Ärzte ohne Grenzen: Ebola verbreitet sich in DR Kongo in »beispiellosem Tempo«

Datum05.08.2026 16:24

Quellewww.spiegel.de

TLDRDer Ebolaausbruch in der DR Kongo breitet sich mit beispiellosem Tempo aus. Über 1700 Menschen sind bereits gestorben, die Krankheit verlangsamt sich nicht. Täglich werden neue Fälle gemeldet, oft abseits bekannter Übertragungsketten. Verzögerte Erkennung und mangelnde Kontaktverfolgung tragen zur hohen Sterblichkeit bei. Misstrauen, Kämpfe und die beginnende Regenzeit erschweren die Bekämpfung. Ärzte ohne Grenzen fordert dringend mehr finanzielle Mittel für Hilfseinsätze.

InhaltMehr als 1700 Menschen sind nach offiziellen Zahlen mittlerweile durch die Ebolaepidemie in der DR Kongo ums Leben gekommen. Beobachter sehen keine Anzeichen, dass der Ausbruch sich verlangsamt. Mehr als zweieinhalb Monate währt der Ebolaausbruch im Osten der Demokratischen Republik Kongo schon. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen zeigt angesichts der Lage alarmiert. Die Situation sei "kritischer denn je", sagte die stellvertretende medizinische Leiterin Philippa Boulle einer Mitteilung zufolge . "Trotz der unermüdlichen Bemühungen der medizinischen Teams vor Ort verbreitet sich die Krankheit in alarmierendem und beispiellosem Tempo", sagte Boulee weiter. Besorgniserregend sei vor allem, dass es keinerlei Anzeichen gebe, dass sich der Ausbruch verlangsamt. "Neue Verdachtsfälle werden nahezu täglich aus neuen Orten gemeldet, jenseits von bereits identifizierten Übertragungsketten." Nach Angaben des kongolesischen Gesundheitsministeriums gab es am Montag insgesamt 3874 bestätigte Ebolafälle, 1751 davon endeten tödlich. Die späte Erkennung von Fällen hat laut Behörden maßgeblich zur Sterblichkeitsrate von 45 Prozent beigetragen. Ein Problem ist zudem, dass die Behörden immer noch zu wenige Angehörige von Infizierten kennen, um sie vor einer Ansteckung zu schützen. In einem Behandlungszentrum in Bunia waren nach Angaben von Ärzte ohne Grenzen 90 Prozent der Patienten zuvor nicht als Kontaktpersonen erfasst. Das gilt als Schlüssel des Erfolgs: Wenn mehr als 90 Prozent der Kontakte bekannt sind, sich isolieren und bei ersten Krankheitsanzeichen behandelt werden, kann der Ausbruch unter Kontrolle gebracht werden. Misstrauen gegenüber Behörden und Kämpfe in Rebellengebieten, die Hunderttausende in die Flucht schlagen, erschweren diese Arbeit. Es handelt sich inzwischen um den größten Ebolaausbruch, der jemals im Kongo registriert wurde. Die beginnende Regenzeit könnte Transporte und Hilfseinsätze zusätzlich erschweren. Nach Angaben von Ärzte ohne Grenzen ist dringend mehr Geld nötig, um medizinische Teams zu fördern, Kontakte zu überwachen und weitere humanitäre Hilfe in dem armen Land zu leisten.