Datum06.08.2026 02:45
Quellewww.spiegel.de
TLDREin ukrainischer Geheimdienstvertreter meldet die Verlegung einer nordkoreanischen Raketeneinheit mit 120 Raketen und sechs Abschussrampen nach Westrussland. Die Einheit soll von rund 90 nordkoreanischen Soldaten in Woronesch stationiert werden und könnte für Angriffe auf die Ukraine genutzt werden. Dies würde die militärische Zusammenarbeit zwischen Russland und Nordkorea, das bereits Raketen und Artilleriegranaten liefert, weiter ausbauen. Die USA sind informiert. Nordkorea wird ein enger Verbündeter Russlands, was als Eskalationsschritt und Signal an den Westen interpretiert wird.
InhaltIm Angriffskrieg gegen die Ukraine setzt Moskau offenbar auf Eskalation. Kyjiws Geheimdienst meldet die Verlegung einer nordkoreanischen Raketeneinheit nach Westrussland – eine für die Ukraine bedrohliche Entwicklung. Eine nordkoreanische Raketeneinheit hat nach Angaben eines ukrainischen Geheimdienstvertreters mit der Verlegung nach Westrussland begonnen. Sie könnte für Angriffe auf die Ukraine mit 120 ballistischen Raketen und sechs Startrampen ausgerüstet werden, sagte Andrij Tschernjak vom Militärgeheimdienst der Ukraine am Mittwoch. Russland plane, die Einheit mit rund 90 nordkoreanischen Soldaten in der westrussischen Region Woronesch zu stationieren. Eine mit der Angelegenheit vertraute Person sagte der Nachrichtenagentur Reuters, die USA wüssten von der Verlegung. Die Entsendung der Einheit wäre eine Ausweitung der militärischen Zusammenarbeit zwischen Moskau und Pjöngjang. Russland hat bereits seit Ende 2023 Dutzende nordkoreanischer Raketen auf die Ukraine abgefeuert. Die Abwehr ballistischer Raketen sei eine der größten Schwachstellen der Ukraine, sagte Rob Lee, ein Experte der Denkfabrik Foreign Policy Research Institute. Die Ukraine leidet unter einem Mangel an modernen Flugabwehrsystemen. Zudem fehlt es an Patriot-Raketen, von denen die USA im Irankrieg in größere Stückzahlen verschossen haben (mehr hier). Nordkorea hat sich seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine 2022 zu einem engen Verbündeten Russlands entwickelt. Die beiden Staaten unterzeichneten 2024 einen gegenseitigen Verteidigungspakt. Pjöngjang hat ukrainischen Angaben zufolge bereits Millionen von Artilleriegranaten geliefert und 14.000 Soldaten in die russische Region Kursk entsandt. In der vergangenen Woche tötete eine nordkoreanische Rakete nach ukrainischen Angaben in dem Dorf Raduschne mindestens fünf Mitglieder derselben Familie. Die nordkoreanischen Raketen gelten als weitaus ungenauer als ihre russischen Gegenstücke. Die Entsendung einer nordkoreanischen Raketeneinheit könnte ein möglicher Eskalationsschritt Russlands sein, der ein bewusst gesetztes Signal an Kyjiws Verbündete und vor allem an Washington darstellt. Der österreichische Militärexperte Markus Reisner beschrieb das russische Eskalationspotential jüngst in einem Podcast des "Standard" . Die verstärkten ukrainischen russischen Drohnenangriffe im russischen Hinterland stellen für Putin ein wachsendes Problem dar (mehr hier ). Mit einer Ausweitung des Krieges, auch durch hybride Angriffe gegen Ziele in Westeuropa, könnte Moskau versuchen, die Unterstützung für die Ukraine zu schwächen. Eine neue Brücke zementiert die Allianz zwischen Moskau und Pjöngjang. Offiziell soll sie Tourismus und Handel ankurbeln – und dürfte Putins Armee im Krieg gegen die Ukraine mit Nachschub versorgen.