Meinung: Die Lage am Morgen - Unsere Erde wird unbewohnbar

Datum06.08.2026 05:47

Quellewww.spiegel.de

TLDRDie Klimakrise ist real und verschärft sich, mit spürbaren Folgen auch in Europa. Gleichzeitig eskaliert der Luftkrieg im Ukraine-Konflikt, während die Situation gestrandeter Minderjähriger in Ceuta ungelöst bleibt. Die mangelnde politische Reaktion auf die Klimakatastrophe und die Ausnutzung der Migrationslage durch rechte Kräfte werden kritisiert.

InhaltDie Klimakatastrophe ist keine ferne Dystopie mehr. Der Ukrainekrieg wird zunehmend zu einem Luftkrieg. Ceuta weiß nicht, wohin mit den gestrandeten Minderjährigen. Das ist die Lage am Donnerstagmorgen. Heute geht es um den Wassermangel in Europa. Um den Ukrainekrieg, der zunehmend in der Luft ausgetragen wird. Und um das Schicksal der Migranten, die in Ceuta verblieben sind. Der amerikanische Journalist und Autor David Wallace-Wells hat 2017 einen Artikel im "New York"-Magazin veröffentlicht mit dem Titel "Die unbewohnbare Erde" , aus dem später auch ein Buch wurde. Er beschreibt darin, wie sich Teile der Welt durch den Klimawandel so verändern, dass Menschen dort auf absehbare Zeit nicht mehr leben können. Wallace-Wells wurde vielfach zitiert, jedoch auch für seine Analyse angefeindet, Kritiker warfen ihm Alarmismus vor. Tatsächlich aber hat sich Wallace-Wells’ Befund seit Erscheinen des Artikels nur immer weiter bestätigt. Es sind nicht mehr nur Landstriche in Asien oder Afrika, die zu Wüsten werden. Auch in Europa, auf dem Kontinent, der sich so schnell erhitzt wie kein anderer, stellen sich Menschen zunehmend Existenzfragen (mehr dazu hier ). Es reicht, auf die Meldungen der vergangenen Tage zu schauen, um das Ausmaß der Krise zu begreifen. Eine Auswahl: Die Klimakatastrophe ist keine ferne Dystopie mehr. Sie ist längst Alltag, das neue Normal, auch in Europa. Das Problem ist, dass weder Politik noch Gesellschaft der Herausforderung gerade auch nur ansatzweise gerecht werden (mehr dazu hier ). Statt alles daranzusetzen, die Krise zumindest einzudämmen, werden Maßnahmen zum Klimaschutz eher noch zurückgefahren. Die Klimakatastrophe lässt sich allerdings nur so lange verdrängen, bis sie sich – durch Dürren, Brände, Fluten – nicht mehr verdrängen lässt. 24 ballistische Raketen feuerte Russland in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch auf Kyjiw. Keine einzige davon konnten die Ukrainer abfangen. Mindestens 17 Menschen wurden bei dem Angriff getötet, rund zwei Dutzend verletzt. Im Vormonat schossen die Russen insgesamt 126 ballistische Raketen auf die Ukraine, so viele wie nie zuvor seit Kriegsbeginn. An der Front im Osten und im Süden der Ukraine ist der Krieg seit vielen Monaten ein Stellungskrieg, beide Armeen reiben sich auf, ohne entscheidende Geländegewinne zu erzielen (mehr dazu hier ). Parallel dazu führen die beiden Staaten einen zweiten Krieg. So hat es die "New York Times" gerade beschrieben. Es ist ein Luftkrieg, der insbesondere mit Drohnen und Raketen ausgetragen wird. Russlands Militär terrorisiert seit Beginn der Vollinvasion im Februar 2022 die Menschen in der Ukraine mit Luftangriffen. Es beschießt gleichermaßen Militäranlagen, Wohnhäuser oder Kraftwerke. Die Ukraine reagiert, indem sie ihrerseits Ziele zum Teil weit im russischen Hinterland aus der Luft ins Visier nimmt (mehr dazu hier). Das Regime in Moskau will die Ukrainerinnen und Ukrainer offenkundig zermürben. Die Führung in Kyjiw hofft, Machthaber Wladimir Putin zu Friedensverhandlungen zwingen zu können, indem sie den Krieg nach Russland trägt. Im Moment sieht es so aus, als würde keine der beiden Strategien aufgehen – sondern nur die Zerstörung zunehmen. Wenn die Europäer in einem gut sind, dann darin, nach Krisen schnell zum Alltagsgeschäft überzugehen. Am Wochenende hatten sich Politikerinnen und Politiker noch mit Attacken gegen Spanien überboten, weil wohl mehr als 70.000 Migrantinnen und Migranten aus Marokko in die spanische Exklave Ceuta gelangt waren. Am Dienstag waren die EU-Innenminister bei ihrem Gipfel bereits wieder um Geschlossenheit bemüht. Die europäische Migrationspolitik habe sich bewährt, sagte sinngemäß EU-Innenkommissar Magnus Brunner (mehr dazu hier). Das aber ist bestenfalls die halbe Wahrheit. Zwar sind inzwischen die meisten der Migranten aus Ceuta nach Marokko zurückgekehrt, was die Situation schlagartig entspannt hat. In der Krise wurde jedoch deutlich, wie schnell unter den Europäern Panik ausbricht, wenn auch nur der Eindruck herrscht, es könnten wieder in größerer Zahl Migrantinnen und Migranten kommen. Und wie reflexhaft rechte Kräfte das Thema instrumentalisieren (mehr dazu hier ). Unklar ist, wie es mit jenen Menschen weitergeht, die in Ceuta geblieben sind, insbesondere mit Kindern und Jugendlichen. Die Organisation Save the Children hatte bereits zu Wochenbeginn darauf hingewiesen, dass die Aufnahmeeinrichtungen für Minderjährige heillos überfüllt sind: Auf einen Platz kommen gerade etwa hundert Menschen. Nun hat auch der Präsident von Ceuta, Juan Jesús Viva, Alarm geschlagen. Er bezeichnete die Situation für die angekommenen Minderjährigen in der Exklave als "absolut unhaltbar". Es ist unwahrscheinlich, dass man sich im Rest Europas darum groß kümmert. Hier hat man längst wieder einen Haken hinter das Thema Ceuta gemacht. Noch mehr Rätsel wie Viererkette, Wordle und Paarsuche finden Sie bei SPIEGEL Games. …ist Stürmerstar Mohamed Salah. Der Ägypter hat wie kaum ein anderer die Erfolgsepoche beim FC Liverpool geprägt. Nun wechselt er aller Wahrscheinlichkeit nach zum türkischen Erstligisten Trabzonspor. An der sportlichen Perspektive kann das eher nicht liegen, die türkische Liga fällt deutlich hinter der englischen ab. An dieser Stelle muss ich mich kurz outen: Ich habe lange in Istanbul gelebt und bin Fan des Clubs Besiktas Istanbul, ein sympathischer Arbeiterverein im gleichnamigen Stadtteil. Die Fans von Trabzonspor sind hingegen wiederholt durch Gewalt aufgefallen. Mikrobiomtest, Parasitenkur und Darmspülung: Als Arzt beschäftigt sich Edzard Ernst seit Jahrzehnten mit dem Verdauungstrakt und damit, was ihn – angeblich – gesünder macht. Was Ernst von den aktuellen Trends hält. Und was wirklich hilft . Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag. Ihr Maximilian Popp, stellvertretender Ressortleiter Ausland