Aida Cruises aus Rostock. Die deutschen Unternehmen nutzen nach wie vor auch Schweröl, das sie mithilfe von sogenannten Scrubbern säubern. Ebenso die Reedereien Carnival, Royal Caribbean und Norwegian Cruise Line, die am Ende des Rankings landeten. Die Nutzung von fossilen Brennstoffen – darunter Schweröl und das Flüssigerdgas LNG – sieht der Nabu als Grundproblem der Kreuzfahrt an. Jedes große zweite Schiff tanke Schweröl, sagt Diesener, da sei selbst die Containerschifffahrt schon weiter. "Der Ausstieg wäre längst möglich", sagt die Nabu-Referentin für Schifffahrt, Raija Koch, "es fehlt nicht an technischen Lösungen, sondern am Willen zur Umsetzung." Als Treibstoffe der Zukunft sehen die Nabu-Experten und -Expertinnen eFuels wie E-Methanol und grünen Wasserstoff an sowie den Antrieb per Batterie. So wurde etwa im April das erste Konzept für ein vollelektrisches großes Kreuzfahrtschiff bei der Papenburger Meyer Werft vorgestellt – die "Vision" soll auf 275 Meter Länge Platz für rund 1860 Passagierinnen und Passagiere haben. Auch so manche Reedereie hätte Konzepte zu klimaneutralen Schiffen in Planung: Bekannt sind zum Beispiel bisher die Projekte "SeaZero" von Hurtigruten und "Swap2Zero" von Ponant, die beide auf Batterie- und Windantrieb setzen. "Wir hatten gehofft, dass inzwischen öfter Brennstoffzellen eingesetzt würden", sagte Diesener, noch mangele es aber an konkreten Investitionsentscheidungen. Der deutsche Verband der Kreuzfahrtreedereien, Clia, stellt wie die Umweltschützer einen Fortschritt seiner Mitgliedsunternehmen beim Ausbau der Landstromanschlüsse an Bord fest. Zudem hätten bereits rund 15 Prozent der neuen Schiffe zusätzliche Batteriespeicher an Bord, gibt der Verband in einer Stellungnahme an. In der Branche seien europaweit 70 Milliarden Euro an Investitionen geplant, hauptsächlich die Dekarbonisierung. Damit allerdings erfüllt die Industrie Vorgaben des europäischen Emissionshandels und kann teure Abgaben vermeiden oder verringern. Clia fordert den weiteren Ausbau an Liegeplätzen mit Landstrom und beklagt den Mangel an erneuerbaren Kraftstoffen. "Was jetzt zählt, ist eine verlässliche, ambitionierte Regulierung, die Produzenten anreizt, in den Ausbau zu investieren", so der Verband. Damit liegt er wohl auf einer Linie mit den Umweltschützern, die befürchten, dass die Entwicklung umweltfreundlicherer Techniken, auch auf EU-Ebene, ausgebremst wird. "Die Kreuzfahrt hat auch eine Vorreiterrolle für die Gesellschaft", sagt Diesener, "und sollte zeigen, dass Klimaschutz machbar ist, auch wenn es politisch nicht gerade opportun ist." Der Urlaub auf einem Kreuzfahrtschiff wird – abgesehen von der Coronazeit – von Jahr zu Jahr beliebter: Im vergangenen Jahr gingen bereits 2,8 Millionen Deutsche und damit zehn Prozent mehr als im Vorjahr an Bord eines Hochseekreuzers. Inzwischen gilt Deutschland nach den USA als der zweitwichtigste Kreuzfahrtmarkt weltweit.