Datum06.08.2026 14:28
Quellewww.zeit.de
TLDRIn Rheinland-Pfalz tritt zum neuen Schuljahr ein Handyverbot für Schüler bis Klasse 10 in Kraft, um den Fokus auf "Leistungsfreude" statt "Leistungsdruck" zu legen und soziale Interaktion zu fördern. Bildungsministerin Eiling-Hütig betont die positive Seite von Leistung und die Notwendigkeit, "nicht immer in Watte zu packen". Zusätzlich gibt es zusätzliche Lehrerstellen und den Ausbau von Ganztagsangeboten.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Schulstart“. Lesen Sie jetzt „Handy in der Schule aus - Lust auf Leistung im Unterricht an“. In den rheinland-pfälzischen Schulen soll der Leistungsgedanke mehr in den Mittelpunkt rücken. "Leistungsfreude, nicht Leistungsdruck – dieses Leistungsbild ist es, das ich für unsere Schülerinnen und Schüler möchte", sagte Bildungsministerin Ute Eiling-Hütig (CDU) zum Start ins neue Schuljahr in Mainz. "Ich kann junge Menschen nicht immer in Watte packen." Leistung an sich sei positiv und nichts Negatives. Auf die Kinder und Jugendlichen kommen in der Schule strengere Regeln für den Umgang mit Handys zu: Ab Februar nächsten Jahres soll es ein Verbot der privaten Nutzung digitaler Endgeräte während der gesamten Zeit in der Schule geben. Das schließe auch die Pausen und die Ganztagsangebote mit ein. Mitgeführte Geräte müssen dann ausgeschaltet und nicht sichtbar verwahrt sein. Ob das in Schränken, Boxen oder Handygaragen erfolgt, will die Ministerin den Schulen überlassen. Die neuen Regeln gelten für Schülerinnen und Schüler bis einschließlich Klasse 10. Notwendige Ausnahmen etwa für medizinische Belange sollen natürlich berücksichtigt werden. "Wir nehmen damit sozialen Druck von jungen Menschen, immer erreichbar, immer online zu sein", begründete Eiling-Hütig die geplante Maßnahmen zum zweiten Schulhalbjahr. "Und wir schaffen Raum für das, was im späteren Leben zählt: das persönliche Gespräch, die unmittelbare Interaktion." Es gehe um soziale Kompetenz und nicht die Fingerfertigkeit in WhatsApp-Gruppen oder auf Social-Media-Kanälen. Zum neuen Schuljahr werden 40.150 Erstklässlerinnen und Erstklässler in die rheinland-pfälzischen Grundschulen kommen und damit etwas weniger als im vergangenen Schuljahr. Insgesamt lernen dann 552.400 Schülerinnen und Schüler (plus rund 2.900) an den insgesamt 1.661 Schulen im Land. Bei den Lehrkräften gibt es 225 zusätzliche Stellen und rund 940 Neueinstellungen. Damit unterrichten nach Angaben des Bildungsministeriums etwa 45.500 Lehrkräfte an den rheinland-pfälzischen Schulen. Die Bildungsministerin sagte zu, alle Planstellen im Schuljahr mit ausgebildeten Lehrkräften besetzen. Derzeit seien 101 Stellen an den allgemeinbildenden Schulen zum Schuljahresbeginn noch offen. Das liege teils an den Regionen oder an der Fächerkombination. Mitunter würden auch Stellen kurzfristig frei. Zusätzlich würden deshalb 90 Stellen explizit für das zweite Halbjahr vorgehalten für die zu erwartenden Absolventinnen und Absolventen der Studienseminare, in denen es besonderen Bedarf gebe. Im Grundschulbereich übersteigt die Zahl der Absolventinnen und Absolventen sogar die der verfügbaren Planstellen, so dass der Feuerwehrlehrer-Vertretungspool schrittweise wieder mit voll ausgebildeten Lehrkräften gefüllt werden könne, sagte Eiling-Hütig. Mit dem Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung ab dem Schuljahr 2026/2027 erhielten immer mehr Kinder umfassende Förderung und Eltern eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, erklärte die CDU-Politikerin. 13 neue Schulen agierten nun als Ganztagsschulen in Angebotsform. Damit verfügen 86 Prozent der allgemeinbildenden Schulen und über 90 Prozent der Grundschulen über Ganztagsangebote. Die Regelung wird schrittweise eingeführt und greift nun bei Kindern ab der 1. Klasse. "Jedes Kind, das ein Ganztagsangebot nutzen möchte, kann das in Rheinland-Pfalz tun", versicherte die Bildungsministerin. Bei den Angeboten gehe es um Förderung und nicht um Betreuung. Zum neuen Schuljahr kommen beim Schulschwimmen Kaiserslautern und Neustadt als neue Schulschwimmzentren hinzu. 62 weitere Schulklassen der dritten Jahrgangsstufe könnten damit schwimmen lernen. Zudem werde das Netzwerk der Partnerschulen des Sports ausgebaut und eine Vereinbarung mit dem Landessportbund geschlossen, um Leistungssport besser mit Schule zu vereinbaren, erklärte die CDU-Politikerin. Gehen soll es dabei um flexible Freistellungen, Nachholmöglichkeiten und alternativen Leistungsnachweise. Schulen, Lehrkräfte und Lernende erhalten zusätzliche Unterstützung beim Gründen von Schülerunternehmen. Mit mehr Fokus auf ökonomischer Bildung soll den Kindern und Jugendlichen im Unterricht etwa vermittelt werden, wie ein Konto eröffnet und mit Geld umgegangen werden sollte. Ein eigenes Unterrichtsfach sei dafür aber nicht vorgesehen, sagte die Bildungsministerin. Die Inhalte könnten etwa in Mathe oder Sachkunde vermittelt werden. 30 weitere Schulen führen in Rheinland-Pfalz als Pilotschulen das Pflichtfach Informatik ein. Damit wächst die Zahl auf insgesamt 58 Schulen. Mehr als 280 Lehrkräfte werden über einen eigenen Weiterbildungslehrgang und eine Qualifizierungsmaßnahme an der Universität Trier zu Informatiklehrkräften weitergebildet. Deutschlehrkräften der Klassen 5 und 6 steht laut Ministerium zudem ein in Rheinland-Pfalz entwickelter KI-Assistent zur Verfügung. Er soll bei der Erstellung von Lernaufgaben, der Unterrichtsplanung, Kompetenzrastern und der Differenzierung für unterschiedliche Lernstände unterstützen. An weiterführenden Schulen werde zudem eine einheitliche Schulmanagement-Software eingeführt, die etwa die Stunden- und Vertretungsplanung, das digitale Klassenbuch sowie Schulkalender in einer integrierten Lösung bündelt. © dpa-infocom, dpa:260806-930-493005/1