Datum04.08.2026 21:10
Quellewww.spiegel.de
TLDRDie Hungerkrise in Afghanistan verschärft sich dramatisch, laut Uno sind 47% der Minderjährigen unterernährt. Gekürzte Hilfsgelder des Welternährungsprogramms (WFP) beeinträchtigen die Versorgung stark. Ursachen sind neben fehlenden Mitteln auch Konflikte, Handelshemmnisse und Zwangsrückführungen. Das WFP benötigt dringend weitere 540 Millionen Dollar, um die akute Ernährungsunsicherheit zu bewältigen und eine ganze Generation vor Verelendung zu retten.
Inhalt"Die schwachen Schreie unterernährter Babys hallen durch die Kliniken": John Aylieff, Landesvertreter des Uno-Welternährungsprogramms, berichtet von der dramatischen Lage in Afghanistan. Hilfsgelder wurden zuvor gekürzt. Die Hungerkrise in Afghanistan nimmt immer verheerendere Ausmaße an. Das berichtet das Uno-Welternährungsprogramm (WFP). Die Kürzung von Hilfsgeldern vieler Geberländer bedeute, dass das WFP nur noch eins von neun unterernährten Kindern in dem Land unterstützen kann, sagte der WFP-Landesvertreter für Afghanistan, John Aylieff. Die Unterernährung habe ein bislang nicht dagewesenes Ausmaß erreicht, warnte er. 47 Prozent der Minderjährigen seien im ersten Quartal dieses Jahres unterernährt gewesen. Nach Uno-Schätzung leben mehr als 48 Millionen Menschen in Afghanistan. 14 Millionen von ihnen leiden demnach unter akutem Hunger. Die Folgen dürften einmal auch über die Landesgrenzen Afghanistans hinaus spürbar werden, warnte Aylieff: "Extremer Hunger treibt Migration und Radikalisierung voran und führt letztlich zu Instabilität. Wie die Geschichte zeigt, neigt Instabilität nicht dazu, an den Grenzen haltzumachen." In einigen Krisenregionen sei die Verteilung von Lebensmitteln komplett eingestellt worden, da "einfach die Mittel fehlen". "Die schwachen Schreie unterernährter Babys hallen durch die Gesundheitskliniken Afghanistans", sagte Aylieff weiter. Eine ganze Generation verkümmere. Er berichtete von einer unterernährten Mutter von drei Kindern in Kandahar, die ihrem Baby statt Milch nur dünnen Tee geben könne. Ihr unterernährter sechsjähriger Sohn sei zu krank und schwach, um in die Schule zu gehen. Sie sei verzweifelt zu einer Klinik gekommen, doch das WFP habe nichts gehabt, um ihr zu helfen. Das WFP habe bislang nur gut ein Zehntel der 900 Millionen US-Dollar (rund 780 Millionen Euro) erhalten, die es für Afghanistan für dieses Jahr veranschlagt hatte, sagte Aylieff. Zwar sei in diesem Jahr mit einer guten Ernte zu rechnen. Das bringe aber keine Erleichterung, wenn man bedenke, dass viel mehr Leute ernährt werden müssen. Nun benötigt die Organisation eigenen Angaben zufolge weitere 540 Millionen Dollar, um die akute Ernährungsunsicherheit in Afghanistan in den nächsten sechs Monaten in den Griff zu bekommen. Neben der drastischen Kürzung der Hilfsgelder tragen dem Uno-Landesdirektor zufolge auch Konflikte, Handelsbeeinträchtigungen und Zwangsrückführungen aus Nachbarländern – insbesondere Iran und Pakistan – zu dem beispiellosen Ausmaß akuter Unterernährung bei. Die Uno warnt seit Jahren vor drohendem Hunger in Afghanistan. Nun kommen mehrere Umstände zusammen, die sich fatal ergänzen. Lesen Sie hier mehr zur humanitären Lage in Afghanistan: "Wir haben Familien getroffen, die ihre Töchter verkaufen".