Datum05.08.2026 09:24
Quellewww.spiegel.de
TLDRBitten von Teammitgliedern können bei Führungskräften alte Muster aktivieren, oft bedingt durch eigene Erfahrungen aus der Kindheit. Starker Kindheitsstress kann zu Angstzuständen im Erwachsenenalter führen. Führungskräfte, die eigene Bedürfnisse nicht stabilisiert haben, reagieren gereizt auf Bitten. Hinter jeder Bitte stecken die Bedürfnisse nach Sicherheit, Liebe, Zugehörigkeit und Sinn. Indem Führungskräfte diese Bedürfnisse erkennen und eigene Irritationen als Informationsquelle nutzen, können sie ein vertrauensvolles Arbeitsumfeld schaffen.
InhaltKommen Ihre Mitarbeitenden ständig mit irgendwelchen Bitten zu Ihnen – und Sie reagieren gereizt? Was das mit Ihrer Kindheit zu tun hat – und wie Sie besser damit umgehen. Führungskräfte kennen sie und manche fürchten sie – die Frage von Teammitgliedern: "Hast du gleich noch mal kurz Zeit?" Wie Chefs und Chefinnen darauf reagieren, sagt jedoch mehr über sie selbst aus als über das Anliegen und/oder seine Berechtigung. Wie frühere Erfahrungen unsere Reaktionen prägenJay Stringer, Co-Autor des HBm-Artikels "Was hilft, wenn die Anliegen Ihrer Mitarbeitenden Sie auf die Palme bringen?", hat für sein Buch "Desire" mehr als 4000 Menschen befragt, um zu verstehen, wie frühe Erfahrungen das Wohlbefinden im Erwachsenenalter beeinflussen. Dabei zeigte sich: Menschen, die als Kinder starkem Stress ausgesetzt waren, berichten als Erwachsene deutlich häufiger von Angstzuständen. Wer hingegen in seinen Wünschen unterstützt wurde, erlebt später bessere psychische Gesundheit und stabilere Beziehungen. Klinische Forschung und Motivationstheorien stützen diese Erkenntnis: Wer gelernt hat, die eigenen Wünsche als legitim anzuerkennen, kann auch die Anliegen anderer eher respektvoll einordnen. Anders gesagt: Wenn Führungskräfte selbst wenig Stabilität entwickeln konnten, erleben sie die Bitte eines Teammitglieds um Unterstützung oder Beförderung schnell als anstrengend, fordernd oder respektlos. Typisch sind dabei unter anderem zwei Muster: In beiden Fällen schützt die Reaktion davor, dass sich frühere Verletzungen wiederholen – und blockiert die Entwicklung einer vertrauensvollen Führungskultur. Wie es besser gingeHinter fast jeder Bitte im Arbeitskontext stehen vier tief verankerte Bedürfnisse: Sicherheit, Liebe, Zugehörigkeit und Sinn. Dies zu erkennen, hilft Führungskräften, auf die Anliegen ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gelassener zu reagieren und so letztlich die Stimmung im Team und die Leistungen zu verbessern. Statt nur zu entscheiden, ob eine Bitte "berechtigt" ist, sollten Sie sich die folgenden Fragen beantworten. Die Bedürfnisse – und wie Chefs und Chefinnen angemessen darauf reagieren Fazit Die Bedürfnisse im Team sind nicht das eigentliche Problem – sie fungieren viel mehr als Diagnosetool für Beziehungsmuster und Führungsverhalten. Die zentrale Einladung an Führungskräfte: Die eigene Irritation ernst nehmen und als Informationsquelle nutzen, um die eigene Verletzlichkeit zu erkennen. Wer Sicherheit, Liebe, Zugehörigkeit und Sinn zunächst in sich selbst stabilisiert, kann auf die Anliegen anderer konstruktiv reagieren – und damit ein neues Modell schaffen, wie Wünsche, Konflikte und Bedürfnisse im Unternehmen ansprechbar werden. In "Lead Forward" spricht Gesine Braun, Chefredakteurin des Harvard Business managers, alle zwei Wochen mit der leitenden HBm-Redakteurin Christiane Sommer und HBm-Redakteurin Wiebke Harms über Führung, Strategie und Management. "Lead Forward" erscheint 14-täglich hier sowie auf Spotify und Apple Podcasts .