Irankrieg: USA haben offenbar wichtige Raketenvorräte fast aufgebraucht

Datum04.08.2026 17:58

Quellewww.spiegel.de

TLDRBerichten zufolge haben die USA im fünfmonatigen Irankrieg fast alle landgestützten Langstreckenraketen, wie Atacms und PrSM, eingesetzt. Auch die Bestände an Tomahawk-Marschflugkörpern, Patriot- und THAAD-Systemen sind stark reduziert. Dies schürt Sorgen über die künftige Einsatzbereitschaft, während Präsident Trump dies bestreitet und auf hohe Produktionskapazitäten verweist. Intensive Debatten innerhalb der US-Regierung drehen sich um die Fortsetzung der Angriffe.

InhaltLaut Insidern haben die USA seit Beginn des Irankriegs fast alle ihre landgestützten Langstreckenraketen eingesetzt. Regierungsvertreter sorgen sich um die künftige Einsatzbereitschaft der Armee. Präsident Trump wiegelt ab. Die US-Armee hat während ihres fünfmonatigen Kriegs gegen Iran offenbar ihre Bestände an wichtigen landgestützten Langstreckenraketen weitestgehend aufgebraucht. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters und beruft sich auf Insider.​ ​Dies schüre Sorgen über die Einsatzbereitschaft des US-Militärs für künftige Konflikte, sagten demnach Regierungsvertreter mit Blick auf die niedrigen Lagerbestände. Details zur genauen Nutzung der Raketen ‌vom Typ Army Tactical Missile Systems (Atacms) und Precision Strike Missiles (PrSM) waren bislang nicht bekannt. Bei den Raketen handelt es sich vor allem um Boden-Boden-Geschosse des Heeres. Die USA hätten "nahezu alle" diese Waffen eingesetzt, sagten zwei der Insider. Zu genauen Zahlen wollten sie allerdings keine Angaben machen. Analysten zufolge wären solche Waffen, die über eine Million Dollar pro Stück kosten, auch in einem Konflikt mit China oder Russland von Bedeutung. PrSM ist eine neuere, fortschrittlichere Generation, die die ​Atacms mit ihrer kürzeren Reichweite ersetzen soll. Zudem hätten die USA seit Kriegsbeginn knapp die Hälfte ihres weltweiten Bestands an Tomahawk-Marschflugkörpern verbraucht, sagte eine Person, ⁠die laut Reuters ebenfalls nicht ⁠namentlich genannt werden wollte. Sie werden von der Marine von Schiffen und U-Booten aus gestartet. Auch die Bestände an defensiven Waffen wie Patriot-Abfangraketen und THAAD-Systemen zur Abwehr ballistischer Raketen seien stark reduziert. Einem Bericht des Center for Strategic and International Studies (CSIS) von vergangener Woche zufolge wurden ‌zwischen Februar und Juli etwa 65 Prozent der Patriot-Abfangraketen verbraucht und die THAAD-Bestände um mindestens 38 ​Prozent reduziert. Zwei der Insider ‌bestätigten, dass diese Zahlen mit internen US-Daten übereinstimmten. US-Präsident Donald Trump wies die Bedenken zurück. Die USA hätten "weit mehr Munition als irgendjemand sonst auf der Welt" und "weit mehr, als wir benötigen", hieß es in einer vom Weißen Haus verbreiteten Erklärung des Republikaners. Rüstungsunternehmen würden zudem ihre Produktion auf Rekordniveau ausweiten. Pentagon-Sprecher Sean Parnell teilte mit: "Das ‌amerikanische Militär ist das mächtigste der Welt und verfügt über alles, was es braucht, um zu einem vom Präsidenten gewählten Zeitpunkt und Ort zu handeln." Analysten betonten ebenfalls, dass bestimmte Munition wie Artilleriegranaten und mehrere Raketentypen auf Rekordniveau produziert würden. Allerdings ‌könnten die Vorräte bei einem längeren Krieg nicht ausreichen. Alle Friedensbemühungen im Irankrieg führten bislang zu keinem Durchbruch. Die Langstreckenwaffen ‌ermöglichen den USA präzise Angriffe ​aus sicherer Entfernung. Von den USA gelieferte Atacms spielten auch eine Schlüsselrolle im Krieg in der Ukraine und ermöglichten es den ukrainischen Streitkräften, Ziele in Russland anzugreifen. Einer ​der Insider sagte, der hohe Verbrauch der Raketen in Iran spiegele die ⁠Entscheidung der Trump-Regierung wider, riskantere Angriffe mit bemannten ​Flugzeugen zu ​vermeiden. Innerhalb der US-Regierung gibt es derzeit intensive Debatten, wie lange die Angriffe auf Iran fortgesetzt werden können, ohne die Fähigkeit des Militärs zur Reaktion auf andere Krisen zu gefährden.