Alpen: Wassermangel auf Berghütten – Hubschrauber liefert Trinkwasser

Datum05.08.2026 08:08

Quellewww.spiegel.de

TLDRIn den Alpen herrscht auf fast allen Berghütten Wassermangel, teils müssen Getränke per Hubschrauber geliefert werden. Ursache sind schneearme Winter und Trockenperioden, verschärft durch den Klimawandel. Hüttenbetreiber ergreifen Sparmaßnahmen: Waschräume bleiben geschlossen, Toiletten werden umgerüstet. Trinkwasser wird rationiert oder nur gegen Gebühr abgegeben. Dies ist eine neue Dimension der Wasserknappheit, die viele Hütten betrifft.

InhaltTrockentoiletten, PET-Flaschen, geschlossene Waschräume: Weil das Wasser in den Alpen knapp wird, müssen einige Berghütten rationieren. Der Deutsche Alpenverein spricht von einer Mangellage auf fast allen Hütten. Die Hütten des Deutschen Alpenvereins (DAV) in den Alpen sind massiv von Wasserknappheit betroffen. "Wir haben auf fast allen Hütten derzeit Mangellagen", sagte Sprecher Julian Rohn. Es würden die unterschiedlichsten Maßnahmen ergriffen werden. Er sprach von "einer neuen Dimension". Um den Küchenbetrieb aufrechterhalten zu können, wird etwa das Trinkwasser auf der Blaueishütte bei Berchtesgaden derzeit per Hubschrauber geliefert. "Wir müssen leider unsere Waschräume geschlossen halten und können Trinkwasser nur in PET-Flaschen gegen Gebühr abgeben", teilten die Hüttenbetreiber zudem auf Facebook  mit. "Bitte habt Verständnis für unsere Situation!" Die Minute Hubschrauberflug kostet rund 30 Euro, plus 600 Euro für den Anflug. Auch andere Berghütten in dem Gebiet sind von extremem Wassermangel betroffen. "Wir haben noch nie den Fall gehabt, dass die Quellen nicht mehr geschüttet haben", schilderte die Vorsitzende der Sektion Berchtesgaden, Gabi Schieder-Moderegger, der Nachrichtenagentur dpa. "Das ist heuer das erste Mal der Fall." Sie habe sich zwar darauf eingestellt und einen Notfallplan erarbeitet, weil schon im Frühjahr statt reißender Bäche nur Rinnsale die Hänge hinabgeflossen seien. "Dass das aber so schnell geht, innerhalb einer Woche, damit haben wir nicht gerechnet." Für DAV-Sprecher Rohn ist die derzeitige Lage "bittere Realität". "Das ist schon drastisch, zumal es noch relativ früh in der Saison ist." Die Folge: "Es sind Wassersparmaßnahmen erforderlich. Sprich, die Waschräume sind nicht mehr zugänglich, die wasserintensiven Spültoiletten müssen durch Trockentoiletten ersetzt werden." Auch in der Vergangenheit hatte Wasserknappheit den Hüttenwirten schon zu schaffen gemacht. Etwa die Neue Prager Hütte in den Hohen Tauern musste schon zwei Mal im August vorzeitig schließen. Die Lage ist nicht jedes Jahr gleich, doch nach zwei schneearmen Wintern und einer langen Trockenperiode ohne Niederschläge ist sie heuer verschärft. "Im Moment betrifft es flächendeckend alle", wenn auch abhängig vom lokalen Wetter, so Rohn. Die Sektionen des Deutschen Alpenvereins unterhalten rund 320 Hütten, gut zwei Drittel davon in den deutschen und österreichischen Alpen. Sie werden zumeist durch oberflächennahe Wasservorräte aus Niederschlägen oder dem Schmelzwasser von Schneefeldern und Gletschern versorgt. Durch den Klimawandel steht aber Jahr für Jahr weniger Wasser zur Verfügung. Vor allem die hochalpinen Hütten leiden unter diesen Veränderungen. Ist ein wichtiges Wasservorkommen versiegt, zieht das oftmals den kompletten Umbau der Hütte nach sich. Eine der Gegenmaßnahmen ist der Einbau von Trockentoiletten. Auch Duschen nur gegen Gebühr oder der bewusste Verzicht auf Untertassen oder kleine Schälchen für die Marmelade beim Frühstück hilft, indem unnötige Spülgänge vermieden werden. Das Watzmannhaus teilte jüngst mit, dass der Waschraum morgens und abends nur noch für jeweils zwei Stunden geöffnet werde. Und an den Toiletten stehen fortan Desinfektionsmittel, während die Wasserhähne abgedreht sind. In den Berchtesgadener Alpen hat die Sektion die Klo- und Waschräume abgesperrt und unter anderem mobile "Baustellen-Toiletten" auf den Berg geflogen. Sie werden ohne die übliche Flüssigkeit betrieben, sodass die Fäkalien in die hauseigene Kläranlage gepumpt werden können. Als Trinkwasser dient mit UV-Anlagen aufbereitetes Regenwasser, das etwa bei Gewittern vom Dach gesammelt wird. Mehr Felsstürze, mehr Steinschlag: Der Klimawandel verändert die Alpen. Im Interview  erklärt Tobias Hipp vom DAV, wie dadurch das Risiko beim Wandern steigt – und der Luxus auf den Hütten schwindet.