Klimabewusstsein im Alltag: Warum haben Sie aufgehört, klimabewusst zu leben?

Datum05.08.2026 19:28

Quellewww.zeit.de

TLDRDas Klimabewusstsein in Deutschland nimmt ab. Nach dem Höhepunkt der Fridays for Future-Bewegung haben viele ihren klimabewussten Lebensstil aufgegeben. Fleischkonsum, Flugreisen und Kreuzfahrten steigen wieder an. Faktoren wie Corona, Kriege, Inflation und das Gefühl der Überforderung oder der Sinnlosigkeit individuellen Handelns tragen dazu bei. Politische Trägheit wird ebenfalls als Grund genannt. Die Redaktion sucht nach Stimmen, die über diese Ernüchterung berichten möchten.

InhaltDeutsche essen wieder mehr Fleisch, fliegen mehr und buchen mehr Kreuzfahrtreisen. Was ist mit dem klimabewussten Lebensstil passiert? Schreiben Sie uns. Ende der 2010er-Jahre brachte Fridays for Future Hunderttausende auf die Straße, Schüler, Eltern, Großeltern. Die Klimabewegung forderte nicht nur radikalere Maßnahmen von der Politik. Sie inspirierte auch Menschen aller Generationen dazu, ihren individuellen Lebensstil anzupassen: Sich vegetarisch oder vegan zu ernähren, auf Kurzstreckenflüge zu verzichten, Fahrrad statt Auto zu fahren, eine Solaranlage zu kaufen oder auch nur Pausenbrote in Bienenwachspapier statt in Alufolie einzuwickeln. Dann kamen: Corona, die Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten, Inflation und Wirtschaftskrise. Die Klimabewegung zerfiel, manche radikalisierten sich, andere wurden leiser – auch weil sie kein Gehör mehr fanden. Heute ist die Klimakrise in der gesellschaftlichen Debatte nur noch ein Randaspekt.  Das drückt sich auch im Klimabewusstsein der Deutschen aus: 2020 fanden laut einer Studie des Umweltbundesamtes 65 Prozent der Befragten den Klimaschutz "sehr wichtig", fünf Jahre später waren es nur noch 54 Prozent. Seit drei Jahren essen die Deutschen wieder mehr Fleisch, nachdem der Konsum zuvor Jahr für Jahr abgenommen hatte. Die Passagierzahlen für Flüge steigen wieder, sogar für Kurzstrecken. Und Kreuzfahrten sind so beliebt wie noch nie. Das muss nicht zwingend mit dem Ende der Klimabewegung zu tun haben – aber es stellt sich die Frage, was aus dem persönlichen Klimabewusstsein geworden ist. Manche fühlen sich womöglich angesichts der vielen Krisen und Konflikte emotional überfordert – und blenden die Klimakrise aus. Andere haben vielleicht das Gefühl, die Anpassung ihres individuellen Lebensstils könne nichts bewirken. Der CO₂-Fußabdruck gilt unter Klimaaktivisten ohnehin als Kampagne großer Ölkonzerne, um von deren Verantwortung abzulenken. Und andere dürften sich fragen, warum sie mit gutem Beispiel vorangehen sollten, wenn die Politik die notwendigen klimapolitischen Maßnahmen verschleppt. Wir möchten mit Klimabewegten über ihre Ernüchterung sprechen: Ist Ihr Alltagsverhalten in den vergangenen Jahren weniger klimafreundlich geworden – etwa beim Einkaufen, Reisen oder bei der Ernährung? Haben Sie wieder angefangen, bei Amazon zu bestellen, für Citytrips in den Flieger zu steigen oder Fleisch zu essen? Waren Sie in der Klimabewegung aktiv und haben und fühlen sich heute resigniert, entmutigt oder hoffnungslos? Was erwarten Sie in Bezug auf die Klimakrise noch von der Politik und Ihren Mitmenschen? Und gibt es etwas, das Ihnen – trotz allem – Hoffnung gibt? Melden Sie sich über das Formular oder schreiben Sie uns per E-Mail an community-redaktion@zeit.de. Ausgewählte Beiträge möchten wir nach Rücksprache mit Ihnen veröffentlichen, auf Wunsch auch anonymisiert.  Unsere Leserschaft bereichert unseren Journalismus. Hier finden Sie alle Stimmen-Texte.