Datum05.08.2026 01:24
Quellewww.zeit.de
TLDRArbeitgeberpräsident Kampeter kritisiert den Widerstand gegen die geplante Abschaffung der abschlagsfreien Rente mit 63 als Ignorieren der wirtschaftlichen Realität und des demografischen Wandels. Er fordert eine zukunftsfeste Rente durch mehr Beschäftigung und solide Finanzierung. Einige Ministerpräsidenten, insbesondere aus Ostdeutschland, stemmen sich gegen die Reform, was laut einem Kommissionsmitglied kontraproduktiv sei, da so Mittel für den Aufbau einer Kapitalrente verloren gingen, von der gerade auch Ostdeutsche profitieren würden.
InhaltWer an der abschlagsfreien Rente festhalte, ignoriere die Wirtschaftslage, sagt BDA-Chef Steffen Kampeter. Die Kritik an der geplanten Rentenreform mache ihn fassungslos. Die Arbeitergeber sehen den Widerstand einiger CDU und SPD-Ministerpräsidenten gegen die geplante Abschaffung der abschlagsfreien Frührente kritisch. "Dass zentrale Elemente des Rentenpakets schon wieder infrage gestellt werden, bevor sie überhaupt umgesetzt sind, macht mich fassungslos", sagte der Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Steffen Kampeter, der Zeitung Bild. "So verspielt man die vielleicht letzte Chance, die Rente demografiefest zu machen." Wer Arbeitsplätze in Deutschland halten und die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts sichern wolle, müsse den Sozialstaat reformieren. "Wer gleichzeitig an der Rente ab 63 festhält, ignoriert den Fachkräftemangel, den demografischen Wandel und die wirtschaftliche Lage", sagte Kampeter. Eine zukunftsfeste Rente brauche "mehr Beschäftigung, mehr Beitragszahler und eine solide Finanzierung – nicht immer neue Versprechen auf Kosten der jüngeren Generation". Die Abschaffung der Frührente ohne Abschläge nach 45 Beitragsjahren – aktuell mit 64,5 Jahren möglich, landläufig aber als Rente mit 63 bezeichnet – ist einer der Kernpunkte der geplanten Rentenreform. Eine vor allem mit Experten besetzte Rentenkommission hatte dazu ein Konzept aus 33 Einzelmaßnahmen vorgelegt, die aufeinander aufbauen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und die SPD-Vorsitzende und Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas hatten sich dafür ausgesprochen, es als Ganzes umzusetzen. Vor allem die fünf ostdeutschen Ministerpräsidenten von CDU und SPD machen jedoch dagegen mobil, in abgeschwächter Form auch die SPD-Regierungschefs des Saarlands und des Landes Bremen. Die Ost-Regierungschefs, die teilweise vor Landtagswahlen stehen, argumentieren dabei damit, dass es in ihren Ländern besonders viele langjährige Rentenzahler mit Anspruch auf die abschlagsfreie Frührente gebe. Allerdings bestreitet ein Mitglied der Rentenkommission, Jörg Rocholl, dass ein Festhalten an der abschlagsfreien Frühverrentung im Interesse des Ostens ist. "Das Veto der Ost-Ministerpräsidenten bei der Rente mit 63 ist völlig falsch. Wenn es die Ost-Ministerpräsidenten wirklich ernst meinen, dann müssten sie nicht gegen die Abschaffung der Rente mit 63 sein, sondern dafür", sagte der Wirtschaftsforscher und wissenschaftliche Chefberater des Bundesfinanzministeriums der Bild. "Wenn die Rente mit 63 bleiben würde, dann würden rund zehn Milliarden Euro jährlich für den Aufbau der Kapitalrente fehlen. Von dieser Kapitalrente würden aber gerade auch die Ostdeutschen profitieren, weil sie für insgesamt höhere Renten sorgt", erläuterte er. Die Kapitalrente ist eine zusätzliche Säule der gesetzlichen Rentenversicherung, die durch Anlagen am Kapitalmarkt finanziert werden und überdurchschnittlichen Ertrag abwerfen soll. Ab 2040 soll so das Rentenniveau steigen, sogar über den heutigen Wert von 48 Prozent. Die Wirtschaftsweise Veronika Grimm plädierte ebenfalls dafür, an der Abschaffung der abschlagsfreien Frührente festzuhalten. "Die Rentenreform belastet die junge Generation in der aktuellen Ausgestaltung ohnehin schon zu stark und zusätzlich", sagte das Mitglied im Sachverständigenrat Wirtschaft dem Kölner Stadt-Anzeiger. "Wenn nun auch die Abschaffung der Rente ab 63 entfällt, dann verliert die Reform weiter an Wirksamkeit."