Datum06.08.2026 14:18
Quellewww.zeit.de
TLDRDie Richard-Wagner-Stätten in Graupa erhielten einen Brief von Wagners Mutter Johanna Rosine, die darin um Geld für ihren Sohn bittet, dessen Opernaufführung in Magdeburg finanziell scheiterte. Dieses Originaldokument aus dem Jahr 1836, das Wagners Geldnot beleuchtet, ist bis August 2026 zu besichtigen. Die Sammlung wurde zudem durch eine große Wagner-Kollektion erweitert.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Museen“. Lesen Sie jetzt „Richard Wagner in Geldnot: Sammlung erhält Beweisstück“. Die Richard-Wagner-Stätten in Graupa bei Dresden sind um ein pikantes Originaldokument aus der Familie des Komponisten reicher. 190 Jahre nach seiner Niederschrift kam ein Brief von Wagners Mutter Johanna Rosine Wagner in den Bestand der Sammlung. Er stammt vom 25. April 1836 und ist an Wagners Freund Theodor Apel gerichtet. Zur Übergabe wurde auch Wagners Urenkelin Dagny Beidler erwartet, sie sagte aber krankheitsbedingt ab. Der Brief kann bis Ende August 2026 im Lohengrinhaus besichtigt werden. Die zweifache Witwe Johanna Rosine Wagner, die inzwischen den Nachnamen ihres zweiten Mannes Ludwig Geyer trug, war wegen der Geldnot ihres Sohnes offenbar verzweifelt. Seine Unternehmung in Magdeburg – die Aufführung seiner Oper "Das Liebesverbot" – brachte nicht die erhofften Einnahmen. Nach der Auflösung der Magdeburger Theatergruppe hatte Wagner keine Anstellung. Deshalb ersuchte seine Mutter Freund Theodor um einen Geldbetrag, um ihren Sohn zu unterstützen. Den Leihwert in Höhe von 50 Thalern wollte sie in zwei Raten zurückzahlen. Wie Apel auf das Ersuchen reagierte, ist nicht bekannt. Richard Wagners zweite Oper "Das Liebesverbot oder Die Novize von Palermo" wurde am 29. März 1836 im Stadttheater Magdeburg uraufgeführt. Die Aufführung unter der Leitung des Komponisten geriet zum Fiasko. "Dass uns dieser Brief nunmehr im Original übergeben wird, ist ein großes Glück", betonte Katja Pinzer-Hennig, leitende Kustodin der Wagner-Stätten Graupa. Bereits im vergangenen Jahr hatte das Museum zahlreiche Gegenstände und Dokumente aus dem Leben des Komponisten erhalten. Denn die Wagner-Sammlung von Armin Trösch – Ehrenpräsident der Schweizerischen Wagner-Gesellschaft – kam nach Graupa. Sie umfasst mehr als 500 Artefakte und Bücher, darunter handschriftliche Briefe Wagners, den Erstdruck des Klavierauszugs der Oper "Rienzi" sowie zahlreiche Erstausgaben. Auch ein Reisekoffer, den Wagner vermutlich nach der gescheiterten Revolution 1849 auf der Flucht von Dresden in das Exil nach Zürich mitnahm, gehört dazu. Die Richard-Wagner-Stätten Graupa gelten als weltweit älteste museal genutzte Wohnstätte des Komponisten. Im Schäferschen Gut, dem heutigen Lohengrinhaus, verbrachte er 1846 seinen Sommerurlaub und schuf die musikalischen Skizzen zu seiner Oper "Lohengrin". Museumsgäste erhalten hier einen Einblick in die Lebensweise der Menschen vor fast 180 Jahren. Im benachbarten Jagdschloss Graupa gibt es seit 2013 eine Dauerausstellung zu Wagner. © dpa-infocom, dpa:260806-930-492902/1