Dürre in Europa: Niedrigwasser am Rhein zwingt Logistik auf Schiene und Straße

Datum05.08.2026 23:02

Quellewww.zeit.de

TLDRDas Niedrigwasser im Rhein zwingt Unternehmen wie ThyssenKrupp, BASF und Evonik, ihre Logistik auf Schiene und Straße umzustellen. Dies beeinträchtigt die Rohstoffversorgung und führt teilweise zu Lieferengpässen. Umweltpolitiker bezeichnen die Situation als Weckruf angesichts des Klimawandels, während die Politik nach Lösungen wie einer Rheinvertiefung sucht.

InhaltDas Niedrigwasser am Rhein beeinflusst die Logistik einiger Unternehmen. Der Umweltstaatssekretär nennt die Situation einen Weckruf angesichts des Klimawandels. Das Niedrigwasser im Rhein zwingt Unternehmen dazu ihre Transporte auf die Schiene oder den Lkw zu verlagern. Unter anderem gaben die Konzerne ThyssenKrupp Steel Europe, BASF, Evonik und Lanxess bekannt, dass sie ihre Logistik aufgrund des niedrigen Pegelstands umstellen mussten. Der Stahlproduzent ThyssenKrupp Steel Europe teilte mit, dass sich "die anhaltende und sich verschärfende Niedrigwassersituation" mittlerweile auf die Rohstoffversorgung des Duisburger Werks auswirke. "Unsere eigene Schubschifffahrt wurde aufgrund der niedrigen Pegelstände eingestellt", teilte das Unternehmen mit. "Derzeit nutzen wir vorsorglich angemietete, externe Schiffe, die wegen ihres niedrigeren Tiefgangs auch bei den aktuellen Wasserständen eingesetzt werden können." Auch der Chemiekonzern BASF mit Sitz in Ludwigshafen setzte eine "größere Anzahl an Niedrigwasser-Schiffen" ein, um den Binnenschifftransport weitestgehend aufrechtzuerhalten. Zudem werde die Versorgung mit wichtigen Rohstoffen durch alternative Transportmittel wie Lkw und Schiene gestützt. In "Einzelfällen" komme es angesichts sinkender Pegel zu Lieferengpässen. Der Chemiekonzern Evonik mit Sitz in Essen teilte mit, dass die niedrigen Wasserstände im Rhein die Logistik- und Versorgungsketten vor "große Herausforderungen" stellten. "Die Transportmengen der Schiffe müssen reduziert werden", teilte das Unternehmen mit. Dies habe sich in einzelnen Fällen bereits auf die Produktion von Evonik im Chemiepark Marl ausgewirkt sowie auf andere Unternehmen, die Vorprodukte an Evonik liefern. Das Unternehmen verlagere einen Teil der Gütertransporte auf die Schiene oder die Straße. Ein Sprecher des Kölner Spezialchemiekonzern Lanxess teilte mit: "Da einzelne Lade- und Entladestellen nicht mehr erreichbar sind, stellen wir möglichst auf Bahn- und Straßentransporte um." Die Lieferungen mit dem Schiff seien stark eingeschränkt. Bislang könne die Produktion "ohne größere Einschränkungen" laufen. Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth (SPD) hat das derzeitige Niedrigwasser in deutschen Flüssen als Weckruf bezeichnet. Im RBB-Inforadio sagte Flasbarth, die extremen Wetterlagen zeigten, dass es einen enormen Klimawandel zu bewältigen gebe. Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) rief eine Fachkonferenz ein mit Vertretern der betroffenen Industrien. Der rheinland-pfälzische Wirtschaftsminister Michael Ebling (SPD) forderte zudem von der Bundesregierung mehr Tempo bei der Rheinvertiefung am Mittelrhein. "Wir befinden uns gerade in einer extremen Dürre", sagte Markus Weitere vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig (UFZ). Aktuell sei der Süden Deutschlands sehr stark betroffen, auch das Ursprungsgebiet des Rheins in der Schweiz etwa. Das mache sich an den Pegeln von Rhein und Donau bemerkbar. "Das sind zwei Flüsse, die sehr, sehr stark betroffen sind. Da haben wir extremes Niedrigwasser, teils jetzt schon mit historischen Tiefstständen", sagte er. Der Klimawandel macht Extremwetterereignisse wie Dürren häufiger und extremer.