Meinung: Die Lage am Morgen - Wie hart fällt das Urteil gegen die »Letzte Verteidigungswelle« aus?

Datum05.08.2026 05:49

Quellewww.spiegel.de

TLDRIn Hamburg wird das Urteil gegen mutmaßliche Mitglieder der rechtsextremen Terrorgruppe "Letzte Verteidigungswelle" erwartet. Ihnen werden schwere Verbrechen wie versuchter Mord vorgeworfen. Der Prozess beleuchtet die zunehmende Gewaltbereitschaft und Verjüngung extremistischer Gruppen. Parallel dazu gibt es Debatten über die Nachfolge des Bundespräsidenten, wobei eine mögliche Kandidatin, Ilse Aigner, auf Widerstand stößt. Auf dem Mond wird ein alter Raketenkörper einschlagen, der voraussichtlich einen Krater hinterlassen wird.

InhaltIn Hamburg endet der Prozess gegen mutmaßliche Rechtsterroristen. Die SPD warnt vor einem Männerrückfall in der Präsidentendebatte. Und: Raketenschrott kracht auf den Mond. Das ist die Lage am Mittwochmorgen. Heute geht es um das Urteil in einem bemerkenswerten Prozess gegen mutmaßliche Rechtsterroristen. Um die Frage, ob das höchste Amt im Staat an eine Frau gehen sollte. Und um einen gewaltigen Einschlag auf dem Mond. Vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht wird heute das Urteil gegen sieben mutmaßliche Mitglieder und einen Unterstützer der rechtsextremen Terrorgruppe "Letzte Verteidigungswelle" verkündet. Ihnen wird unter anderem versuchter Mord, Verabredung zum Mord, Brandstiftung und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Die Gruppierung soll Anschläge auf Migranten und Linke geplant und begangen haben (mehr dazu hier ). Erst vor wenigen Wochen wurden weitere mutmaßliche Unterstützer des Netzwerks festgenommen (mehr hier). Die jungen Neonazis gaben sich das Motto: "Wir sind die Welle, die den Dreck aus unserem Land spült." Ein Logo des Terrortrupps glich dem Kennzeichen der SS-Totenkopfdivision. Zur Tatzeit waren die Angeklagten zwischen 14 und 21 Jahre alt. Der gesamte Prozess fand nach der Anklageverlesung im März daher unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, inklusive der Plädoyers von Bundesanwaltschaft und Verteidigung. Das Urteil wird nun öffentlich verkündet. Meine Kollegin Julia Jüttner ist für den SPIEGEL vor Ort. Als die "Letzte Verteidigungswelle" vor etwas mehr als einem Jahr aufgeflogen war, hatte der Fall ein Schlaglicht auf einen beunruhigenden Trend geworfen: Die Rechtsextremen werden immer jünger und immer gewaltbereiter. Anfang Mai gingen Ermittler mit Großrazzien gegen weitere rechtsextreme Jugendorganisationen vor, sie nennen sich "Deutsche Jugend Voran" oder "Jung und Stark" (mehr dazu hier). Experten fühlen sich an die Neonazikameradschaften der "Baseballschlägerjahre" in den Neunzigern erinnert – nur werden die Anhänger heute über soziale Medien und Chatgruppen rekrutiert. Der Aufruf zum rechten Terror ist oft nur einen Klick entfernt. Die Sache schien fast ausgemacht: Das nächste Staatsoberhaupt soll eine Frau sein. Eine geeignete Kandidatin hatte man auch im Blick: Ilse Aigner, 61, derzeit Präsidentin des Bayerischen Landtags (mehr dazu hier ). Markus Söder empfahl Aigner öffentlich, seither findet die CSU-Politikerin als Nachfolgerin von Frank-Walter Steinmeier Fürsprecher quer durch die politischen Lager. Nun aber tritt die CDU auf die Aigner-Bremse. Zum Ärger der SPD. Der Kanzler selbst hat stets betont, die Frage erst nach den Landtagswahlen im Herbst klären zu wollen. Immerhin rang Friedrich Merz sich ein oberflächliches Lob ab und nannte Aigner eine "respektable, denkbare Bundespräsidentin". Jetzt warnte Thorsten Frei, von Merz frisch installierter Unionsfraktionsvorsitzender, im "Welt"-Talk davor, sich auf eine Frau fürs höchste Amt festzulegen. Fast zeitgleich brachte die "Bild"-Zeitung den hessischen Ministerpräsidenten Boris Rhein als möglichen Kandidaten ins Spiel. Regierungserfahren, juristisch ausgebildet, konservativ, ausgleichend – das sollen die Eigenschaften sein, die Rhein in den Augen des Kanzlers für den Job qualifizieren. Aber will Merz, will die CDU Rhein wirklich als Kandidaten positionieren? Vor allem steckt dahinter wohl der Versuch, die Debatte wieder zu öffnen. Der in Personalfragen bisher nicht gerade glücklich agierende Merz will sich nicht drängeln lassen. Nicht vom CSU-Chef, der womöglich nur seine Rivalin aus Bayern wegloben will. Und nicht von der SPD, die sich Aigner gut an der Spitze des Staates vorstellen kann. Die Sache ist nur: Wenn Rhein plötzlich als Favorit des Kanzlers gilt (wofür es bisher keinen Beleg gibt) und Aigner es am Ende wird, sieht Merz wieder wie der Geschlagene aus. Klar also, dass die Genossen mitspielen. Dass nach Steinmeier eine Frau an die Spitze des Staates muss, darüber herrsche "in der politischen Mitte" große Einigkeit, sagt SPD-Vize Alexander Schweitzer meinem Kollegen Andreas Niesmann. Die Frei-Vorlage verwandelt Schweitzer verlässlich: "Die CDU droht, in Verhaltensmuster zurückzufallen, die die Gesellschaft längst überwunden hat." Auf dem Mond liegt ziemlich viel Müll herum. Mehr als 187 Tonnen sollen es inzwischen sein. Hinterlassen, klar, vom Menschen auf seinen zahlreichen Missionen zur Erforschung des Erdtrabanten. Heute kommt ein dicker Brocken dazu: Ein altes Teil einer im Januar 2025 gestarteten SpaceX-Rakete soll laut Experten im Laufe des Morgens mit gut 8700 Kilometern pro Stunde auf den Mond krachen. Gewicht: etwa 4000 Kilo. Eigentlich sollte die ausgebrannte Raketenstufe wie üblich in der Erdatmosphäre verglühen. In diesem Fall aber ging das Trümmerteil ungeplant auf Kollisionskurs zum Mond. Hat das Folgen für uns? Heute nicht. Astronomen weltweit sind vor allem gespannt, ob sich der Einschlag beobachten lässt und welche Spuren er auf der Mondoberfläche hinterlassen wird. "Wir gehen auf jeden Fall davon aus, dass wir die entstehende Staubwolke sehen können", sagte Detlef Koschny von der Technischen Universität München meinem Kollegen Christoph Seidler. Einen stattlichen Krater dürfte der SpaceX-Schrott bei seinem Einschlag formen, 17 Meter breit und zwei Meter tief, schätzen Experten. Das erwartete Ausmaß lässt erahnen, dass in ein paar Jahren nicht mehr nur Nerds einen solchen Absturz verfolgen werden. Die USA und China wollen schließlich schon bald Forschungsstationen auf dem Mond bauen. Wenn die von einem tonnenschweren Geschoss aus dem All getroffen werden, dürfte nicht mehr viel übrig bleiben. Noch mehr Rätsel wie Viererkette, Wordle und Paarsuche finden Sie bei SPIEGEL Games. … sind die Ostministerpräsidenten der CDU. Dass Sven Schulze, Michael Kretschmer und Mario Voigt mit ihrem Widerstand gegen die sogenannte Rente mit 63 ihrem gebeutelten Kanzler den Urlaub schwer machen, ist das eine. Das andere ist: Ihre Argumente für den Erhalt der abschlagsfreien Frührente sind nicht zu halten. "Die heutige Frührente ist im Kern ein Privileg für Menschen, die stets gut verdient und so überdurchschnittliche Rentenansprüche angesammelt haben", kommentiert mein Kollege Benjamin Bidder aus dem Wirtschaftsressort. "Politik und Gesellschaft müssen aber auch das Gesamtsystem im Blick behalten." Als Grund für ihren Vorstoß die Schlechterstellung der Menschen in Ostdeutschland anzuführen, findet Benjamin "ziemlich dreist". Dies möge bei den Einkommen noch so sein, bei der Rente jedoch nicht. Um Ihre Finanzen richtig in den Griff zu kriegen, hilft eine Bestandsaufnahme. Hier erfahren Sie, wie es geht. Kommen Sie gut in den Tag. Herzlich, Ihr Philipp Wittrock, Autor im SPIEGEL-Hauptstadtbüro