Elbvertiefung: Der tägliche Newsletter aus Hamburg: Der Himmel über Hamburg – bisweilen ein Spektakel

Datum06.08.2026 06:00

Quellewww.zeit.de

TLDRHamburg erhält über 53 Millionen Euro für Kitas. FC St. Pauli Kapitän Irvine wechselt nach Japan. Elterliche Sorgerechtsentzüge stiegen um 15%. Eine Radfahrerin wurde verletzt. Die Zahl der E-Ladepunkte steigt. Ein Haus in Altona wurde wegen Einsturzgefahr evakuiert. Sieben Rechtsextremisten wurden zu Haftstrafen verurteilt. Ein kulinarisches Literaturfest findet im August statt.

InhaltDie Elbvertiefung am Donnerstag – mit dem einsturzgefährdeten Haus in Altona und Haftstrafen für die Mitglieder einer rechtsextremen Terrorgruppe am besten gehen Sie direkt in ein Geschäft oder auf eines der einschlägigen Internetportale, damit Sie am Mittwoch gut ausgestattet sind. Denn das sollten Sie sein, an dem Tag erwartet Sie und mich nämlich das spektakulärste Event des Jahres. Ach was, des Jahrzehnts! Es ist, als würden Taylor Swift und Udo Lindenberg hintereinander im Stadtpark spielen, und zwar kostenlos. Folgendes ist los: Am 12. August um 19.14 Uhr wird sich – von Hamburg aus gesehen – der Mond zwischen die Erde und die Sonne schieben, er wird diese zunehmend verdecken, um sie dann, um 20.08 Uhr, als schmale Sichel erscheinen zu lassen. Nur noch 14,6 Prozent der Sonnenscheibe werden dann für uns zu sehen sein, was bedeutet: Einige Minuten lang wird es in Hamburg plötzlich merklich dämmrig. Danach wandert der Mond weiter, um 20.54 Uhr wird die Sonne untergegangen sein – und die partielle Sonnenfinsternis ist für uns zu Ende. Dann aber folgt gleich der nächste Blockbuster am Himmel, denn just in der Nacht vom 12. auf 13. August ist die Erde der Staubspur des Kometen Swift-Tuttle am nächsten. Viele kosmische Teilchen werden also auf die Erdatmosphäre krachen und funkelnderweise verglühen. Der Sternschnuppenregen beglückt uns zwar jedes Jahr um diese Zeit, doch dieses Mal ist Neumond – im dunklen Himmel sind die Perseiden besonders gut sichtbar. Ich würde Ihnen also eine solide Picknickdecke empfehlen. Und einen Ort, von dem aus Sie freie Sicht in Richtung Westen haben (die Sonnenfinsternis findet sehr tief am Himmel statt). Der Elbstrand eignet sich sicherlich, auch der Altonaer Balkon oder der Stadtpark. Dort veranstaltet auch das Planetarium an dem Abend eine Lange Nacht der Astronomie mit Vorträgen, einer Live-Übertragung der in Spanien zeitgleich stattfindenden totalen Sonnenfinsternis – und einer Cosmic Opera. Und jetzt zurück zu meinem Kaufauftrag: Wenn Sie die Sonnenfinsternis beobachten wollen, brauchen Sie dafür unbedingt spezielle Brillen. Nur sie schützen Ihre Augen ausreichend davor, vom Blick zur Sonne Schäden zu erleiden. Solche SoFi-Brillen kosten aber nur wenige Euro, und Sie können sie aufbewahren für die nächste ähnlich spektakuläre Sonnenfinsternis in Hamburg (mit 81 Prozent Bedeckung). Die wäre dann am 3. September 2081. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag! Ihre Maria Rossbauer Der Bund zahlt Hamburg rund 53 Millionen Euro für Investitionen in die Kindertagesbetreuung. Das Geld stamme aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität, teilte die Schulbehörde mit. Aktuell gibt es in der Stadt etwa 1.200 Kitas, in denen rund 78.000 Kinder betreut werden. Der Kapitän des FC St. Pauli, Jackson Irvine, wird den Verein verlassen. Der 33-jährige australische Nationalspieler und zentrale Mittelfeldspieler stand bei den Hamburgern seit 2021 unter Vertrag. Künftig wird er für den japanischen Erstligisten Cerezo Osaka spielen. Hamburger Familiengerichte haben im vergangenen Jahr Eltern in mehr als 546 Fällen das Sorgerecht teilweise oder vollständig entzogen. Dies ist laut Statistikamt Nord ein Anstieg um 15 Prozent im Vergleich zu 2024. 36 Prozent der Kinder waren jünger als sechs Jahre, 44 Prozent zwischen sechs und 14 Jahren alt. Bei einem Verkehrsunfall in der Altstadt ist eine Radfahrerin verletzt worden. Sie kam laut Polizei mit einem Rettungswagen in ein Krankenhaus. Ermittelt wird nun, ob sie infolge eines Auffahrunfalls zweier Autos verletzt worden ist. Im ersten Halbjahr 2026 sind in Hamburg 858 Ladepunkte für Elektrofahrzeuge hinzugekommen. Im Juli 2026 gab es in der Stadt insgesamt 5.786 öffentliche Ladepunkte. Laut Wirtschaftsbehörde sollen bis 2030 rund 10.000 Ladepunkte öffentlich verfügbar sein. Ein einsturzgefährdetes Haus in Altona wird evakuiert, die Bewohner fürchten um ihr Hab und Gut. Und der Eigentümer? Wirbt beruflich für Immobilien von "höchster Qualität". Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Artikel von ZEIT-Autor Tom Kroll. Am 18. Juni 2026 setzt Richard von der Schulenburg eine E-Mail an seinen Vermieter auf. "Mängel", schreibt der 52-jährige Musiker in die Betreffzeile. In seiner Wohnung in der Hamburger Holstenstraße hätten sich Risse gebildet. Er fragt, ob sich ein Handwerker das einmal ansehen könne. Der E-Mail hängt das Ex-Mitglied der Band Die Sterne auch Fotos an. Sie zeigen Risse von etwa 50 Zentimetern Länge im Mauerwerk. Schulenburg berichtet, auch anderen Mieterinnen und Mietern im Haus sei zunehmend "mulmig" geworden. Die Risse, sie "wuchsen". Der Vater einer Anwohnerin schreibt Ende Juni an das Bezirksamt, er mache sich Sorgen um seine Tochter, die im Haus lebe. Die Sorgen sind berechtigt: Etwa einen Monat nachdem Richard von der Schulenburg seine Mail abgeschickt hat, muss das Haus geräumt werden. Elf Mieterinnen und Mieter des Hauses und 21 des Nachbargebäudes werden übergangsweise in einem Hotel untergebracht. An einem Freitag Ende Juli ist die Tür des Hauses in der Holstenstraße 197 von der Polizei versiegelt und der Fußweg vor dem Gebäude abgesperrt. Die Feuerwehr spricht von "massiven statischen Verschiebungen". Ein großer Riss ist über einem Fenster auf der Rückseite des Hauses zu sehen. Die Katastrophe – der Einsturz des Hauses, während dort Menschen leben, blieb aus. Trotzdem wird die Frage zu klären sein, wie es so weit kommen konnte. Ob das Haus gerettet werden kann, lesen Sie weiter in der ungekürzten Fassung. → Zum Artikel (Z+) Im Prozess gegen sieben Mitglieder und einen Unterstützer der rechtsextremen Terrorgruppe "Letzte Verteidigungswelle" hat das Hanseatische Oberlandesgerichtgestern Haftstrafen zwischen eineinhalb und fünf Jahren verhängt. Die Gruppe soll unter anderem Anschläge auf Asylbewerberheime und linke Einrichtungen geplant und verübt haben. ZEIT-Redakteur Christoph Heinemann war bei der Urteilsverkündung dabei.→ Zum Artikel (Z+) Beim kulinarischen Literaturfest Sorbet am 24. und 25. August lesen Autoren aus ihren Texten, die auf unterschiedliche Weise mit Essen und Trinken verbunden sind. Passend dazu gibt es Cocktails, Kuchen – oder eben Pelmeni, wenn Dimitrij Kapitelman aus "Russische Spezialitäten" liest. Das Programm wurde von Nefeli Kavouras und Peter Reichenbach kuratiert.  Sorbet, 24. und 25. August, im Stadtteil Neustadt, diverse Orte. Tickets gibt es nur online. In einem Bekleidungsgeschäft in der Innenstadt, bei den Umkleidekabinen. Eine Frau zur anderen: "Ich bin genau zwischen zwei Größen. Ich muss mal wieder abnehmen, dann passt es wieder besser." Ihre Freundin: "… oder zunehmen." Gehört von Wiebke Nielsen Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie möchten, dass er täglich um 6 Uhr in Ihrem Postfach landet, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren.