Datum06.08.2026 12:15
Quellewww.zeit.de
TLDRDie Elbe in Magdeburg verzeichnet mit 44 Zentimetern den niedrigsten Wasserstand seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1727. Dies ist Teil einer lang anhaltenden Niedrigwasserperiode seit 2015. Die Schifffahrt ist stark eingeschränkt, wobei selbst die Fahrgastschifffahrt umgeleitet werden musste. Häfen wie Riesa und Dresden sind ebenfalls betroffen. Sichtbar gewordene "Hungersteine" erinnern an frühere Dürreperioden und drohende Hungersnöte.
InhaltDer Pegel der Elbe in Magdeburg ist auf ein Allzeittief gesunken. Seit Start der Messungen 1727 führte sie noch nie so wenig Wasser. Der Pegel könnte weiter fallen. Die Elbe in Magdeburg hat mit 44 Zentimetern ihren niedrigsten Wasserstand seit Beginn der Messungen im Jahr 1727 erreicht. Laut Elwis-Vorhersagesystem der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes wurde dieser Stand am Pegel Strombrücke in Magdeburg aufgezeichnet. Der bisher niedrigste gemessene Wasserstand der Elbe in Magdeburg stammt vom 31. Juli 2019 mit exakt 45 Zentimetern. Bereits in den kommenden Tagen könnte der Wert noch weiter sinken: Für Sonntagnachmittag werden 43 Zentimeter erwartet, für den Wochenbeginn errechnete die Vorhersage nur noch 40. "Wir befinden uns in einer lang anhaltenden Niedrigwasserperiode", sagte Pavel Knotek von der Internationalen Kommission zum Schutz der Elbe (IKSE) in Magdeburg. So habe die Elbe seit dem Jahr 2015 fast in jedem Sommer für mehrere Wochen extremes Niedrigwasser. Die niedrigen Wasserstände haben dazu geführt, dass seit April kaum noch Frachtschiffe auf der Elbe zwischen Magdeburg, Dresden und der tschechischen Grenze verkehren. Selbst die Fahrgastschifffahrt in Magdeburg habe seit dem 14. Juni vom innerstädtischen Anleger Petriförder zum Schiffshebewerk im Norden der Stadt verlegt werden müssen, sagte der Geschäftsführer der Weißen Flotte Magdeburg, Hardy Puls. Durch eine lokale Niedrigwasserschleuse können Binnenschiffe über den Mittellandkanal und das Schiffshebewerk den Magdeburger Hafen aber weiter unabhängig vom Wasserstand der Elbe ansteuern und dort beladen werden, um dann über den Mittellandkanal wieder weiterzufahren. Die Häfen in Riesa und Dresden sind jedoch von der Trockenheit betroffen. In Dresden wird der Wasserstand zusätzlich dadurch belastet, dass noch immer etwa die Hälfte des städtischen Trinkwasserbedarfs aus dem Uferfiltrat der Elbe oder aus dem Grundwasser, das zur Elbe zufließt, gewonnen wird. Im Flusslauf der Elbe sind unterdessen zwischen dem tschechischen Děčín und Magdeburg etwa hundert sogenannte Hungersteine und Niedrigwassermarken sichtbar geworden. So werden markante Felsen bezeichnet, auf denen Jahreszahlen oder sogar kurze Inschriften eingemeißelt wurden. Anhand dieser Markierungen kann man heute erkennen, wie niedrig der Wasserstand etwa in den Jahren 1516, 1707, 1842 oder 1904 gewesen ist. Der Begriff Hungersteine entstand, weil diese Marken auftauchten, wenn der Wasserpegel sank. Ein niedriger Wasserstand durch eine lang anhaltende Trockenheit bedeutete auch, dass die Ernte gefährdet war und damit eine Hungersnot drohte.