Datum05.08.2026 06:00
Quellewww.zeit.de
TLDRIm Podcast "Nur eine Frage" argumentiert Expertin Anke Weidlich gegen neue Atomkraftwerke in Deutschland. Sie betont, dass neue Kernkraftwerke zu teuer und langwierig im Bau seien. Zudem passe ihre konstante Stromproduktion schlecht zu erneuerbaren Energien. Weidlich sieht stattdessen große Potenziale in Batterietechnologie und Wasserstoff. Auch neue, kleinere Reaktoren (SMRs) seien noch nicht wettbewerbsfähig.
InhaltDas Land diskutiert über einen Wiedereinstieg in die Kernkraft. Anke Weidlich erklärt, was gegen neue Atomkraftwerke spricht – und was die Alternativen sein könnten. Im Podcast "Nur eine Frage" stellt ZEIT-Chefredakteur Jochen Wegner einfache, aber grundlegende Fragen, auf die eine klare Antwort schwer zu finden ist. Er befragt die bestmögliche Expertin, den bestmöglichen Experten, den wir für das jeweilige Thema finden können – und versucht, eine klare Antwort zu bekommen. Seit April 2023 produziert Deutschland keinen Atomstrom mehr. Doch die Debatte über einen Wiedereintritt ist zurück. Ursula von der Leyen nannte die Abkehr in Europa einen strategischen Fehler. Und mit den Small Modular Reactors (SMR) rückt eine neue Generation von Miniatomkraftwerken in den Fokus. In dieser Folge von "Nur eine Frage" stellen wir Anke Weidlich die Frage: Braucht Deutschland neue Atomkraftwerke? Anke Weidlich ist Professorin für Technologien der Energieverteilung an der Universität Freiburg. Sie forscht zu nachhaltigen Energiesystemen, Strommarktgestaltung, Smart Grids und Flexibilitätsnutzung. In der Lehre behandelt sie Grundlagen zum Betrieb des Stromsystems, Optimierung und Prognosen. Sie gehört der 2011 von der Bundesregierung eingesetzten Expertenkommission zum Energiewende-Monitoring an. Neben ihrer wissenschaftlichen Arbeit engagiert sich Weidlich in nationalen Forschungs- und Beratungsgremien zur Energie- und Klimapolitik, darunter in der Akademieninitiative Energiesysteme der Zukunft (ESYS). Weidlichs Antwort lautet: nein. Im Podcast erklärt sie zunächst die technischen Grundlagen des Stromsystems: Warum die Frequenzhaltung im Netz so wichtig ist, wie rotierende Generatoren den Takt vorgeben, und warum man dafür kein Atomkraftwerk benötigt. Ökonomisch wiegt für Weidlich ein weiterer Punkt: Kernkraftwerksneubauten seien in Europa und den USA sehr teuer und langwierig geworden. Sie erklärt außerdem, dass ein Grundlastkraftwerk, etwa ein Kernkraftwerk, am rentabelsten ist, wenn es möglichst gleichmäßig durchläuft. Das passe wiederum schlecht zu einem System, das auf variablen Erneuerbaren basiere. "Was wir brauchen, ist eine Technologie mit niedrigen Kapitalkosten, selbst wenn sie im Betrieb teuer ist, weil man sie nur in den Stunden benötigt, in denen wenig Erneuerbare vorhanden sind", sagt Weidlich. Im Gespräch verweist sie auf die rasante Entwicklung der Erneuerbaren, erklärt, welche Rolle Batteriespeicher für eine zuverlässige Energieversorgung spielen und warum in vielen Bereichen die Lösung der Zukunft mit Wasserstoff zu tun habe. Auch die viel diskutierten Small Modular Reactors sieht Weidlich skeptisch: Laut einer Studie wären etwa 3.000 SMRs nötig, um überhaupt Wettbewerblichkeit zu erreichen; kommerzielle Reaktoren gebe es aktuell aber noch nicht. Mit Blick in die Zukunft rät Weidlich: "Fördert keine Technologie weiter, die keine Zukunft hat. Setzt stattdessen auf die, die Ausbaupotenzial haben. Man kann nicht in eine Welt zurück, die man mal hatte." Moderation: Jochen WegnerRedaktion: Jens Lubbadeh, Sophie HübnerVideoproduktion: Lucie Liu, Iona YoungVisuelle Produktion: Michael PfisterKamera, Schnitt & Ton: ifbbwVisual Director: Malin SchulzPhoto Director: Tina AhrensDesign: Adele Ogiermann, Jan LichteAnimation: Axel RudolphMusik: Konrad PeschmannLogo: Lea Dohle Alle Folgen des Podcasts finden Sie hier. Abonnieren Sie auch unseren "N1F"-Newsletter.Fragen, Kritik, Anregungen? Schreiben Sie eine Mail an n1f@zeit.de.