Datum06.08.2026 11:12
Quellewww.spiegel.de
TLDRDas RKI schätzt, dass Ende Juni 2023 rund 9600 Menschen durch die Hitzewelle starben. Dies übertrifft die Hitzetoten der Vorjahre seit 2016 und erhöht die Gesamtzahl der hitzebedingten Todesfälle in diesem Jahr auf geschätzte 11.900. Die extremen Temperaturen, die vielerorts 40 Grad erreichten, sind die Ursache. Ältere Menschen sind besonders gefährdet. Die Daten werden mit Verzögerung gemeldet.
InhaltImmer deutlicher zeigen sich die Folgen der Hitzewelle: Für eine einzelne Juniwoche meldet das Robert Koch-Institut nun 9600 Sterbefälle. Das sind mehr Hitzetote als in jedem Gesamtjahr seit 2016. Die extrem heißen Wochen Ende Juni haben nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts (RKI) zu deutlich mehr hitzebedingten Todesfällen geführt als bislang angenommen. Etwa 9600 Sterbefälle gehen auf die Woche vom 22. bis 28. Juni zurück, heißt es im aktuellen RKI-Wochenbericht zur hitzebedingten Sterblichkeit. Damit geht der Großteil der diesjährigen Hitzetoten auf die extrem heißen Tage zurück, an denen vielerorts in Deutschland die Temperaturen um die 40 Grad lagen. Insgesamt erhöht sich die Zahl der hitzebedingten Sterbefälle in diesem Jahr laut RKI auf schätzungsweise 11.900. Damit sind in diesem Jahr bereits deutlich mehr Menschen wegen der Hitze gestorben als in jedem einzelnen Gesamtjahr seit 2016. Die meisten Hitzetoten gab es bisher im Jahr 2018 mit rund 9000. Die Auswirkungen dieser besonders heißen Woche sowie der Folgewoche zeigten sich erst jetzt, schreibt das RKI. Das liege auch daran, dass "Temperaturen in dieser Höhe bisher in Deutschland kaum oder gar nicht vorkamen". Zudem würden Zahlen der einzelnen Bundesländer vom Statistischen Bundesamt erst mit einer Verzögerung von fünf Wochen gemeldet. Erst jetzt enthalten die Zahlen demnach in vollem Umfang die geschätzte Zahl der hitzebedingten Sterbefälle. Zuvor hatte das RKI für die besonders heiße Periode mehr als 5000 hitzebedingte Todesfälle geschätzt. Der aktuelle Bericht betrachtet insgesamt die Hitzetoten aus dem Zeitraum vom 6. April bis 26. Juli. Jede Woche werde auf einer neueren Datenbasis neu kalkuliert, sagte eine Sprecherin. Die Daten des RKI sind Schätzungen auf Basis der Sterbefallzahlen des Statistischen Bundesamtes. Auch Daten von 52 Wetterstationen des Deutschen Wetterdienstes fließen in die Berechnung ein. Hitze ist vor allem für ältere Menschen gefährlich. Mit gut 6000 wurden die meisten Todesfälle in der Altersgruppe von 85 Jahren oder älter verzeichnet. Knapp 3000 der Gestorbenen waren zwischen 75 und 84 Jahren alt, knapp 1800 zwischen 65 und 74 Jahren. Bei den Unter-65-Jährigen waren es gut 1100 Todesfälle. Typischerweise werde ab einer Wochenmitteltemperatur von 20 Grad, also dem Durchschnitt der Tages- und Nachttemperaturen einer Woche, ein hitzebedingter Anstieg der Sterblichkeit sichtbar. Vom 22. bis 28. Juni lag die bundesweite Wochenmitteltemperatur dem RKI zufolge bei 26,4 Grad und damit weit oberhalb dieser Schwelle. In allen Bundesländern wurde in dieser Woche eine mittlere Temperatur über 20 Grad gemessen. Der Juni 2026 war dem Deutschen Wetterdienst (DWD) zufolge mit durchschnittlich 19,5 Grad der zweitwärmste seit Messbeginn. Nur 2019 war es demnach im Schnitt noch wärmer. Doch die Hitzewelle Ende Juni 2026 zeigte mehrere Extreme. Die Nacht vom 27. auf den 28. Juni war dem DWD zufolge nach derzeitigen Daten die wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen. Mehrfach wies der DWD Temperaturen von über 41 Grad aus. Zudem wurde am 27. Juni nach DWD-Angaben deutschlandweit an 46 Stationen die 40-Grad-Marke geknackt. Hitze führt selten unmittelbar zum Tod. In den meisten Fällen ist es eine Kombination aus hohen Temperaturen und bereits bestehenden Vorerkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Lungen- oder Nierenerkrankungen, die zum Tod führen. Daher wird Hitze auf dem Totenschein nicht als die Todesursache angegeben und taucht auch nicht in der Todesursachenstatistik auf. Das Ausmaß hitzebedingter Sterbefälle wird statistisch durch den Vergleich der Zahl von Sterbefällen in Sommerwochen mit und ohne Hitze berechnet. Die Übersterblichkeit schätzt das RKI derzeit auf 14.600. Übersterblichkeit bedeutet, dass in einem bestimmten Zeitraum mehr Menschen sterben, als normalerweise zu erwarten wäre. Hitzeperioden führen in Deutschland regelmäßig zu einem Anstieg der Sterblichkeit. Das RKI veröffentlicht zwischen Juni und September wöchentlich einen Bericht über die aktuelle Lage. Parallel veröffentlicht auch das Statistische Bundesamt Daten zur hitzebedingten Sterblichkeit.